Klimaschädlicher Flugverkehr Macron will europaweite Kerosinsteuer

Bisher sind Flugreisen verhältnismäßig günstig - auch weil Kerosin nicht besteuert wird. Frankreichs Präsident Macron dringt jetzt auf eine EU-weite Änderung. Und er hat noch weitere Pläne.

Bayne Stanley/ ZUMA Wire/ DPA

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich für eine europaweite und möglichst weltweit verabredete Kerosinsteuer ausgesprochen. "Ich möchte, dass wir bei einer gemeinsamen Besteuerung von Kerosin in Europa vorankommen und dass wir eine echte internationale Verhandlung über das Thema haben", sagte Macron in einem Interview mit mehreren französischen Regionalzeitungen. Er sprach sich zudem für eine stärkere steuerliche Belastung von Unternehmen in Europa aus, die hohe Umweltschäden verursachen.

Auch die Spitzenkandidaten der beiden größten europäischen Parteien, Manfred Weber (EVP) und Frans Timmermans (SPE), wollen die Steuervorteile für Kerosin abschaffen.

Am Montagabend hatten sich in einer Debatte der deutschen Parteichefs vor der Europawahl in der ARD auch SPD-Chefin Andrea Nahles und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock für eine Besteuerung von Flugbenzin ausgesprochen. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nannte dies ein mögliches Element in einem Gesamtpaket zum Erreichen der Klimaschutzziele 2030, das in ihrer Partei derzeit erarbeitet werde. FDP-Chef Christian Lindner lehnte eine Kerosinsteuer dagegen ab.

Der Anteil des gesamten Flugverkehrs an den weltweiten Kohlendioxidemissionen beträgt derzeit rund 2,7 Prozent. Allerdings sondern die Triebwerke auch etwa Stickoxid und Feinstaub ab. Die Bildung von Kondensstreifen und Veränderungen in Cirruswolken tragen zusätzlich zur Erwärmung bei. Experten schätzen daher den Anteil der Luftfahrt am Klimawandel auf etwa fünf Prozent.

Eine Kerosinsteuer war bereits 2007 im Rahmen der damaligen G8-Gespräche der führenden Industriestaaten und Russlands diskutiert worden. Die Debatte war dann aber wieder versandet, einige Länder hatten eine Ticketsteuer erhoben. Denkbar ist auch eine Einbeziehung des Flugverkehrs in das CO2-Emissionshandelssystem.

hej/Reuters



insgesamt 125 Beiträge
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bikosaurus 21.05.2019
1. Na endlich...
...mal ein wichtiger Entscheidungsträger, der sich der Sache annimmt. Ich hoffe, dass dadurch die Kurzstreckenflüge unverhältnismäßig und die Langstrecken verhältnismäßig teurer werden. Fliegen ist leider zu einem Lifestyle-Produkt verkommen; manchen reicht schlicht der Flug schlechthin ("letzte Woche Business-Class nach New York") - Zweck ist da vollkommene Nebensache. Auch hier gilt wie beim Auto fahren: Wäre alles in vernünftigen Grenzen geblieben, müsste man sich deutlich weniger Gedanken über Einschränkungen und Verbote machen....
mistarich 21.05.2019
2. Nicht nur Kerosin
sondern auch Flugbenzin zu besteuern ist genau der richtige Schritt. Am besten so hoch, dass innerdeutsche Flüge unwirtschaftlich werden.
KlausRutschki 21.05.2019
3. Typisch - anders herum wird ein Schuh daraus
Immer nur alles teurer machen. Bahn zu teuer, zu unattraktiv? Also muss auch fliegen teurer werden. Macht Bahnfahren attraktiver, pünktlicher, komfortabler, billiger (auch in diese Richtung kann per Steuer eingegriffen werden, indem sie gesenkt wird - ich denke hier an die Energie für die Züge). Aber nein... Erhöhen ist einfacher. Nur: Irgendwann ist (hoffentlich) mal Ende, da die Abgaben sowieso schon ein nicht mehr erträgliches Level erreicht haben.
fahrgast07 21.05.2019
4. Die schnellere Lösung...
...sind Startgebühren oder Ticketgebühren. Die kann jeder Staat im Alleingang festlegen, wir müssen nicht warten. Hauptsache man begrenzt endlich den Kurzstrecken-Flugverkehr, reduziert ja auch den Fluglärm.
Pragmatiker 307 21.05.2019
5. Gut so!
Viel Erfolg! Es wäre immerhin schon mal ein Anfang.
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