Probebohrung Riesiges Ölfeld südlich von London

Nahe des Londoner Flughafens Gatwick könnte sich so viel Öl wie in ganz Kuwait befinden, sagt ein britischer Finanzinvestor. Anwohner fürchten schon kilometerweite Fracking-Krater, doch Branchenexperten reagieren zurückhaltend.
Weiden neben Ölförderstätte in Horley: Reiche Rohstoffvorkommen

Weiden neben Ölförderstätte in Horley: Reiche Rohstoffvorkommen

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Eine Investmentfirma hat nach eigenen Angaben ein gigantisches Ölfeld im Süden von London entdeckt. Rund um den Flughafen Gatwick könnten sich bis zu 100 Milliarden Barrel Öl befinden, teilte die UK Oil & Gas Investments (UKOG) am Donnerstag mit . Zum Vergleich: In Kuwait belaufen sich die bestätigten Ölreserven auf etwa dieselbe Menge. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

"Wir haben hier eine relevante Entdeckung gemacht", sagte UKOG-Chef Stephen Sanderson. Das Ölfeld sei wahrscheinlich das größte, das im Vereinigten Königreich in den vergangenen 30 Jahren an Land gefunden worden sei. "Wir denken, dass dies nationale Bedeutung hat", ergänzte Sanderson.

Die UKOG-Aktie stieg nach Bekanntgabe der neuen Vorkommen zeitweise um 300 Prozent. Am Nachmittag belief sich das Plus noch immer auf 160 Prozent.

Dass es in Südengland Rohstoffvorkommen gibt, war bereits zuvor bekannt. Die neuen Probebohrungen haben allerdings ergeben, dass diese um ein Vielfaches größer sind als bisher angenommen. 2014 waren Experten von einem Ölvorkommen von rund 4,4 Milliarden Barrel in der Gegend ausgegangen.

Angst vor Fracking

Rund um die Bohrlöcher in Südengland sind die Anwohner nun besorgt. Sie fürchten vor allem, dass Ölfirmen den Rohstoff mit der umstrittenen Fracking-Methode an die Oberfläche holen könnten. UKOG hat nach eigenen Angaben keine entsprechenden Pläne. Das Öl, das in rund 760 bis 900 Metern Tiefe liege, lasse sich auch anders fördern, teilte die Firma mit.

Forscher sind dennoch skeptisch. Um wirklich Geld mit den Bohrungen zu verdienen, müsse man früher oder später eben doch auf Fracking zurückgreifen, sagte der Geowissenschaftler Alastair Fraser vom Londoner Imperial College.

Umweltschützer kritisierten den Wirbel um die neuen Zahlen als "Rückschritt ins 19. Jahrhundert". Die Freude über neu entdecktes Öl missachte alles, was die Menschheit über den Klimawandel gelernt habe, sagte Doug Parr, ein Wissenschaftler von Greenpeace.

Noch ist allerdings gar nicht klar, wie viel von dem Öl letztlich wirklich an die Oberfläche gepumpt werden wird. Eine Förderung könne zu teuer sein, sagte Mike Jakeman, Rohstoffanalyst beim Branchendienst Economist Intelligence. Angesichts der niedrigen Ölpreise seien derzeit vor allem günstigere Projekte für die Firmen interessant. "Auch, wenn sich die Zahlen gut anhören, ist es unwahrscheinlich, dass diese Entdeckung die britische Energieindustrie wirklich wiederbelebt", sagte Jakeman.

Bisher hat Großbritannien vor allem in der Nordsee Öl gefördert; dort gehen die Vorkommen aber langsam zur Neige. Nach Angaben des Energieministeriums förderte Großbritannien im vergangenen Jahr insgesamt rund 283 Millionen Barrel Öl.

ssu/dpa/Reuters
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