Entspannungssignal aus dem Kreml Wink von Putin lässt Gaspreise purzeln

Ab dem 8. November will Putin mehr russisches Gas nach Europa liefern. Die Märkte reagieren umgehend.
Hat, was viele in Europa wollen: Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin

Hat, was viele in Europa wollen: Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin

Foto: Yevgeny Paulin / imago images/ITAR-TASS

Nach der Anweisung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Erhöhung der Gaslieferungen nach Europa ist der Preis am Gasmarkt TTF in den Niederlanden stark gefallen. Zwischen Mittwochabend und Freitag fiel der Preis um rund ein Fünftel auf weniger als 70 Euro pro Megawattstunde. Am frühen Nachmittag betrug der Preis exakt 68,53 Euro.

Der Preis für britisches Erdgas zur Lieferung im kommenden Monat sank binnen Wochenfrist ähnlich stark. Beide Preise hatten am 6. Oktober Rekordhöhen erreicht: Der TTF-Preis stieg damals auf 162,125 Euro. Seitdem waren sie wieder gesunken, liegen aber weiterhin deutlich über dem Niveau vom Frühsommer.

Dürre, wenig Wind und der Post-Coronaboom

Die Ursache für die hohen Preise wird in einer Kombination aus unterschiedlichen Faktoren gesehen: Zum einen hat die starke wirtschaftliche Erholung die Nachfrage nach Gas überall auf der Welt befeuert. Hinzu kamen ein windarmes Frühjahr in Europa , Ausfälle bei Wasserkraftwerken wegen Dürren in China und Nordeuropa. Zudem ließen viele EU-Länder ihre Gasspeicher vor dem Winter nicht ausreichend auffüllen . In all das mischte sich die Sorge, Russland gleiche die hohe Nachfrage auch deshalb diesmal nicht mit höheren Lieferungen aus, so wie es in früheren Jahren geschehen war, weil der Kreml Druck aufbauen wolle für eine schnellere Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2.

Nach Ansicht der Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch und Barbara Lambrecht war es nun aber eindeutig die Anweisung des russischen Präsidenten Putin, ab 8. November mehr Gas zu liefern, die zum Nachlassen des Preisdrucks in Europa geführt hat. Ein Drittel des in Europa verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. Putin hatte Gazprom insbesondere angewiesen, die Gasspeicher in Deutschland und Österreich zu füllen.

Die Gasspeicher in Deutschland sind aktuell nur zu 70 Prozent gefüllt, wie die Analysten betonten. Im EU-Durchschnitt seien die Speicher zu 77 Prozent voll. Normalerweise seien die Speicher zu dieser Jahreszeit – vor der Heizperiode im Winter – zu 90 Prozent gefüllt.

beb/afp
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