Hohe Methan-Emissionen Forscher halten Erdgas für klimaschädlicher als offiziell angegeben

Erdgas gilt als wichtige Brückentechnologie für die Energiewende. Doch laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, sind die offiziellen Angaben über klimaschädliche Methanemissionen oft zu niedrig.
Verdichterstation für Erdgas (Archivbild)

Verdichterstation für Erdgas (Archivbild)

Foto: MATTHIAS RIETSCHEL/ ASSOCIATED PRESS

"Gute Aussichten für unser Klima", "Mehr Strom aus Gaskraftwerken - weniger CO2-Ausstoß": Auf Werbetafeln wird Erdgas derzeit oft als grüne Alternative für den Strom- und Wärmesektor gepriesen. Doch laut Berechnungen eines Forscherteams könnte der Energieträger weit klimaschädlicher sein als bisher bekannt ist.

Erdgas sei zwar CO2-ärmer als beispielsweise Kohle, verursache aber hohe Methanemissionen, heißt es in einer Studie der Energy Watch Group (EWG), einem Thinktank des Umweltpolitikers Hans-Josef Fell (Grüne), die in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll und die dem SPIEGEL vorliegt.

Fürs Klima wäre dies enorm schädlich. Denn jedes Methanmolekül erwärmt die Luft vielfach stärker als Kohlendioxid, je nach veranschlagtem Zeithorizont ist der Treibhauseffekt 34- bis 86-mal so hoch.

Der Methanausstoß durch Erdgas sei zudem weit drastischer, als offizielle Angaben glauben machen, heißt es in der Studie weiter. Organisationen wie die Internationale Energieagentur rechneten demnach oft Emissionen heraus, die durch Leckagen in Kraftwerken oder Pipelines entstünden. Auch bei der Gasförderung aus unkonventionellen Quellen, dem sogenannten Fracking, entweichen demnach große Mengen Methan.

Schon jetzt mache Methan mehr als zwei Fünftel aller Treibhausgase aus, schreiben die EWG-Experten. Durch eine verstärkte Nutzung von Gas als Energieträger würden die Emissionen deutlich steigen. Unterm Strich könnte sich der Treibhauseffekt des Energiesektors um bis zu 40 Prozent erhöhen, wenn der Strom- und Wärmesektor von Kohle und Öl auf Erdgas umgestellt würde.

Konzerne und Regierungen sollten lieber konsequent auf erneuerbare Energien setzen, schlussfolgern die Studienautoren. Vor allem Batterien und Kraftstoffe auf der Grundlage erneuerbarer Energien sollten entsprechend gefördert werden. Dazu sollten die Gebäudesanierung, der Einsatz von ökostrombetriebenen Wärmepumpen sowie die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Biomassepellets oder erneuerbares Gas vorangebracht werden.

ssu