Arbeitsbedingungen bei Zulieferern Entwicklungsminister droht Textilbranche Sanktionen an

Die Textilbranche muss in ihren ausländischen Fabriken für faire Arbeitsbedingungen sorgen - sonst drohen laut Entwicklungsminister Müller Sanktionen. Die Entscheidung falle in der kommenden Legislaturperiode.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (Archiv)
DPA

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (Archiv)


Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, versucht schon länger, die Textilbranche zu mehr Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette zu verpflichten. Der CSU-Politiker gründete 2014 das "Bündnis für nachhaltige Textilien". Die Unternehmen hatten das Textilbündnis bei der Gründung heftig kritisiert. Mehr als die Hälfte der ursprünglich beteiligten Verbände und Firmen waren kurz vor dem Start wieder aus der Initiative ausgestiegen. Nach der Aufstellung eines Aktionsplans stieg die Beteiligung wieder, mittlerweile sind mehr als 150 Firmen, Institutionen und Verbände dem Bündnis beigetreten.

Zufrieden ist Müller mit den Fortschritten aber offenbar nicht: Sollten die Unternehmen der Textilbranche in ihren ausländischen Fabriken und bei Zuliefererbetrieben nicht für faire Arbeitsbedingungen sorgen, dann drohten ihnen Sanktionen. Kommende Legislaturperiode werde sich zeigen, ob der bisherige Ansatz der Freiwilligkeit Früchte trage, "oder ob wir nicht verbindliche Rahmenbedingungen brauchen", sagte der CSU-Politiker am Donnerstag bei der Vorstellung seines Buches "Unfair! Für eine gerechte Globalisierung".

Er habe dieses Buch geschrieben, weil er seine Visionen jenseits der Tagespolitik darlegen wolle, sagte Müller. Um Veränderungen anzustoßen, sei es gelegentlich notwendig, "einen Stein ins Wasser zu werfen". Sein Autorenhonorar will der Minister drei Stiftungen zukommen lassen. Eine von ihnen ist die Stiftung "Menschen für Menschen", die seit über 35 Jahren Hilfe in Äthiopien leistet.

Dass die Bundesregierung während ihrer G20-Präsidentschaft die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika in den Fokus gerückt habe, sei nicht allein der Flüchtlingskrise geschuldet, sondern auch Müllers Verdienst, erklärte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU). Er sagte: "Wir müssen dafür sorgen, dass der Hunger nicht bagatellisiert wird."

nck/dpa

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
grommeck 22.06.2017
1. ..... in der kommenden Legislaturperiode... so so!!
Die Schweinereien der Branche sind seit Jahren bekannt und interessiert auch keinen deutschen Kunden mehr, höchstens ' mal nach einem "Unfall" mit vielen Toten. Ansonsten... faire Arbeitsbedingungen - wen juckt das noch.
Poco Loco 22.06.2017
2. Nicht nur die Textilbranche....
....hat viel Dreck am Stecken, erst neulich ist es wieder in den Medien aufgetaucht dass massenweise Containerschiffe in Bangladesh direkt am Strand abgewrackt und verschrottet werden. Alles ohne Schutzkleidung, Schuhe oder Schweisserbrille und alle mit einfachsten Hilfsmitteln. Die Verschmutzung ist gigantisch, Schweröl, Chemikalien und Millionen an Rückständen die täglich ins Meer gespült werden. Da haben auch deutsche Reder in ihrer Gier, viel zu viele Schiffe gebaut, sind dann Pleite gegangen wie auch ihre privaten Kleinanleger die man zu Tausenden gelockt hat mit falschen Prognosen und jetzt wird der selbst geschaffene Überschuss an Schiffen schon wieder verschrottet, dähmlicher gehts nimmer. Und bei der Leder- u. Schuhindustrie und ihren Schwermetallen sind die Arbeitbedingungen und die massive Umweltverschmutzung auch nicht besser.
didohaun 22.06.2017
3. Überfällig
Eigentlich müssten alle großen Markenanbieter, wie auch Träger von Großprojekten in Industrie und Bauwirtschaft, verantwortlich dafür gemacht werden, wie es in deren Zulieferkette bzw. Subunternehmen zugeht. Vor allem in Bezug auf Arbeitssicherheit, Gesundheit und Einhaltung von gesetzlich vorgegebenen Standards, wie zum Beispiel Mindestlöhne. Das zunehmende Preisdumping auf Kosten der Menschen, die aus purer Verzweiflung alles akzeptieren müssen was ihr Überleben ermöglicht, muss endlich aufhören.
Spiegelleserin57 22.06.2017
4. warum nicht sofort?
wenn es wichtige Entscheidungen gibt die die Regierung verabschieden will geht immer alles ganz schnell, auch innerhalb von 2 Wochen, hier werden Ankündigungen über Ankündigungen und viel viel Erklärungen und Androhungen ausgesprochen bevor mal auch nur ansatzweise etwas geschieht. Gibt es nun wieder einen nachvollziehbaren Grund weshalb man diese Entscheidung bis nach der Wahl hinausschiebt. Dann müssen sich erst mal wieder Koalitionspartner gesucht werden und auch das dauert wieder und dann vielleicht mal fällt man eine Entscheidung wenn man denn gewillt ist. Nur unser Innenminister kann, sofern er einen Grund sieht, sofort entscheiden...sehr merkwürdig! Wie schnell Entscheidungen gefällt können lernt man in der Wirtschaft...liebe Regierung, die können das prima!
zerr-spiegel 23.06.2017
5. KiK hat eigene Fabriken?
Seit wann haben die alle eigene Fabriken? Das sind entweder Lohnfertiger oder einfach nur Hersteller, die ihr Zeug verkaufen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.