Energiewende Altmaier legt Aktionsplan für Stromnetzausbau vor

Die Energiewende kommt nicht recht voran, weil es beim Netzausbau Verzögerungen gibt. Jetzt will Bundeswirtschaftsminister Altmaier mit einem Aktionsplan gegensteuern.
Freileitungen in der Nähe eines RWE-Kohlekraftwerks

Freileitungen in der Nähe eines RWE-Kohlekraftwerks

Foto: DPA

Damit die Energiewende gelingt, müssen Tausende Kilometer neue Stromleitungen gebaut werden - doch dabei gibt es massive Verzögerungen. Das verursacht Milliardenkosten, auch für die Verbraucher. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will nun gegensteuern. Der CDU-Politiker stellte an diesem Dienstag einen Aktionsplan vor, um den Ausbau der Stromnetze deutlich zu beschleunigen.

"Wir haben einen Rückstand erreicht, der politisches Handeln notwendig macht", sagte Altmaier bei der Bundesnetzagentur in Bonn zum Auftakt einer dreitägigen Reise mit Stationen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Sein Ziel sei es, bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 beim Netzausbau "entscheidend" voranzukommen. Es gehe um eine "große Kraftanstrengung".

Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur sind von erforderlichen 7700 Kilometern beim Netzausbau im Zuge der Energiewende derzeit 1750 Kilometer genehmigt und nur 950 realisiert. "Der Netzausbau kommt nicht so schnell voran wie er nötig wäre", sagte der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Altmaier sagte: "Das ist keine Zahl, mit der man sich sehen lassen kann."

Der Aktionsplan sieht nun vor allem drei Dinge vor:

  • Um den Bau neuer Leitungen zu beschleunigen soll es für jedes Vorhaben künftig ein vorausschauendes Controlling geben - mit regelmäßigen Treffen der Beteiligten
  • Planungsverfahren sollen kürzer und das Vorschlagsrecht der Länder für zeitraubende Alternativplanungen beschränkt werden
  • Die bestehenden Stromnetze sollen optimiert und höher ausgelastet werden

Im Zuge der Energiewende ist der Ausbau der erneuerbaren Energien enorm vorangeschritten, ihr Anteil soll weiter massiv steigen. Derzeit liegt ihr Anteil am Stromverbrauch bei 36 Prozent, bis 2030 soll er bei 65 Prozent liegen. Energiequellen wie Kohle, Gas und Atomkraft sollen von umweltfreundlichen Energieträgern wie Sonne und Wind ersetzt werden. Bis 2022 soll das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein.

Der Netzausbau sei "Chefsache"

Die Entwicklungen haben aber enorme Folgen für das Stromnetz, das an seine Kapazitätsgrenze zu kommen droht. Denn der Windstrom muss von den Küsten in die großen Industriezentren im Süden und Südwesten transportiert werden. Dafür sind Tausende Kilometer neue Stromleitungen nötig. Gegen den Bau neuer Stromautobahnen und neuer Leitungen gibt es an vielen Orten Widerstand von Anwohnern, Landwirten und Umweltschützern.

Altmaier sagte, er wolle keine Schuldzuweisungen betreiben. Es komme nun darauf an, dass alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiteten. Der Wirtschaftsminister kündigte für den 20. September in Berlin einen "Netzgipfel" mit seinen Ministerkollegen aus den Ländern an. Er will außerdem im Herbst ein Gesetz zur Beschleunigung des Netzausbaus vorlegen. Altmaier sagte, er wolle den Netzausbau zur "Chefsache" machen und mit allen Beteiligten den Dialog suchen, auch mit Bürgerinitiativen.

hej/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.