Engpässe im Winter Netzbetreiber warnt vor Stromausfall in Deutschland

Wacklige Leitungen und Engpässe könnten Deutschland im Winter einen flächendeckenden Stromausfall bescheren, warnt der Netzbetreiber Tennet. "Die Situation hat sich seit Frühjahr nicht entspannt", sagte Unternehmenschef Fuchs. Besonders an kalten Tagen könne es eng werden.
Strommasten und Windräder vor Abendhimmel: Sorge um Netzstabilität

Strommasten und Windräder vor Abendhimmel: Sorge um Netzstabilität

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

München - Der Netzbetreiber Tennet warnt vor Stromengpässen in Deutschland. Der Netzausbau sei nicht vorangekommen, sagte Tennet-Chef Martin Fuchs dem "Münchner Merkur". "Die Gefahr eines Stromausfalls ist eher noch gestiegen, weil jetzt in Süddeutschland zwei Gaskraftwerke nicht mehr für den regelmäßigen Einsatz zur Verfügung stehen." Bei einer längeren Kälteperiode könne es eng werden, sagte Fuchs.

Wehe dann im Norden starker Wind, könnten die Leitungen Richtung Süddeutschland überlastet werden. Umgekehrt könne aber auch Windstille im Norden und wenig Sonne zum Problem werden, weil dann alle Kraftwerkskapazitäten in Deutschland mobilisiert werden müssten, um den Strombedarf zu decken

Bereits im vergangenen Februar hätten die Versorger kurz davor gestanden, einem Teil der Verbraucher den Strom abzuschalten, sagte Fuchs. "Ich will nicht dramatisieren. Wir sollten die Gefahr eines Stromausfalls allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen."

Fuchs forderte zügige Genehmigungsverfahren beim Netzausbau. Eine echte Entlastung wäre laut dem Tennet-Chef eine 600 Kilometer lange direkte Nord-Süd-Trasse. "Die Ausgaben für so eine Verbindung liegen zwischen zwei und drei Milliarden Euro. Ein flächendeckender Stromausfall kostet allerdings innerhalb weniger Stunden Milliarden", sagte der Tennet-Chef.

Um das Stromnetz zu stabilisieren, gebe es mittlerweile tausend Eingriffe im Jahr. Oft müssten günstige Kraftwerke im Norden vom Netz genommen werden und durch teurere im Süden ersetzt werden. "Die Kosten dafür trägt der Stromkunde - immerhin rund 150 Millionen Euro im Jahr", sagte Fuchs.

Deutschland exportiert Strom ins Ausland

Die Stabilität der Stromnetze und die Weiterleitung und Speicherung von Strom ist für die deutsche Energieversorgung die größte Herausforderung. Denn es gibt offenbar keine Probleme, eine ausreichende Menge zu produzieren. Deutschland hat im bisherigen Jahresverlauf so viel Strom in seine Nachbarländer exportiert wie nie zuvor, wie aus kürzlich veröffentlichten vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervorgeht.

In den ersten drei Quartalen 2012 flossen im Saldo 12,3 Terawattstunden Elektrizität über die Grenzen. Das entspricht der Leistung von zwei Großkraftwerken, die in dieser Zeit permanent Strom liefern. Fachleute machen den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland für die Entwicklung verantwortlich.

mmq/dpa