Hohe Methan-Emissionen Forscher halten Erdgas für klimaschädlicher als offiziell angegeben

Erdgas gilt als wichtige Brückentechnologie für die Energiewende. Doch laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, sind die offiziellen Angaben über klimaschädliche Methanemissionen oft zu niedrig.

Verdichterstation für Erdgas (Archivbild)
AP

Verdichterstation für Erdgas (Archivbild)


"Gute Aussichten für unser Klima", "Mehr Strom aus Gaskraftwerken - weniger CO2-Ausstoß": Auf Werbetafeln wird Erdgas derzeit oft als grüne Alternative für den Strom- und Wärmesektor gepriesen. Doch laut Berechnungen eines Forscherteams könnte der Energieträger weit klimaschädlicher sein als bisher bekannt ist.

Erdgas sei zwar CO2-ärmer als beispielsweise Kohle, verursache aber hohe Methanemissionen, heißt es in einer Studie der Energy Watch Group (EWG), einem Thinktank des Umweltpolitikers Hans-Josef Fell (Grüne), die in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll und die dem SPIEGEL vorliegt.

Fürs Klima wäre dies enorm schädlich. Denn jedes Methanmolekül erwärmt die Luft vielfach stärker als Kohlendioxid, je nach veranschlagtem Zeithorizont ist der Treibhauseffekt 34- bis 86-mal so hoch.

Der Methanausstoß durch Erdgas sei zudem weit drastischer, als offizielle Angaben glauben machen, heißt es in der Studie weiter. Organisationen wie die Internationale Energieagentur rechneten demnach oft Emissionen heraus, die durch Leckagen in Kraftwerken oder Pipelines entstünden. Auch bei der Gasförderung aus unkonventionellen Quellen, dem sogenannten Fracking, entweichen demnach große Mengen Methan.

Schon jetzt mache Methan mehr als zwei Fünftel aller Treibhausgase aus, schreiben die EWG-Experten. Durch eine verstärkte Nutzung von Gas als Energieträger würden die Emissionen deutlich steigen. Unterm Strich könnte sich der Treibhauseffekt des Energiesektors um bis zu 40 Prozent erhöhen, wenn der Strom- und Wärmesektor von Kohle und Öl auf Erdgas umgestellt würde.

Konzerne und Regierungen sollten lieber konsequent auf erneuerbare Energien setzen, schlussfolgern die Studienautoren. Vor allem Batterien und Kraftstoffe auf der Grundlage erneuerbarer Energien sollten entsprechend gefördert werden. Dazu sollten die Gebäudesanierung, der Einsatz von ökostrombetriebenen Wärmepumpen sowie die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Biomassepellets oder erneuerbares Gas vorangebracht werden.

ssu



insgesamt 223 Beiträge
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Seite 1
thequickeningishappening 13.09.2019
1. Wenn Der Permafrost taut
dann kommt Der Klima Wandel im Zeitraffer !
frmwltd 13.09.2019
2. Auf erneuerbare Energien setzen
Nach Lesen des Artikels ist zu vermuten das die sog. Schlußfolgerung die Eingangsthese war, die dann mit entsprechender Auswahl des Bilanzkreises zu belegen versucht wurde.
pd1954 13.09.2019
3. Hurra - endlich wieder ein GRÜNES Verbot !
Abgesehen davon wären einpaar Falten für den Artikel hilfreich - wieviel weniger CO2 entsteht bei der Verbrennung von Erdgas als bei der von Kohle oder Öl ? Ist damit Erdgas nun schlechter als Kohle oder nur weniger gut ? Bitte keine Angst vor der Wahrheit, sondern Fakten auf den Tisch!
Andersherumdenker 13.09.2019
4. Leckagen oder Diffusion?
Vergleicht man die Diffusion von Erdgas bei Kunststoffrohren mit der bei Stahlrohren muss man sich in diesem Zusammenhang auch mal die Frage stellen, warum seit Jahren immer mehr Leitungen aus Kunststoff anstatt aus Stahl gebaut werden?!
jj2005 13.09.2019
5. Lecks vermeiden
Die Schlussfolgerung des Artikels ist unsinnig. Nicht Erdgas vermeiden, sondern das Entweichen des Methans während der Förderung. Das kann teuer werden, klar, aber Erdgas ist ein wichtiger Faktor beim Ausbau der regenerativen Energien, denn Erdgaskraftwerke können schnell hochgefahren werden, wenn Wind und Sonne simultan streiken.
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