Eihaltige Produkte Klöckner strebt offenbar EU-weite Kennzeichnungspflicht an

Bei Produkten mit Eiern bleiben die Haltungsbedingungen der Hühner meist verborgen. Das will Landwirtschaftsministerin Klöckner nun offenbar EU-weit ändern. Die Grünen kritisieren das als Mogelpackung.

Julia Klöckner will offenbar eine EU-weite Kennzeichnungspflicht
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Julia Klöckner will offenbar eine EU-weite Kennzeichnungspflicht


Nudeln, Desserts, gefärbte Ostereier: In vielen Lebensmitteln sind Eier enthalten. Doch über die Haltungsbedingungen der Hühner steht meist nichts auf der Packung. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert nun offenbar eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Eiern.

"Immer mehr Verbraucher wollen inzwischen ihre Kaufentscheidung auch bei verarbeiteten Lebensmitteln mit Ei als Zutat in Kenntnis der Haltungsform treffen", zitieren die Zeitungen der Funke Mediengruppe aus einem Schreiben der Ministerin an EU-Lebensmittelkommissar Vytenis Andriukaitis.

Zwar wiesen einige Lebensmittelkonzerne bereits freiwillig auf die Haltungsbedingungen der Legehennen hin. Klöckner jedoch schreibt in dem Brief: "Eine einheitliche europäische Lösung wäre für alle Beteiligten am sinnvollsten." Gegen eine einheitliche verpflichtende Kennzeichnung von Ei-Produkten gibt es in der EU bisher Vorbehalte.

Kritik von den Grünen

Nach Einschätzung der Grünen dürfte sich das so bald auch nicht ändern. "Eine EU-weite Regelung ist in absehbarer Zeit unrealistisch", sagte der Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff den Zeitungen. In vielen ost- und südeuropäischen Ländern spiele Tierschutz "keine große Rolle". Wer nun wie Klöckner dennoch auf eine EU-weite Lösung setze, "will im Grunde gar keine Lösung", warf Ostendorff der Ministerin vor.

Die Grünen sprachen sich stattdessen für einen nationalen Weg aus. "Deutschland sollte im Alleingang eine Kennzeichnung von eihaltigen Produkten einführen", sagte Ostendorff. Das sei mittlerweile auch die Forderung großer deutscher Markenhersteller.

brt/AFP

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dirk.resuehr 26.07.2019
1. Wie man eine Lösung schafft
mit den Klöckner -Prinzipien: 1. Freiwilligkeit 2. EU-weit Beide sichern den Status quo ewig.
brux 26.07.2019
2. Ei Ei
Diese Ei-basierten Zutaten werden doch industriell verarbeitet und gehandelt. Es dürfte schwer werden, das alles genau nach zu verfolgen. Und wenn man wie ich als Deutscher in Frankreich lebt, wundert man sich schon über den deutschen Mut Qualität bei Nahrungsmitteln einzufordern. Die Deutschen essen doch selbst ziemlich mieses Zeug und sollten vielleicht erst einmal eine kulinarische Kultur entwickeln. Dann wird das auch etwas mit der Qualität.
les2005 26.07.2019
3. Die bewährte Methode
Klöckner versucht weiter mit allen Mitteln, für die Industrie lästigen Verbraucherschutz zu verhindern. Bei der Lebensmittelkennzeichnung spielt sie auf Zeit und stiftet Verwirrrung mit einer Verbraucherabstimmung die verschiedene Industriemodelle zur Wahl stellt, obwohl sich Experten längst einig sind daß die Lebensmittelampel/Nutriscore vorzuziehen ist. Bei Eiern schlägt sie eine EU-weite Regelung vor. Warum nicht gleich eine globale Regelung, um absolut sicherzustellen, daß es nie zu einem Ergebnis kommen wird? Selbst bei der Nitratbelastung, wo Deutschland seit vielen Jahren gegen EU-Vorgaben verstößt, wird weiter mit Minimallösungen auf Zeit gespielt. Viehzüchter dürfen weiterhin Äcker als Müllkippen für ihre Gülle zweckentfremden, und die deutschen Wasserwerke müssen dann mit viel Aufwand und noch mehr Geld das verseuchte Grundwasser von Nitrat befreien.
Ad_meliorem 26.07.2019
4. Also wirklich..
Ich weiß ja nicht, was das Ziel dieser Frau sein mag, aber einerseits plädiert sie auf "Freiwilligkeit" andererseits will sie wenn, dann schon komplett und EU weit etwas durchsetzen. Ich glaube nicht, dass diese Dame irgendetwas sinnvolles zustande bringt. Leider eine komplette Fehlbesetzung, über die auch kein hübsches Lächeln hinweg täuschen kann.. Soll sie doch erstmal mit den Markierungen auf Lebensmitteln anfangen, was sich die Bevölkerung schließlich wünscht! Ah, verdammt, habe vergessen, dass sie ja gerade anderweitig Beschäftigt ist. Mit Werbung für Nestlé z.B., dass viele Bürger zum Glück Boykottieren. Aber das konnte sie ja nicht wissen, das Nestlé böse ist.. So zum lachen/heulen!
v.papschke 26.07.2019
5. Am besten freiwillig,
das hat noch nie geklappt. EU-weit dauert Jahre. Beides hat aber den Vorteil, daß man Aktivität vorweisen kann und nicht schuld ist, wenn nichts passiert. Man darf sich dann bei Wahlen aber nicht wundern, wenn immer mehr Stimmen abwandern.
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