Bistum Eichstätt Kirchliche "Machtclique" führte zu Finanzskandal

Wieso steckte das Bistum Eichstätt rund 60 Millionen Dollar in riskante Immobiliengeschäfte in den USA? Ein unabhängiges Gutachten sieht "klerikale Machtstrukturen" als eine Ursache für den Skandal.

Bischofshaus in Eichstätt
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Bischofshaus in Eichstätt


Der Finanzskandal im bayerischen Bistum Eichstätt ist einem unabhängigen Gutachten zufolge von einer "Machtclique" innerhalb der Geistlichen verursacht worden. Es habe in der Vergangenheit massive "systemische Defizite" in Eichstätt gegeben, teilten die mit der Aufarbeitung des Skandals beauftragten Rechtsanwälte mit.

Ursache dieser Defizite sei ein "ausgeprägter Klerikalismus", der auf die Erhaltung von Machtstrukturen einiger ranghoher Mitglieder des Domkapitels abzielte, hieß es weiter. Es könne von einem "System Eichstätt" gesprochen werden, das teilweise sogar offenkundig kirchenrechtswidrig gewesen sei. "Wir gehen davon aus, dass dieses System bewusst gewählt wurde, um klerikale Machtstrukturen zu erhalten", sagte der Rechtsanwalt Ulrich Wastl.

Das Bistum hatte rund 60 Millionen Dollar aus seinem Vermögen für Immobilienspekulationen in den USA in Form von Darlehen eingesetzt. Von dieser Summe wurden etwa sechs Millionen Dollar zurückgezahlt. Von den noch offenen 54 Millionen Dollar seien 44 Millionen Dollar bereits seit längerem fällig, ohne dass das Geld zurückgezahlt wurde. Die US-Verhandlungspartner setzten auf Verzögerung, weshalb nun in einem ersten Einzelfall vor Gericht geklagt werden soll.

Der ehemalige Finanzdirektor und der stellvertretende Finanzdirektor sind dem Gutachten zufolge neben dem Geschäftspartner für die US-Geschäfte die Hauptverantwortlichen in dem Skandal. Der Finanzdirektor war gleichzeitig auch Domdekan und stand damit an der Spitze des Domkapitels. Dies belege ein Kontrolldefizit, so die Prüfer.

Bischof Hanke übt Selbstkritik

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatte 2015 eine Transparenzoffensive zu den Kirchenfinanzen gestartet, in deren Zuge der Skandal aufgedeckt wurde. Die von ihm beauftragten Prüfer hielten Hanke allerdings vor, nach seinem Amtsantritt 2013 die "gewachsenen inakzeptablen Strukturen" zunächst nicht umfassend reformiert zu haben. Hanke selbst räumte ein: "Da hätte ich vielleicht konsequenter sein müssen."

Die Prüfer verwiesen darauf, dass vergleichbare Strukturen wie in Eichstätt auch in anderen deutschen Diözesen bestanden. Für mehr Transparenz sorgen die Bistümer erst seit dem Auffliegen des Finanzskandals im Bistum Limburg. Dort war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 2013 nach dem Bekanntwerden explodierter Baukosten für das Limburger Kirchenzentrum mitsamt luxuriöser Ausstattungen abgelöst worden.

Das Bistum stellte Strafanzeige gegen einen ehemaligen Mitarbeiter und dessen Geschäftspartner. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II gegen die zwei Beschuldigten dauern nach Angaben der Behörde an.

dab/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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karljosef 16.02.2019
1. Mal eine kurze Rechnung:
Die römisch katholische Kirche bietet mittlerweile Kitas an, die vor 1989 in der DDR1.0 verurteilt wurden! Meine Meinung: Das absolute Grundrecht jedes Babys ist es, bei einer ganz festen Bezugsperson die ersten 3 Lebensjahre zu verbringen, um eine absolute Basis, ein "Grundvertrauen" in die Gesellschaft, das Leben überhaupt entwickeln zu können. Nur eine Behauptung: Und das ist in einer Kita einfach nicht möglich Durch eine Förderung von z.B. 30.000 Euro pro alleinerziehende Mutter oder auch ärmerer Familie wäre ein "menschenwürdiges" Großwerden des Kindes in den genannten ersten drei Jahren ermöglicht worden? 44 Mio. sind evtl. in den Sand gesetzt worden, kann man dem Artikel entnehmen. Jetzt die angekündigte *Rechnung* Das wäre die Unterstützung für knapp 1500 Babies gewesen... Übrigens: Es wurde sich in den Medien darüber beschwert, dass man Kälber zu früh von den Kühen trennt. Man sah herzergreifende Bilder von suchenden Viechern. Bin ich denn der erste, der eine ähnliche Forderung für Menschen stellt?
yvowald@freenet.de 17.02.2019
2. Abserben der katholischen Kirche auch in unterentwickelten Regionen
Die katholische Kirche ist ein Geheimbund älterer Herren, die sich ihre eigene Welt schufen - ohne Gott, aber mit Teufel. Inzwischen werden die kirchlichen Skandale überall ruchbar. Da helfen auch keine Dementis des früheren Regensburger Bischofs Rudolf Müller und anderer, die auch die Tatsache, daß hohe Kirchenmänner sich an jungen Männern vergangen haben, eher noch zu beschwichtigen versuchen. Das kann dauerhaft nicht fruchten und dürfte zu einem Absterben der katholischen Kirche führen, selbst in Regionen, die aufgrund zurückgebliebener Aufklärung gegenwärtig eher uninformiert zu sein scheinen.
karljosef 17.02.2019
3. yvowald@freenet.de
Das sehe ich allerdings anders. Es rumort in der katholischen Kirche. Endlich fängt man an, an den Stühlen einiger offensichtlich seniler Herren zu sägen. Und das kommt eben nicht nur von ganz unten sondern auch von ganz oben, vom Papst! Endlich besinnt man sich darauf, dass eine christliche Kirche vor allem für die schwächeren sein sollte? Und nicht nur für die Amtsträger!
karljosef 17.02.2019
4. Weiteres Stichwort: Theologie der Befreiung
Auch wenn diese Bewegung in Deutschland sogar bei dem "Bodenpersonal" der Kirche teilweise unbekannt(?) ist, gibt es diese schon recht lange. Sie distanzierte sich eben vom Kapitalismus bereits, als noch nicht die Turbo-Auswüchse in der aktuellen Form vorhanden waren. Lange Zeit war der Vatikan überhaupt nicht mit dieser Bewegung einverstanden, die Stellung des heutigen Papstes kenne ich nicht!
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