Enteignungsdebatte Chef von Wohnungskonzern LEG warnt vor kubanischen Verhältnissen in Berlin

Kurz vor dem Berliner Volksentscheid über die Enteignung von Immobilienkonzernen übt LEG-Chef von Lackum scharfe Kritik. Das Anliegen sei »unfassbar falsch«, der Stadt drohe Verfall wie in Kuba.
Unsanierte Häuser in Berlin-Pankow

Unsanierte Häuser in Berlin-Pankow

Foto: Jürgen Ritter / imago images

Wenige Tage vor dem Volksentscheid in Berlin hat der Chef des Wohnungskonzerns LEG Immobilien vor der Enteignung privatwirtschaftlicher Großvermieter gewarnt. »Ich finde das Anliegen unfassbar falsch«, sagte LEG-Chef Lars von Lackum der »Süddeutschen Zeitung«. Nach der Wende hätten Häuser in Ost-Berlin ähnlich ausgesehen wie heute der Bestand in Kuba. »Berlin drohen in einigen Jahren dann ähnliche Verhältnisse, wenn man Eigentum vergesellschaftet«, sagte von Lackum. Es gäbe danach nicht mehr bezahlbaren Wohnraum, sondern weniger und schlechteren.

Auch ein bundesweiter Mietendeckel, wie ihn die Linke fordere, würde laut von Lackum den Wohnungsmangel in Städten nicht beheben. »Den größten Vorteil haben doch diejenigen, die sich schon vorher besonders hohe Mieten leisten konnten.« Der Mietendeckel sei unsozial, da er die Falschen bevorzuge.

Von Lackum bekräftigte zudem das Interesse der LEG, pro Jahr um bis zu 7000 Wohnungen zu wachsen. »Wir trauen uns grundsätzlich zu, Portfolien zu kaufen, die auf den Markt kommen«, sagte er. »Wir kaufen aber immer nur, wenn der Preis passt.«

Mieten steigen langsamer

In Deutschlands Metropolen sind die Mieten im ersten Halbjahr 2021 weniger stark gestiegen als im Vorjahr, doch sie zogen in Mittel- und Kleinstädten an. Das ist das Ergebnis des Wohn-Preisspiegels des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) unter 400 Städten und Gemeinden in Deutschland, aus dem die Funke Mediengruppe zitiert. »Die Mietpreisdynamik schwächt sich im dritten Jahr in Folge vor allem in den Großstädten ab. Das Wohnen entspannt sich. Überall dort, wo gebaut wird, findet Entlastung auf dem Mietwohnungsmarkt statt«, sagte IVD-Präsident Jürgen Schick.

Laut Wohn-Preisspiegel schwächte sich die Mietpreissteigerung für Wohnungen im Bestand um 0,1 Prozent ab und betrug für Wohnungen mittleren Wohnwerts nun 2,7 Prozent. Im Neubau stiegen die Mietpreise um 3,2 Prozent genauso stark wie im Vorjahr. Bundesweit kostete die Neuvertragsmiete pro Quadratmeter rund 8,55 Euro für Bestandswohnungen und 11,30 Euro für Neubauwohnungen.

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Während sich in den Großstädten die Preissteigerung mit einem Plus von 2,1 Prozent im Bestand abschwächte (2020: 2,9 Prozent), legten die Mieten jedoch vor allem in den Mittelstädten bis 100.000 Einwohner um 4,1 Prozent (2020: 3,4 Prozent) sowie in Kleinstädten bis 20.000 Einwohner um 5,1 Prozent (2020: 3,1 Prozent) zu. Eine Mietpreisexplosion in den kleineren Städten sieht IVD-Präsident Schick jedoch nicht. »Einen sogenannten Mietenwahnsinn kann ich nicht erkennen, wenn die Mieten unter der allgemeinen Preisteuerung steigen.«

dab/Reuters