Dürren und Überschwemmungen Afrika will Milliarden-Entschädigung für Klimawandel

Der Klimawandel macht den afrikanischen Staaten besonders schwer zu schaffen - jetzt fordern sie Kompensation von den Hauptverursachern, den Industriestaaten. 67 Milliarden sollen die zahlen - jährlich.
Dürre in Kenia: Schwierige Gespräche zum Kyoto-Abkommen

Dürre in Kenia: Schwierige Gespräche zum Kyoto-Abkommen

Foto: A2800 epa Sarah Elliott/ dpa

Addis Abeba - Dürren, Hungersnöte, Überschwemmungen - die Szenarien die Klimaforscher den afrikanischen Staaten prophezeien, wenn sich die Atmosphäre weiter erwärmt, sind wahrhaft apokalyptisch. Die Betroffenen sehen sich als Opfer, zumal sie in den vergangenen Jahrzehnten kaum zum weltweiten Klimawandel beigetragen haben.

Deshalb fordern sie jetzt eine Entschädigung. Die Industrieländer sollen die schlimmsten Folgen der Erderwärmung mit jährlich 67 Milliarden Dollar ausgleichen. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag am Rande eines afrikanischen Klimagipfels in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, bei dem die Staats- und Regierungschefs von zehn Ländern über eine gemeinsame Verhandlungsposition für die im Dezember in Kopenhagen anstehenden Gespräche über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beraten.

Bei dem Treffen, zu dem die in Addis Abeba ansässige Afrikanische Union (AU) unter anderem Regierungsvertreter aus Kenia, Südafrika und Nigeria eingeladen hatte, wollen die Afrikaner darüber hinaus eine deutliche Senkung der Schadstoffemissionen in den kommenden Jahren verlangen. "Die Entwicklung in Afrika sollte nicht den Fehlern der entwickelten Länder folgen", sagte dazu die kenianische Umweltministerin Alice Kaudia am Montag dem britischen Sender BBC.

Bei den vergangenen Klimaschutzverhandlungen hätten unterschiedliche Standpunkte der afrikanischen Länder stets die Einflussmöglichkeiten auf das Ergebnis begrenzt, beklagten die afrikanischen Staats- und Regierungschefs laut Entwurf in ihrer Abschlusserklärung. Das Verhandlungsteam für Kopenhagen müsste deshalb "mit dem politischen Gewicht von oberster Stelle" gestärkt werden, damit Afrikas Stimme ernster genommen werde.

Entwicklungsländer haben nach einer im Mai veröffentlichten Studie mehr als 90 Prozent der Lasten in Folge des Klimawandels zu tragen. Gleichwohl sind die 50 ärmsten Staaten für weniger als ein Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Dabei ist Afrika die am stärksten gefährdete Weltregion.

Bei den Kopenhagener Klimaschutzverhandlungen im Dezember soll ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll verabschiedet werden. Nach den jüngsten Vorbereitungsgesprächen in Bonn warnte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, allerdings vor einem Scheitern. Wenn die Staatengemeinschaft ihr Tempo nicht deutlich erhöhe, werde es kein neues Klimaschutzabkommen geben.

mik/Reuters/dpa