Übernahme des Elternhauses Bayerischer Finanzminister fordert höhere Freibeträge bei Erbschaftsteuer

Wegen der rasant gestiegenen Immobilienpreise kann das Erben des Elternhauses für einige Menschen teuer werden. Bayerns Finanzminister Füracker sieht darin ein Problem.
Gefragte Wohnlage am Tegernsee: Grundstücke für Millionenbeträge

Gefragte Wohnlage am Tegernsee: Grundstücke für Millionenbeträge

Foto: Martin Moxter / imagebroker / IMAGO

Der Erwerb einer Immobilie ist in deutschen Großstädten und anderen auf dem Wohnungsmarkt gefragten Regionen für Normalverdiener längst meist unerschwinglich . Viele können jedoch darauf hoffen, später durch das geerbte Elternhaus zu Kapital zu kommen. Doch selbst das wird in besonders gefragten Gegenden angesichts der rasant gestiegenen Immobilienpreise immer häufiger unbezahlbar – wegen der Höhe der dann fälligen Erbschaftsteuer .

Um diese schwere finanzielle Bürde abzumildern, hat Bayerns Finanzminister Albert Füracker vom Bund eine Erhöhung der Freibeträge bei der Erbschaftsteuer gefordert. Und: Die Steuer müsse regionalisiert werden, so der CSU-Politiker. Jede Landesregierung könnte damit die Höhe der Erbschaftsteuer selbst festsetzen. Die Einnahmen daraus fließen ohnehin an die Länder.

Eigentümerverbände, Hausbesitzer und Füracker beklagen, von den Hürden beim Erbe sei eine wachsende Zahl von Familien, die keine Großverdiener sind, betroffen. Es gehe keineswegs nur um Luxusanwesen in seit jeher teuren Villensiedlungen wie Hamburg-Blankenese oder dem Münchner Vorort Grünwald.

Freibeträge seit 13 Jahren nicht angepasst

»Viele unserer Siedler haben nach dem Krieg ihre Häuser gebaut, oft auf sehr großen Grundstücken«, sagt auch Beatrice Wächter, die Geschäftsführerin des Eigenheimerverbands in Bayern. »Inzwischen ist es so, dass die Kinder nach dem Tod der Eltern die Häuser zum Teil nicht mehr halten können, weil die Erbschaftsteuer so hoch ist.«

Immobilieneigentümer mit Erbproblemen können bei weniger gut situierten Mietern indes nicht auf großes Mitgefühl hoffen – schließlich erben sie ja, und wenn der Wert oberhalb der Freibeträge liegt, dann ja auch in nennenswertem Umfang.

Es gibt zudem bereits teils großzügige Befreiungen. Ist das Objekt bis zum Tod des Erblassers selbst genutzt, nicht größer als 200 Quadratmeter – und ziehen Kinder oder Enkel selbst und dauerhaft hierein ein, kann es beispielsweise von der Erbschaftsteuer sogar ganz freigestellt sein .

Auch der Übergang des selbst genutzten Wohneigentums an den Ehegatten oder den eingetragenen Lebenspartner wird gesetzlich besonders begünstigt. Leben die Nachkommen nicht selbst im Elternhaus, sondern andernorts, beträgt der Freibetrag pro Kind immerhin noch 400.000 Euro.

Investoren greifen zu

Klar ist aber auch: Kann eine Familie in gefragten Regionen eine Immobilie – aus welchen Gründen auch immer – nicht halten und muss das Eigenheim verkaufen, profitieren davon häufig kommerzielle Bauträger und Investoren. Das dürfte den Trend zur Verdrängung eingesessener Bewohner ebenso wie den Anstieg der Mieten beschleunigen.

»Das sind dann genau die Fälle, in denen auf diesen Grundstücken große Neubauten entstehen: Mehrfamilienhäuser, Doppelhaushälften, was auch immer«, sagt Wächter vom Eigenheimerverband. »Das Problem gibt es auch nicht nur in München, sondern in allen größeren Städten sowie inzwischen auch im Umland.« (Lesen Sie hier  mehr dazu.)

»Wir brauchen dringend eine Reform der Erbschaftsteuer«, verlangt deshalb Politiker Füracker. »Das Familienheim muss Familienheim bleiben können. Wenn Kinder das Eigenheim der Eltern verkaufen müssen, weil sie sich die Erbschaftsteuer nicht leisten können, dürfen wir das nicht hinnehmen.« Ein altes Haus mit großem Grundstück in einer Stadt wie Frankfurt, München, am Starnberger See oder an der Elbe vor den Toren Hamburgs kann auf dem Papier mittlerweile viele Millionen wert sein.

Seit 2009 hätten sich die Immobilienpreise in Ballungsräumen wie München teils verdoppelt oder verdreifacht, die persönlichen Freibeträge seien jedoch 13 Jahre nicht angepasst worden, sagte Füracker. »Die Entlastungswirkung der Freibeträge ist damit kaum noch vorhanden.« Es bestehe die Gefahr, »dass auf lange Sicht immer mehr Investoren Immobilien erwerben und vermieten, insbesondere in beliebten Regionen«.

apr/dpa
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