Berechnungen des Finanzministeriums Wer profitiert wie stark von den Entlastungspaketen?

Die Entlastungspakete I und II sollen Inflation und Energiekrise abfedern. Doch nicht allen Bürgern kommen die beschlossenen Maßnahmen der Regierung gleichermaßen zugute. Der Überblick.
Viele Menschen sind mit Blick auf immer höhere Preise auf die Tafeln angewiesen

Viele Menschen sind mit Blick auf immer höhere Preise auf die Tafeln angewiesen

Foto: Bernd Weißbrod / picture alliance / dpa

Das von der FDP geleitete Finanzministerium hat ausgerechnet, wie hoch die bislang beschlossenen Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger ausfallen. Die staatlichen Hilfen, die bisher beschlossen wurden, sollen bei der Bewältigung von Inflation und Energiekrise helfen. Ob sie dafür ausreichen, hängt von vielen Faktoren ab: von Gasverbrauch und Stromsparmöglichkeiten, davon, wie kalt der Winter wird und wie gut die Wohnung saniert ist – und davon, wer überhaupt Anspruch hat.

Rentnerinnen und Rentner etwa sind nicht kategorisch als Empfänger der Energiepauschale eingeschlossen. Genau wie Studierende: Die profitieren von der Energiepreispauschale, wenn sie Bafög empfangen – das traf 2021 jedoch nur auf rund elf Prozent der Studierenden zu. Auch Studenten, die einer einkommensteuerpflichtigen Tätigkeit nachgehen, können die Pauschale beantragen.

Sind die Entlastungen zielführend?

Immer wieder wurden die Entlastungspakete als nicht ausreichend und wenig sozial gerecht kritisiert. Die Linke etwa monierte, dass mit der Energiepauschale »auch Millionäre« entlastet werden. Auch aus ökologischen Gesichtspunkten gab es Kritik: Vom Tankrabatt profitieren vor allem Vielfahrer und Menschen, deren Autos viel verbrauchen – Fahrer und Fahrerinnen großer SUVs etwa.

Hier einige Beispiele aus den Berechnungen des Ministeriums.

Single, Bruttogehalt: 61.500 Euro, Auto fürs Pendeln

  • Entlastung gesamt: 425 Euro

  • Davon steuerliche Entlastung: 146 Euro

  • Energiepreispauschale (nach Steuern): 185 Euro.

  • Tankrabatt (bei gelegentlichen Ausflügen mit dem Auto): rund 59 Euro

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 35 Euro

Rentnerin, Rente: 1000 Euro, Wohngeld, Auto für Einkäufe und Familienbesuche

  • Entlastung gesamt: rund 362 Euro

  • Heizkostenzuschuss: 270 Euro

  • Tankrabatt: 57 Euro

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 35 Euro

Doppelverdiener-Familie mit zwei Kindern, Jahresgehalt: zweimal rund 35.000 Euro

  • Entlastung gesamt: rund 1150 Euro

  • Steuerliche Entlastungen (inklusive Pendlerpauschale): 232 Euro

  • Energiepreispauschale (nach Steuern): 430 Euro

  • Kinderbonus: 200 Euro

  • Tankrabatt (bei monatlich rund 2500 Kilometern): 210 Euro

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 76 Euro

Grundsicherungsbezieher, 449 Euro Grundsicherung, vollständig übernommenen Miet- und Heizkosten, kein Auto

  • Entlastung gesamt: 235 Euro

  • Einmalzahlung für Sozialleistungsempfänger: 200 Euro

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 35 Euro

Selbstständige, Einkommen: 42.000 Euro brutto, viel mit dem Auto unterwegs

  • Entlastung gesamt: 463 Euro

  • Höherer Grundfreibetrag: 69 Euro

  • Tankrabatt: 160 Euro

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 39 Euro

  • Energiepreispauschale: 195 Euro

Studentin mit Bafög und 450-Euro-Job

  • Entlastung gesamt: 615 Euro

  • Energiepreispauschale: 300 Euro

  • Heizkostenzuschuss: 230 Euro

  • 9-Euro-Ticket: 50 Euro (statt Semesterticket)

  • Abschaffung der EEG-Umlage: 35 Euro

Nicht alle Bevölkerungsgruppen sind in den Berechnungen des Ministeriums enthalten. Für Alleinerziehende etwa, Studierende, die kein Bafög erhalten oder Familien mit geringem Einkommen dürften die Berechnungen anders aussehen. Auch profitiert vom Tankrabatt vor allem, wer Auto fährt – bei Rentnerinnen und Rentnern etwa ohne Auto fällt die Entlastung demnach geringer aus.

jlk/dpa
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