Folgen des Ukrainekriegs Deutschland will Bündnis gegen Hunger schmieden

Die Folgen des Ukrainekriegs könnten Millionen Menschen in eine Hungerkrise stürzen. Führende Industriestaaten arbeiten einen Aktionsplan aus, Deutschland treibt das Projekt mit voran.
Getreide auf einem Markt im Jemen: Sorge um die Verwundbarsten

Getreide auf einem Markt im Jemen: Sorge um die Verwundbarsten

Foto: Yahya Arhab / EPA

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine treibt nicht nur die Energiepreise nach oben, auch Nahrungsmittel sind deutlich teurer geworden. Experten rechnen mit weiter steigenden Kosten – und in der Folge mit einer Ernährungskrise in Schwellen- und Entwicklungsländern. Wirtschaftsexperten wollen mit einem Aktionsplan dagegen angehen.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) kündigte an, bei der Weltbanktagung in Washington für ein Bündnis für globale Ernährungssicherheit zu werben. »Unser Ziel muss sein, Millionen Menschen vor dem Hungertod zu bewahren«, sagte Schulze den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Sie wolle sich darum bemühen, »dass wir uns im Einsatz gegen die Ernährungskrise stärker koordinieren – im Kreis der Geber, aber auch mit internationalen Organisationen und allen anderen, die sich engagieren wollen«.

Vorbild solle dabei die Covax-Initiative sein, die global einen gerechten Zugang zu Coronaimpfstoffen gewährleisten will. »Im Kampf gegen die Coronapandemie ist es uns gelungen, eine agile multilaterale Plattform zu schaffen, die die größte globale Impfkampagne der Geschichte auf die Beine gestellt hat«, sagte die Bundesentwicklungsministerin. Was dabei gelernt worden sei, solle die Weltgemeinschaft nun auf den Einsatz gegen die Ernährungskrise übertragen.

Den Vorstoß will Schulze im Rahmen der G7-Gruppe führender Industriestaaten unternehmen, in der Deutschland in diesem Jahr die Präsidentschaft innehat.

Lindner fordert offene Märkte

Die derzeitigen Frühjahrstagungen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in der US-Hauptstadt stehen ganz im Zeichen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Ein Fokus liegt auf Maßnahmen gegen eine Ausbreitung der Hungerkrise. Nach Angaben der USA haben sich die teilnehmenden Wirtschaftsvertreter bei Treffen von Experten in Washington auf die Ausarbeitung eines Aktionsplans verständigt.

Finanzminister Christian Lindner forderte im Namen der G7 alle Länder auf, »die Agrarmärkte offenzuhalten, keine Vorräte zu horten und keine ungerechtfertigten Ausfuhrbeschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Nährstoffe zu verhängen«.

US-Finanzministerin Janet Yellen sagte, betroffen von den Preissteigerungen bei Lebensmitteln seien vor allem »die verletzlichsten« Menschen, nämlich Familien, »die bereits einen überproportionalen Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben«.

Yellen macht Putin direkt verantwortlich

Schon vor dem Ukrainekrieg litten demnach mehr als 800 Millionen Menschen – das entspricht etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung – unter anhaltender Ernährungsunsicherheit.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine habe »die bereits dramatische Lage weiter verschlechtert«, sagte Yellen. Es seien schon »Preis- und Versorgungsschocks« zu beobachten. »Ich will es ganz klar sagen: Russland ist dafür verantwortlich«, sagte die US-Finanzministerin. »Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass mindestens zehn Millionen Menschen nur durch die höheren Nahrungsmittelpreise in die Armut getrieben werden könnten.«

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Russland und die Ukraine stehen zusammen für rund 20 Prozent der Maisexporte und 30 Prozent der Weizenexporte weltweit, wie es in einem den Funke-Blättern vorliegenden Arbeitspapier des deutschen Entwicklungsministeriums heißt.

Besonders stark von Importen dieser Produkte abhängig sind demnach unter anderem Ägypten, Tunesien, Libyen, der Jemen, Somalia und Pakistan. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte bereits angekündigt, dass die Bundesregierung angesichts des Ukrainekriegs 430 Millionen Euro zusätzlich für die Ernährungssicherung bereitstellen werde.

mmq/dpa/AFP