Dümpelwirtschaft England hofft auf Konjunkturschub durch Hochzeit

Es steht schlecht um England: Während andere EU-Staaten konjunkturell durchstarten, dümpelt die britische Wirtschaft vor sich hin. Im ersten Quartal ist sie nur um 0,5 Prozent gewachsen, der Bausektor schrumpft sogar. Premier Cameron hofft nun auf positive Impulse durch die königliche Hochzeit.

REUTERS

London - David Cameron hegt große Hoffnungen in die anstehende Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Der Premier soll "vor Freude auf den Tisch gehämmert" haben, als er von der Verlobung erfuhr, wird kolportiert. Zum einen bedeutet die Trauung eine Auszeit von all den schlechten Nachrichten, von Japans Atomkatastrophe und vom Einsatz englischer Soldaten im Libyen-Krieg. Zum anderen hofft der Premier, die Hochzeit könnte die desolate britische Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Das wäre in der Tat bitter nötig - wie vorläufige Berechnungen des britischen Statistikamts vom Mittwoch belegen. Demnach kommt die britische Wirtschaft nur langsam aus der Krise. Im ersten Quartal legte die Konjunktur um 0,5 Prozent im Vergleich zum vergangenen Quartal zu. Im Vergleich zum Vorjahresquartal kletterte das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent.

Das ist zwar eine leichte Verbesserung: Ende 2010 war die Wirtschaft noch um 0,5 Prozent geschrumpft. Dennoch hinkt Großbritannien anderen großen Industriestaaten der Euro-Zone hinterher. Die deutsche Regierung etwa erhöhte kürzlich ihre Wachstumsprognose für 2011 auf 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

In England dagegen kamen bislang nur einige Branchen aus der Krise. Das Verarbeitende Gewerbe und die Dienstleister legten zu. Der Bausektor dagegen schrumpfte so stark wie seit Anfang 2009 nicht mehr - und verhinderte ein stärkeres Wachstum der britischen Wirtschaft zum Jahresauftakt.

Fotostrecke

4  Bilder
Grafiken: Englische Konkunktur
Die eher schwache Konjunkturerholung dürfte dazu führen, dass die britische Notenbank die Zinsen weiter auf einem Rekordtief hält. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits die geldpolitische Wende eingeläutet und den Leitzins jüngst erstmals seit fast drei Jahren erhöht.

Kann das "Wohlfühl-Event", die Wirtschaft beleben?

Bleibt die Hoffnung auf die royale Hochzeit. Schon jetzt profitieren viele Branchen vom Hype um die Trauung. Allein die zusätzlichen Einnahmen durch Souvenirs sollen etwa 222 Millionen Pfund (250 Millionen Euro) betragen, prognostiziert das Marktforschungsinstitut Centre for Retail Research. Es gibt Kate und William auf Geschirrtüchern, Porzellantellern und Briefbeschwerern. Auf Münzen. Auf Briefmarken. Auf Manschettenknöpfen und Teebeuteln. Auf Kotztüten und Kondomen (Offizieller Name: "Kronjuwelen").

Fotostrecke

15  Bilder
Royale Gästeliste: Mr. Bean, ein Sultan und die Beckhams
Die Firma UK Gift Company, spezialisiert auf Royal-Produkte, geht von einer Belebung des Geschäfts um 30 bis 40 Prozent aus. Eine Fabrik in Sheffield fuhr am Tag nach der Bekanntgabe der Hochzeit ihre Produktion dramatisch nach oben, um mit der Herstellung von William&Kate-Tassen nachzukommen.

Das Designerkleid, das die angehende Braut bei der Verlobungs-Pressekonferenz trug, war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Eine günstige Version des Kleides wurde zum Verkaufsschlager der Supermarktkette Tesco und war nach zwei Wochen ebenfalls vergriffen. Buchmacher nehmen Wetten auf die Länge des Brautkleides an, auf den Ort der Flitterwochen, auf das Scheidungsdatum.

Auch der Tourismus boomt derzeit. Die Agentur "VisitBritain" erwartet für den 29. April mehr als eine Million Besucher und allein an diesem Tag Sondereinnahmen von 35 bis 55 Millionen Euro.

Wichtiger als die kurzfristigen Profite wäre für Cameron jedoch der erhoffte Langzeit-Effekt der Hochzeit. Auch manche Ökonomen sehen die Trauung als nationales "Wohlfühl-Event", schreibt die BBC. Sie könne das Konsumklima verbessern.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
davyjones 27.04.2011
1. Puh,
...da bin ich aber erleichtert, daß es nur um Englands Wirtschaft schlecht steht. Schotten, Waliser und Nordiren werden sich freuen, das zu hören.
Sharoun 27.04.2011
2. ...
Zitat von sysopEs steht schlecht um England: Während andere EU-Staaten konjunkturell durchstarten, dümpelt die britische Wirtschaft vor sich hin. Im ersten Quartal ist sie nur um 0,5 Prozent gewachsen,*der Bausektor schrumpft sogar. Premier Cameron hofft nun auf positive Impulse durch die königliche Hochzeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759243,00.html
...vielleicht scheint sogar die Sonne, dann geht es da aber richtig rund mit der Konjunktur.
Lord Solar Plexus, 27.04.2011
3. Sowas
Back to your locker, Pingel! :-) Sowas nennt sich pars pro toto.
Glasperlenspiel, 27.04.2011
4. Mann, muss es denen heute schlecht gehen, ...
... wenn die Wiege der Industriellen Revolution und der technischen Erfindungen auf so etwas wie eine "Märchenhochzeit" angewiesen sein will. Das kommt davon, wenn man sich deindustialisert und nur auf Banken und angeschlossene Dienstleistungen setzt. Wenn U.K die Kohlenwasserstoffe in der Nordsee nicht hätte, dann sähe es ja ganz duster aus.
bunterepublik 27.04.2011
5. bringt nichts
Das bringt gar nichts.... Aber UK kommt wieder auf die Beine....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.