Klimaschutz Bund nimmt mehr als drei Milliarden Euro mit Emissionshandel ein

Verschmutzungsrechte werden teurer: Weil immer weniger Emissionszertifikate ausgegeben werden, müssen Unternehmen mehr für ihre Berechtigungen zum CO2-Ausstoß zahlen. Der deutsche Staat profitiert.
Braunkohlekraftwerk in der Lausitz: Der Durchschnittspreis pro Emissionszertifikat ist um knapp zehn Euro auf mehr als 24 Euro gestiegen

Braunkohlekraftwerk in der Lausitz: Der Durchschnittspreis pro Emissionszertifikat ist um knapp zehn Euro auf mehr als 24 Euro gestiegen

Foto: Patrick Pleul/ DPA

Der Verkauf von Ausstoßrechten für Kohlenstoffdioxid bringt dem deutschen Staat immer mehr Geld ein. Bei den Versteigerungen der Emissionszertifikate kamen 3,16 Milliarden Euro im Jahr 2019 zusammen. Das waren rund 600 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor, teilte die Emissionshandelsstelle des Umweltbundesamtes mit.

Kraftwerke und andere Industrieanlagen müssen jährlich so viele Berechtigungen abgeben, wie sie CO2 ausgestoßen haben. Jede Emissionsberechtigung erlaubt den Ausstoß einer Tonne CO2. Reichen die verfügbaren Berechtigungen des Unternehmens nicht aus, muss es am Markt Emissionsberechtigungen kaufen.

Der EU-weite Emissionsrechtehandel soll einen Anreiz setzen, in mehr Klimaschutz zu investieren. Die Einnahmen aus den Auktionen fließen in einen Energie- und Klimafonds, mit dem Maßnahmen der Energiewende finanziert werden.

Anfangs waren die Preise für die Zertifikate sehr niedrig. Weil ihre Zahl aber zunehmend verringert wird, steigen die Preise. Ein Zertifikat kostete zu Beginn bei den Auktionen der Europäischen Energiebörse EEX in Leipzig meist weniger als zehn Euro. Nach Angaben der Emissionshandelsstelle stieg der Durchschnittspreis pro Zertifikat aber 2018 auf 14,92 Euro und im Jahr 2019 auf 24,65 Euro.

"2019 war ein ganz verrücktes Jahr, was die Strompreise anbelangt"

Die gestiegenen Preise für Emissionszertifikate sind nach Einschätzung von Experten mit ein Grund für den deutlichen Rückgang der Kohleverstromung in Deutschland. "2019 war ein ganz verrücktes Jahr, was die Strompreise anbelangt", sagte Fabian Huneke von der Energieberatungsgesellschaft Energy Brainpool.

"Wir hatten am Spotmarkt historisch niedrige Gaspreise und hohe CO2-Zertifikatspreise sowie Kohlepreise", sagte Huneke. Das habe dazu geführt, dass Gaskraftwerke viel günstiger Strom produzieren konnten, Kohlestrom sei so im Markt zurückgedrängt worden. Mit dem Winter hätten sich die Gaspreise aber wieder erhöht.

Stromerzeugung aus Gas stößt weniger CO2 aus als die Erzeugung aus Braunkohle. Deshalb würden dort weniger CO2-Zertifikate benötigt, sagte Professor Bruno Burger vom Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme. Die Kosten für das Gas und die Zertifikate hätten zeitweise "unter den reinen CO2-Zertifikatskosten des Braunkohlekraftwerks" gelegen.

Mehr Strom aus Windenergie als aus Braunkohle

Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ging der Gesamtverbrauch an Braun- und Steinkohle in Deutschland um jeweils ein Fünftel zurück. Die Windenergie verdrängte dabei die Braunkohle vom ersten Platz der wichtigsten Energieträger für Strom.

Windräder an Land und auf See lieferten 21 Prozent der Bruttostromerzeugung in Deutschland, Braunkohle noch 19 Prozent, Steinkohle sogar nur noch 9 Prozent. Insgesamt stieg der Anteil der erneuerbaren Energien nach Zahlen des Energie-Branchenverbands BDEW auf 40 Prozent.

Für das kommende Jahr erwartet Fraunhofer-Forscher Burger jedoch nicht, dass weiterhin mehr Strom aus Windenergie erzeugt wird - denn der Ausbau stockt: Bis einschließlich November 2019 wurden laut Bundesnetzagentur in Deutschland nur etwa 160 Windkraftanlagen neu gebaut, so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr.

kko/dpa-AFX