Erdbebenfolgen Rating-Agentur zweifelt an Japans Kreditwürdigkeit

Japan gerät massiv unter Druck: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen. Bis zu 400 Milliarden Dollar könnte die Beseitigung der Erdbebenschäden kosten - für die Regierung wird es immer schwerer, die hohen Staatsschulden abzutragen.

Zerstörter Toyota-Händler: Geschäftliche Katastrophe
REUTERS

Zerstörter Toyota-Händler: Geschäftliche Katastrophe


Tokio - Es steht schlecht um Japan: Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Das teilte S&P am Mittwoch mit. Vorerst liege das Rating weiter bei "AA-" (Erklärung der Noten: siehe linke Spalte).

Grund für den schlechten Ausblick seien die Kosten, die zur Beseitigung der Schäden des Megaerdbebens und dem anschließenden Tsunami vom 11. März aufgebracht werden müssten. Die Rating-Agentur schätzt die Kosten für den Wiederaufbau schlimmstenfalls auf mehr als 400 Milliarden Dollar.

Dazu käme die immense Verschuldung des Staats. Japan hat unter allen Industrieländern die höchsten Schulden. Sie belaufen sich mittlerweile auf rund 200 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Durch den Wiederaufbau könnte sich das Schuldenproblem verschlimmern. Die japanische Regierung legte gerade erst einen Sonderetat auf, um die Kosten der Erdbebenkatastrophe zu finanzieren. 33 Milliarden Euro werden bereitgestellt - und das dürfte nur der Anfang sein.

Auch die negative Bonitätsbewertung könnte das Schuldenproblem verschlimmern. Je schlechter Rating-Agenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

An der Tokioter Börse hatte der negative Ausblick vorerst keine Effekte. Beflügelt von guten US-Vorgaben stieg der Nikkei Chart zeigen im späten Handel um gut ein Prozent, der breiter gefasste Topix-Index legte um etwa ein halbes Prozent zu.

Einzelhandel mit Umsatzeinbruch im März

Auf Japans Einzelhandel haben die Erdbebenfolgen schon negative Auswirkungen: Auf Jahressicht seien die Erlöse um 8,5 Prozent zurückgegangen, teilte die japanische Regierung am Mittwoch in Tokio mit. Es war der stärkste Umsatzrückgang seit 1998.

Japans Konzernen stehen nach Erdbeben und Atom-Desaster harte Zeiten bevor: Der weltgrößte Autobauer Toyota muss zerstörte Werke wieder aufbauen und kämpft mit unterbrochenen Lieferketten. Wohl erst im November oder Dezember werde man zur ursprünglichen Produktion zurückkehren, teilte der Konzern mit.

Toyota und Honda kündigten zudem eine Unterbrechung ihrer Produktion in Brasilien an. Durch das Erdbeben können Zulieferer die nötigen teile nicht rasch genug liefern.

Honda will die Bänder im Werk São Paulo vom 23. Mai bis zum 3. Juni anhalten. Toyota will die Produktion in seinem Werk in der Stadt Indaiatuba im Bundesstaat São Paulo insgesamt drei Tage stoppen. In Argentinien soll die Toyota-Produktion ebenfalls wegen stockenden Nachschubs von Autoteilen aus Fabriken in Japan gedrosselt werden.

ssu/AFP/dpa

insgesamt 14 Beiträge
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shokaku 27.04.2011
1. Hier könnte eine Abwertung stehen
Und? Die japanischen Staatsschulden werden im wesentlichen von Gläubigern im Inland gehalten. Denen ist es doch vollkommen wurscht, was da so eine Ratingagentur ablässt.
ohne_sorge 27.04.2011
2. Kein Titel
Na gut, wenn wir mal genau nachdenken sind wir durch die noch außerbilanziell übernommenen Schulden aus dem Rettungspaket auch kein AAA-Land mehr. Letztlich bleiben da nur ein paar kleine Länder übrig, die oft auch noch Bodenschätze haben wie z.B. Norwegen. Als großes Land fällt mir da eigentlich nur China ein, nur die werden Probleme haben, denn die haben sich dann die Inflation aus Amerika bzw. Europa importiert...
Leser161 27.04.2011
3. Wer
Wer sind eigentlich diese ominösen Ratingagentur? Und was qualifiziert sie dazu andauernd die Kreditwürdigkeit von Ländern herabzustufen? Hat das schon mal jemand hinterfragt?
founder 27.04.2011
4. Und wenn das letzte Land C- erreicht hat
Zitat von sysopJapan gerät massiv unter Druck: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen. Bis zu 400 Milliarden Dollar könnte die Beseitigung der Erdbebenschäden kosten - für die Regierung wird es immer schwerer, die hohen Staatsschulden abzutragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759165,00.html
Und wenn das letzte Land auf C- gestuft wurde, dann suchen sich die Rating Agenturen und Banken einen anderen Planeten. Übrigens hat China bei Standard & Poor AA- Also bei der Reihenfolge AAA AA+ AA AA- A+ ein reichlich schlechtes Rating, weil der USA ist ja nur AA+ angedroht worden. Es wird mal Zeit über einen Zwangsausgleich nachzudenken.
Niamey 27.04.2011
5. Glaubwürdigkeit von Rating Agenturen
Zitat von sysopJapan gerät massiv unter Druck: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen. Bis zu 400 Milliarden Dollar könnte die Beseitigung der Erdbebenschäden kosten - für die Regierung wird es immer schwerer, die hohen Staatsschulden abzutragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759165,00.html
Rating Agenturen sind nicht unabhängig, sondern haben immer auch ein gewisses Interesse zu vertreten. Daher ist es an der Zeit diese abzuschaffen, also ihre gesitigen Ergüsse nicht mehr wiederzugeben oder darauf zu höhren. Eigentlich wäre es noch besser wenn man sie einfach verbieten würde. Ich könnte ja auch hergehen und einfach behaupten, dass die Ratingagentur XY dem und dem gehört, der wiederum ein Firmenimperium mit hohen finanziellen Interessen an bestimmten Äusserungen und Einstufungen hat. Unser Weltwirtschaftssystem ist gerade dabei sich selbst zu überleben! Übrigens: Schufa und Co. fallen in die gleiche Kategorie, treffen aber besonders schmerzlich den kleinen Mann!
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