Gas, Öl, Strom Hohe Energiepreise treffen besonders Einkommensschwache

Teure Energie trifft alle, aber nicht alle gleich hart: Arme Haushalte müssen anteilig fast doppelt so viel zahlen wie reiche. Und im Hartz-IV-Regelsatz sind die hohen Kosten gar nicht vorgesehen.
Heizung auf null? Einkommensschwache Haushalte leiden unter der Krise

Heizung auf null? Einkommensschwache Haushalte leiden unter der Krise

Foto: Arno Burgi/ dpa

Die explodierenden Energiepreise belasten Haushalte mit geringem Einkommen am stärksten. Sie geben anteilig am meisten für Strom, Heizung und Warmwasser aus. Das teilt das Statistische Bundesamt mit.

9,5 Prozent ihrer Konsumausgaben gaben Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1300 Euro im Jahr 2020 für Wohnenergie aus. Im Schnitt waren das 95 Euro. Anteilig am Einkommen bemessen ist das mehr als doppelt so viel, wie Haushalte der höchsten Einkommensklasse bezahlten: Haushalte mit monatlich mindestens 5000 Euro netto gaben mit durchschnittlich 206 Euro etwa 4,7 Prozent ihrer Konsumausgaben für Wohnenergie aus.

Preiserhöhungen von durchschnittlich 34 Prozent

Diese Diskrepanz dürfte sich inzwischen weiter verschärft haben: 2020 waren Heizöl, Gas und Strom vergleichsweise günstig. Inzwischen steigen die Preise seit Monaten deutlich an. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge verteuerte sich Energie binnen einem Jahr um 35 Prozent. »Noch nie zuvor mussten private Haushalte so viel für Heizung, Strom und Sprit bezahlen«, teilte Verivox mit. Laut Check24 haben inzwischen mehr als 900 Gasversorger in der Grundversorgung Preiserhöhungen von im Schnitt etwa 34 Prozent vollzogen oder angekündigt.

Die Bundesregierung plant, die Auswirkungen dieser Preissteigerungen teilweise abzufedern: Wer Wohngeld bezieht, soll einen einmaligen Zuschuss bekommen. Nach einem Gesetzentwurf des neuen Wohnungsministeriums sollen Alleinlebende 135 Euro bekommen, ein Zwei-Personen-Haushalt 175 Euro. Für jeden weiteren Mitbewohner sind weitere 35 Euro vorgesehen. »Dadurch sollen Wohnen und Heizen bezahlbar bleiben und die Mehrkosten aus den kalten Wintermonaten aufgefangen werden«, heißt es in einem Eckpunktepapier des Ministeriums. Die Pauschale ist Teil des Wohngelds, das an Haushalte mit niedrigem Einkommen ausgezahlt wird. Insgesamt sollen rund 710.000 Haushalte von dem einmaligen Zuschuss profitieren.

Hartz-IV-Haushalten fehlen über 30 Prozent

Besonders schwierig ist die Lage nach Analysen der Vergleichsportale für Bezieher von Hartz-IV. Die Regelsätze waren im Jahr 2022 zwar gestiegen – jedoch nur minimal: Alleinstehende Erwachsene erhalten demnach drei Euro mehr als zuvor, also 449 Euro im Monat. Davon sind rechnerisch 36,44 Euro für Stromkosten vorgesehen. Laut Verivox muss ein Single-Hartz-IV-Haushalt zurzeit aber jährlich 139 Euro beziehungsweise knapp 32 Prozent mehr für Energie zahlen, als der Stromkostenanteil abdeckt. Monatlich benötige ein durchschnittlicher Haushalt demnach etwa 48 Euro im Monat. In Haushalten, in denen auch Wasser mit Strom erhitzt wird – etwa über einen Durchlauferhitzer – steigen die Kosten noch einmal.

Ähnliche Berechnungen hatte auch die Vergleichsplattform Check24 veröffentlicht. Dort wird die Stromkostenlücke auf etwas niedrigere 136 Euro pro Jahr beziffert beziehungsweise auf knapp 30 Prozent.

jlk/dpa
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