Einkommen in Deutschland Jeder Fünfte arbeitet für Niedriglohn

Friseur- und Kosmetiksalons, Reinigungsgewerbe und Gastronomie: In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als 20 Prozent der Beschäftigten für einen Niedriglohn. Statistiker sehen einen langfristigen Trend hin zu niedrigen Löhnen.

Reinigungskraft im Bundestag: 5,50 Euro pro Stunde und weniger
picture-alliance/ dpa

Reinigungskraft im Bundestag: 5,50 Euro pro Stunde und weniger


Berlin - 10,36 Euro brutto in der Stunde. Auf dem Niveau dieser Niedriglohngrenze oder darunter hat im vergangenen Jahr ein Fünftel der Beschäftigten (20,6 Prozent) in Deutschland gearbeitet. Im Jahr 2006 habe die Zahl der Niedriglohnbeschäftigen noch bei 18,7 Prozent gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag bei der Bekanntgabe einer neuen Erhebung mit. "Niedriglohn heute bedeutet niedrige Rente morgen", sagte der Präsident des Amtes, Roderich Egeler. Der Anstieg spiegele einen langfristigen Trend wider, hieß es. Auch habe sich die Schere zwischen den untersten und höchsten Einkommen weiter geöffnet.

Mit dem Zuwachs der Niedriglohnempfänger habe laut den Statistikern Beschäftigungsformen - wie Minijobs oder Zeitarbeit - zugenommen. In Restaurants, Gaststätten, Wäschereien und chemischen Reinigungen sowie in Kinos bekommen demnach drei von vier Beschäftigten einen Niedriglohn. Besonders ausgeprägt sei die Entwicklung bei 400-Euro-Jobbern: 84,3 Prozent bekommen nur einen Niedriglohn.

Die Struktur der Arbeitsverdienste erhebt die Behörde nur alle vier Jahre. Als Niedriglohn gilt ein Verdienst, der geringer als zwei Drittel des mittleren Einkommens aller Beschäftigten ist. Daraus ergibt sich die Niedriglohngrenze von 10,36 Euro für 2010.

Der Studie zufolge investieren nur 6,2 Prozent der zu einem Niedriglohn Beschäftigten in eine Betriebsrente. Das sei deutlich seltener als bei Beschäftigten mit mittlerem Verdienst (22,4 Prozent) oder mit hohem Verdienst (36,4 Prozent).

Unterdessen will die Landesregierung in Thüringen eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen, wonach eine unabhängige Kommission einen bundesweiten Mindestlohn für alle Branchen festlegen soll. Das Vorhaben geht über den in der schwarz-gelben Bundesregierung diskutierten Mindestlohnvorstoß hinaus. CDU und CSU haben angeregt, dass eine Kommission einen Mindestlohn nur für tariffreie Zonen festlegt.

lei/dpa/dapd

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