Steigende Umlage für Ökostrom Der geschröpfte Verbraucher

Die Ökostromumlage steigt auch 2014 kräftig - und mit ihr die Stromrechnung der kleinen Haushalte. Das müsste nicht so sein, wenn Politik und Unternehmen die Verbraucher nicht gleich mehrfach schröpfen würden.
Windräder in Husum: Teure EEG-Umlage

Windräder in Husum: Teure EEG-Umlage

Foto: Christian Charisius/ dpa

Hamburg - Die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) wird auch 2014 stark steigen - auf gut 6,3 Cent je Kilowattstunde. Verbraucher werden also wieder mehr für Strom zahlen müssen. Dabei müsste das gar nicht sein. Denn die Logik, höhere EEG-Umlage ist gleich höhere Strompreise, ist überholt.

Anders als in den vergangenen Jahren ist der Anstieg der Ökostromumlage - absurderweise - nur noch zum kleinen Teil auf den Bau neuer Ökostromanlagen zurückzuführen. Nach Berechnungen des Branchendiensts Energy Brainpool geht inzwischen knapp die Hälfte des Anstiegs auf einen Einbruch der Einkaufspreise zurück.

Hintergrund: Die Betreiber von Ökostromanlagen bekommen, damit sie Investitionssicherheit haben, ihre Elektrizität zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Einkaufspreis an der Strombörse EEX. Die Differenz zwischen Einkaufspreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher komplett über ihre Stromrechnung. Da nun die erneuerbaren Energien immer mehr Strom produzieren und die großen Versorger ihre Kohlekraftwerke meist weiter mit voller Kraft laufen lassen, gibt es ein wachsendes Überangebot an Strom. Die Einkaufspreise sinken, die Differenz zum Fixpreis wird immer größer.

Würden die Versorger ihre sinkenden Einkaufspreise nun an die Verbraucher weitergeben, könnte dies den Anstieg der EEG-Umlage fast vollständig kompensieren. Doch die Versorger denken nicht dran. In der sogenannten Grundversorgung geben sie ihre Ersparnisse beim Einkauf überhaupt nicht an Endkunden weiter, dies wurde erst im März erneut in einer Studie für die Denkfabrik Agora Energiewende  nachgewiesen. Denn die Grundversorgung ist der einzige Tarif, zu dem Stromversorger grundsätzlich allen Kunden Elektrizität liefern müssen. Viele Sozialhilfeempfänger bekommen nur zu diesen Konditionen Strom, denn wer einen Schufa-Eintrag hat, wird von den Billiganbietern oft gar nicht beliefert. Es gibt also kaum Gefahr, dass sie in einen anderen Tarif wechseln - und damit kaum Wettbewerb.

Auch bei Tarifen, mit denen Versorger im Wettbewerb stehen, befürchten Branchenkenner, dass die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise nicht vollständig an den Kunden weitergeben. "Manche Anbieter kalkulieren mit der Trägheit der Kunden, andere damit, dass es schon reicht, etwas günstiger zu sein als der Grundversorger", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW.

Verbraucher zahlen auch für Verfehlungen der Politik

Nicht nur von den Unternehmen wird der Verbraucher geschröpft, sondern auch von der Politik. Diese hat die Umsetzung der Energiewende jahrelang schleifen lassen - und ihre Verfehlungen gleich mehrfach auf die Verbraucher abgewälzt.

Aktuelles Beispiel: die sogenannten Netznutzungsentgelte. Auch diese dürften 2014 steigen. Und zwar unter anderem, weil die Regierung den Bau von Windrädern auf hoher See jahrelang so schlecht gemanagt hat, dass für fertige Parks zum Teil der Netzanschluss fehlt. Die Parkbetreiber bekommen nun teure Entschädigungen. Zahlen muss sie: der Verbraucher. Über die Netznutzungsentgelte. Das unabhängige Vergleichsportal Verivox geht von einem Anstieg von gut zehn Prozent aus.

Hinzu kommen teure Zugeständnisse, mit denen die Regierung die Unternehmen päppelt. Mehr als die Hälfte des Industriestroms ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Sogar Schlachthäuser und Golfplätze genießen entsprechende Privilegien. Was die Industrie weniger zahlt, müssen vor allem Mittelständler und Privathaushalte zusätzlich aufbringen.

1189 Euro für Strom im Jahr

Und so dürfte die Stromrechnung der Verbraucher auch im kommenden Jahr steigen. Verivox rechnet mit einem Plus von rund sieben Prozent. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden müsste demnach rund 79 Euro mehr zahlen als im laufenden Jahr. Und das auch nur, wenn die Versorger, wie Verivox annimmt, zumindest einen Teil der gesunkenen Einkaufspreise an die Verbraucher weitergeben.

Laut Verivox kostet die Kilowattstunde Strom den Endverbraucher derzeit rund 27,75 Cent. Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr entspricht dies jährlichen Gesamtkosten von 1110 Euro. Ab 2014 dürfte der Kilowattstundenpreis im Schnitt auf 29,73 Cent steigen, was bei gleicher Abnahmemenge Gesamtkosten von 1189 Euro bedeuten würde.

Anbieterwechsel - so funktioniert's

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.