Teure Energiewende Hunderte Firmen beantragen Ökostrom-Rabatt

Mehr als 2000 Firmen wollen bei den Kosten der Energiewende entlastet werden. Die Zahl der Anträge auf eine ermäßigte Ökostromumlage hat sich laut "Süddeutscher Zeitung" innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Stahlherstellung bei ThyssenKrupp: Ausnahmen für energieintensive Unternehmen
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Stahlherstellung bei ThyssenKrupp: Ausnahmen für energieintensive Unternehmen


München - Die Strompreise ziehen an, im kommenden Jahr wird wohl auch die Ökostromumlage deutlich steigen. Während Verbraucher den Zusatzkosten durch die Energiewende kaum entgehen können, gibt es für stromintensive Unternehmen Ausnahmeregelungen. Diese sind laut "Süddeutscher Zeitung" enorm gefragt. Demnach haben bis zum Stichtag Ende Juni 2023 Firmen einen Antrag auf eine ermäßigte Ökostromumlage gestellt. Im Jahr zuvor beantragten nur 813 Firmen eine Ermäßigung.

Die Zahlen entstammen einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Wie viel die Entlastung dann in Summe für die Unternehmen ausmache, lasse sich noch nicht ausmachen, schreibt die Bundesregierung. Die Grünen rechnen laut der Zeitung damit, dass das Volumen der Entlastung von derzeit 2,5 auf vier Milliarden Euro ansteigt. Demnach könnten allein 400 Millionen Euro auf die Ausweitung von Ausnahmen entfallen.

Denn die stark gestiegene Zahl der Anträge dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Anforderungen gelockert wurden. Seit diesem Jahr haben auch Unternehmen, die mehr als eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen, die Chance auf eine ermäßigte Ökostromumlage. Zuvor lag diese Grenze bei zehn Gigawattstunden. Für Strom jenseits dieser Menge zahlen die Firmen nur zehn Prozent der Ökostromumlage. Letztere liegt derzeit bei 3,59 Cent je Kilowattstunde, wird aber voraussichtlich im kommenden Jahr auf bis zu fünf Cent je Kilowattstunde steigen.

Angesichts der steigenden Kosten für die Verbraucher geraten die Ausnahmen für die energieintensive Industrie immer stärker in die Kritik. Die Bürger zahlen die Ökoenergieförderung per Umlage über den Strompreis.

Verbraucherschützer kritisieren Gesetzespläne der Regierung

Auch beim Ausbau von Windparks auf See will die Regierung die Verbraucher stärker heranziehen. Eine neue Haftungsregelung soll Investitionen der Betreiber von Offshore-Windparks finanziell absichern, wenn diese zum Beispiel wegen Lieferproblemen bei notwendigen Anschlusskabeln oder anderen Verzögerungen beim Netzanschluss keinen Strom liefern können. Zur Finanzierung sollen Privathaushalte eine zusätzliche Umlage in Höhe von 0,25 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Der Chef der Bundesverbraucherzentralen, Gerd Billen, hat dieses Gesetz zum Ausbau von Windpark-Anlagen auf See kritisiert. "Der Entwurf ist eine Einladung für Geldmacherei auf dem Rücken der Verbraucher. Jetzt muss das Parlament stoppen, was das Kabinett beschlossen hat", sagte Billen der "Bild"-Zeitung. Auch Manuel Frondel, Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht die Bürger hart getroffen. "Der Verbraucher zahlt doppelt: Zum einen mit dem EEG für den Ausbau von Ökostrom, zum anderen mit der Haftungsumlage", sagte er.

Dagegen bezeichnete der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, die zu erwartenden Kosten für Verbraucher aufgrund der geplanten Haftungsregelung als moderat. Es kämen monatlich maximal 75 Cent auf der Stromrechnung hinzu, sagte Flasbarth im Deutschlandfunk. "Das ist der Deckel, der eingezogen worden ist. Ich glaube nicht, dass das im Zentrum der Probleme steht." Flasbarth begrüßte die geplante Umlage, da damit eine Blockade beim Ausbau der Windparks beseitigt worden sei.

Umweltminister Peter Altmaier will trotz steigender Strompreise keine rasche Reform des milliardenschweren Fördersystems für erneuerbare Energien. Er forderte eine Debatte über eine Neuregelung, um eine breite Zustimmung zu erreichen.

mmq/dpa/dapd

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u.loose 30.08.2012
1. Hat jemand auch nur eine Firma gehört
die sich am "Abschalten Jetzt" beteiligt hätte? Ich nicht - also lieber Bürger ihr wolltet die Wende, nun habt ihr die Wende - nun zahlt auch die Wende.... Und nicht wieder in das übliche "Da stopfen sich andere die Taschen voll" verfallen - die deutsche Industrie und auch die kleineren Firmen zahlen die Deutschland mit die höchsten Strompreise in ganz Europa - also gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder man sponsort die Strompreise so wie jetzt beschlossen, oder die Firmen müssen an anderer Stelle sparen - wo, dürfte doch sicher jedem klar sein?! Im Übrigen: Würde auch nur ein Teilnehmer hier im Forum seine Ersparnisse auf ein Festgeldkonto legen, wenn die Bank nicht sagen kann wie hoch die Zinsen sein werden? Wohl kaum - also findet sich auch kein Geldgeber der mal eben zweistellige Milliardenbeträge für den Netzausbau locker macht, wenn er seine Rendite wegen der ungeklärten Haftungsfragen nicht errechnen kann.
sappelkopp 30.08.2012
2. Es ist einfach unglaublich...
Zitat von sysopDPAMehr als 2000 Firmen wollen bei den Kosten der Energiewende entlastet werden. Die Zahl der Anträge auf eine ermäßigte Ökostrom-Umlage hat sich laut "Süddeutscher Zeitung" innerhalb eines Jahres verdoppelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,852857,00.html
...dass es in Deutschland gesellschaftlich legitimiert ist, dass jene, die besonders den Strommarkt belasten, bei den Kosten der Umstellung entlastet werden. Die Zeche zahlen - wie immer - die Kleinen!
opel-kapitän 30.08.2012
3. Ich möchte gern
gar kein Geld mehr haben und alles den Politikern und der Wirtschaft geben. Dann hätte ich's hinter mir und müßte nicht jeden Morgen wieder aufs Klo rennen, weil es mir den Magen umstülpt beim Nachrichten hören. (Radio entsorgen ist letzendlich auch keine Lösung.)
DieterFr 30.08.2012
4. Dummheit ist teuer
Zitat von sysopDPAMehr als 2000 Firmen wollen bei den Kosten der Energiewende entlastet werden. Die Zahl der Anträge auf eine ermäßigte Ökostrom-Umlage hat sich laut "Süddeutscher Zeitung" innerhalb eines Jahres verdoppelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,852857,00.html
Ich habe wenig Mitleid mit denen, die sich jetzt über steigende Strompreise beklagen. Eine Bevölkerung, die mehrheitlich einer panikartigen und völlig irrationalen Regierungsentscheidung zur Energiewende zustimmt, muss sich damit abfinden, dass Dummheit eben teuer sein kann.
KuGen 30.08.2012
5. max 75 cent
Hat das jemand geprüft oder ist das wieder mal eine Desinformation, für die später niemand mehr haftbar gemacht werden kann ? Aber unabhängig davon sinkt die Qualität der Regierungsarbeit mittlerweile ins Bodenlose
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