Elfenbeinküste Das dreckige Geschäft mit dem Gold

Mit Spitzhacke und Meißel graben sich Goldsucher in einem ivorischen Dorf in den Boden. Die illegale Mine wird von ehemaligen Rebellen kontrolliert. Sie verdienen beim Goldrausch kräftig mit. Eine Geschichte in Bildern.

REUTERS

Der Weg zu Gaminas illegaler Goldmine führt vorbei an einem Checkpoint mit bewaffneten ehemaligen Rebellenkämpfern. Einige Hundert Meter von dem Dorf entfernt beginnt dann ein System aus Gräben und Furchen, das mit jedem Tag größer wird. 16.000 Arbeiter buddeln und meißeln sich dort im Westen der Elfenbeinküste durch den felsigen Boden. Es ist ein afrikanischer Goldrausch.

Vor zwei Jahren bauten Bauern auf dem Gebiet noch Reis an. Als aber ein Bauer nahe Gamina eine Goldader entdeckte, lockte diese Nachricht Tausende Arbeiter an. Sie können mit ein wenig Glück in der Goldmine in wenigen Wochen so viel Geld verdienen wie auf einer Plantage in einem ganzen Jahr.

Die Mine besitzt keine offizielle Lizenz. Sie wird von einem früheren Rebellenführer kontrolliert, der auch vier Jahre nach Ende des Bürgerkriegs in dem westafrikanischen Land noch loyale Kämpfer um sich schart. Sie bewachen nicht nur den Zugang zur Mine, sondern kontrollieren auch, dass die Arbeiter kein Gold auf eigene Rechnung abzwacken.

Das Geschäft mit dem Edelmetall bedrohe den Frieden in dem Land, sagt ein ranghoher Armeeoffizier der Elfenbeinküste. Manche ehemaligen Rebellenführer unterstützen die politischen Gegner von Präsident Alassane Ouattara, der sich im Oktober wieder zur Wahl stellen will. "Die Rebellenführer sind komplett außer Kontrolle geraten", sagt der Offizier. Genug Geld und Waffen, um ihre Forderungen durchzusetzen und das Land in Tumult zu stürzen, besitzen sie - auch dank der florierenden Goldmine in Gamina.

msk/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
der_durden 15.05.2015
1.
Gold ist ein wundbares Beispiel, wie weit entrückt das Wohlständige vom Ärmsten ist. In diesen Mienen wird unter erbärmlichsten Umständen und unter Einsatz des eigenen Lebens das Gold gefördert. Die Arbeiter selbst erhalten dafür, wenn es gut geht, gerade soviel, dass sie nicht verhungern und weiter arbeiten können, während andere mit diesem Metall reich werden. Wir tun so, als sei Sklavenarbeit abgeschafft, dabei partizipieren wir genau davon, von Sklavenarbeit. Alles andere ist eine beschönigende Beschreibung dieser Zustände.
twistedtacco 15.05.2015
2. Naja ...
wenn es tatsächlich so ist, dass die Arbeiter 60 % des Goldpreises bekommen, dann ist das fairer als so manche Arbeit in den Nähkolonien in China und Co ...
JaguarCat 15.05.2015
3. Kapitalismus
Wow, die Arbeiter, die Gold finden, bekommen tatsächlich 60% des Wertes, den das final verarbeitete Gold dann an der Börse erzielt. Von den anderen 40% werden also die Schürfrechte, die Bewachung usw. finanziert. Mal eine dumme Frage: Wie hoch ist der Anteil an der Wertschöpfung, den Arbeiter im ach so hoch entwickelten Westen erhalten?
detlef.drimmer 15.05.2015
4.
Zitat von der_durdenGold ist ein wundbares Beispiel, wie weit entrückt das Wohlständige vom Ärmsten ist. In diesen Mienen wird unter erbärmlichsten Umständen und unter Einsatz des eigenen Lebens das Gold gefördert. Die Arbeiter selbst erhalten dafür, wenn es gut geht, gerade soviel, dass sie nicht verhungern und weiter arbeiten können, während andere mit diesem Metall reich werden. Wir tun so, als sei Sklavenarbeit abgeschafft, dabei partizipieren wir genau davon, von Sklavenarbeit. Alles andere ist eine beschönigende Beschreibung dieser Zustände.
Also 60% vom Marktpreis am Beginn der "Wertschöpfungskette" nenne ich keinen Hungerlohn. Er wird nur zu diesem, weil einfach zu viele nach dem raren Metall buddeln.
marcw 15.05.2015
5.
Zitat von der_durdenGold ist ein wundbares Beispiel, wie weit entrückt das Wohlständige vom Ärmsten ist. In diesen Mienen wird unter erbärmlichsten Umständen und unter Einsatz des eigenen Lebens das Gold gefördert. Die Arbeiter selbst erhalten dafür, wenn es gut geht, gerade soviel, dass sie nicht verhungern und weiter arbeiten können, während andere mit diesem Metall reich werden. Wir tun so, als sei Sklavenarbeit abgeschafft, dabei partizipieren wir genau davon, von Sklavenarbeit. Alles andere ist eine beschönigende Beschreibung dieser Zustände.
Was haben "wir" denn bitteschön mit einem Goldrausch an der Elfenbeinküste zu tun? Und ersparen mir bitte irgendwelche steilen Hypothesen, wonach vom dem dort geförderten Gold (anscheinend lohnend für die Arbeiter, sonst würden sie wohl kaum dorthin strömen) eventuell nach zweifachem Recycling ein paar Mikrogramm in einem Kontakt auf meiner Platine landen könnte und ich deshalb persönlich für die Wohlfahrt der Goldgräber verantwortlich sei. Den Schuh lasse ich mir nicht anziehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.