Warnung der Energieagentur Preise für Öl, Gas und Strom gefährden globalen Aufschwung

Die Preise für Gas, Strom, Öl und Kohle erreichen Rekordstände. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur bedroht das die Erholung der Weltwirtschaft.
Ölpumpen in Kalifornien

Ölpumpen in Kalifornien

Foto: Kyle Grillot / Bloomberg / Getty Images

Eine globale Energiekrise könnte nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) die weltweite Erholung von der Coronapandemie verlangsamen. Die teuren Energiepreise erhöhten den Inflationsdruck, der zusammen mit Stromausfällen zu einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Erholung führen könnte, teilte die Agentur in ihrem monatlichen Ölbericht mit.

Gleichzeitig werde die Nachfrage angekurbelt. »Rekordpreise für Kohle und Gas sowie wiederkehrende Ausfälle veranlassen den Stromsektor und energieintensive Industrien, sich dem Öl zuzuwenden, um Lichter brennen zu lassen und den Betrieb am Laufen zu halten«, schreibt die IEA. Die globale Energiekrise könnte die Ölnachfrage um eine halbe Million Barrel pro Tag steigern. Dadurch werde die weltweite Nachfrage im kommenden Jahr voraussichtlich wieder auf dem Niveau vor der Pandemie liegen.

Die Agentur schätzt, dass die großen Ölförderländer, die in der sogenannten Opec+ zusammengefasst sind, mit der Rohölförderung im vierten Quartal etwa 700.000 Barrel pro Tag unter der erwarteten Nachfrage bleiben werden.

Die Energiepreise hatten zuletzt Rekordniveaus erreicht. Der Gaspreis im internationalen Großhandel etwa schwankt im langjährigen Mittel eigentlich zwischen 15 und 20 Euro pro Megawattstunde, derzeit sind es 65 Euro. Strom an der Börse ist in Deutschland seit Jahresbeginn rund 140 Prozent teurer geworden, in Spanien gar um 425 Prozent. Die Ölpreise haben teilweise die höchsten Stände seit drei Jahren erreicht.

Hauptgrund ist eine Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage. Durch die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie ist die Produktion weltweit wieder angesprungen – und mit ihr die Nachfrage nach Energie gestiegen. Das Angebot konnte damit teils nicht Schritt halten. Zusätzlich treiben die höheren Kosten für EU-Emissionsrechte die Preise. Solche Papiere müssen Energieversorger und Fabriken kaufen, wenn sie Kohlendioxid in die Atmosphäre emittieren.

Deutschlands Firmen leiden vor allem unter den hohen Gaspreisen. Denn der Stoff wird in unzähligen industriellen Prozessen benötigt. Die deutschen Verbraucher bekommen die Folgen der Energiepreiskrise sogar noch unmittelbarer zu spüren als die Unternehmen: Ihre Versorger erhöhen schon jetzt vielerorts die Preise.

ssu/Reuters
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