Entscheidung der Notenbank US-Zinssprung drückt Euro tief ins Minus

Erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise hat die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöht. Die Fed hob den Diskontsatz an und löste damit heftige Reaktionen an den Börsen aus: Der Euro rutschte zeitweise auf den tiefsten Stand seit neun Monaten.
Fed-Chef Bernanke: Will keinen Inflationsschub riskieren

Fed-Chef Bernanke: Will keinen Inflationsschub riskieren

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Washington - Die Verbesserung der Lage an den Finanzmärkten machte den Schritt der US-Notenbank Fed möglich: Sie hob am Donnerstag (Ortszeit) den Diskontsatz, zu dem sich die Banken bei der Fed Geld leihen können, um 0,25 Prozent auf 0,75 Prozent an.

Damit zieht die Notenbank zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise vor über einem Jahr die Zinsschraube an. In einer Erklärung rechtfertigte die Notenbank ihren Schritt mit der "kontinuierlichen Verbesserung des Zustands des Finanzmarkts". Es sei nicht zu erwarten, dass sich dadurch auch die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen erhöhten.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vergangene Woche erklärt, die Notenbank werde den Diskontsatz möglicherweise schon bald anheben. Zugleich machte er aber deutlich, dass eine Straffung der Geldpolitik nicht unmittelbar bevorstehe und die Zinsen noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben dürften. Er wiederholte damit die gängige Fed-Formulierung für den Zinsausblick.

Dennoch hatte die Ankündigung sinkende Kurse an den US-Börsen ausgelöst. Die Fed-Entscheidung folgte dann überraschend schnell. Der Diskontsatz gilt allerdings als weniger wichtig als der Leitzins. Bei ihm soll es erst Änderungen geben, wenn es klare Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung geben sollte.

Erholung wird voraussichtlich schleppend verlaufen

Die Entscheidung der Fed drückte den Euro am Freitag zeitweise auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,34 Dollar von 1,35 Dollar am Donnerstag in New York. Die US-Anleihen weiteten ihre Verluste aus. Auch die Kurse am deutschen Aktienmarkt haben am Freitag nachgegeben. Der Dax rutschte um 0,9 Prozent auf 5629 Punkte.

Die Fed und andere Notenbanken hatten wegen der Krise viele Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt und in großem Stil Wertpapiere angekauft, um die Bilanzen der Banken zu entlasten. Sie muss nun ihre Bilanz langsam aber sicher wieder bereinigen, wenn sie nicht auf mittlere Sicht einen Inflationsschub riskieren will.

Ende März beendet die Federal Reserve mehrere in der Finanzkrise aufgelegte Ankaufprogramme, darunter das 1,25 Billionen Dollar schwere Programm für immobilienbesicherte Anleihen.

Die Fed schätzt die wirtschaftliche Lage mittlerweile zwar wieder optimistischer ein, nachdem sich der Arbeitsplatzabbau verlangsamt hat, die Verbraucherausgaben gestiegen sind und die Unternehmen ihre Investitionen in Betriebsmittel und Software wieder hochgefahren haben.

Die Notenbank hat jedoch auch davor gewarnt, dass die Erholung voraussichtlich schleppend verlaufen wird und erklärt, dass der Schlüsselzins daher noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben wird.

fro/Reuters/AFP/dpa
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