Reisende aus deutschen Risikogebieten Etliche Bundesländer verlangen negative Corona-Tests

Innerdeutsches Reisen wird deutlich schwieriger: Urlauber aus Corona-Hotspots dürfen in vielen Bundesländern nicht mehr in Hotels übernachten - es sei denn, sie legen einen negativen Test vor.
Hotel in Hamburg (Symboldbild)

Hotel in Hamburg (Symboldbild)

Foto: Jonas Klüter / DPA

Bei Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands müssen sich Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen im Herbst auf erhebliche Schwierigkeiten gefasst machen. Die Länder beschlossen mehrheitlich, dass solche Reisenden nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test haben. Das haben die Staatskanzleichefs nach einer Schaltkonferenz mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) beschlossen. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Nach aktuellem Situationsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) überschreiten sieben Kreise den kritischen Durchschnittswert - und zwar Hamm, Remscheid, Vechta sowie die Berliner Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Einwohner aus diesen Orten wären derzeit von dem Hotelverbot betroffen.

Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen legten Protokollerklärungen zu dem Beschluss vor. Niedersachsen will demnach prüfen, ob der Beschluss mitgetragen werden kann. Das Land Bremen, das selbst am Mittwoch die 50er-Marke überschritt, erklärte, ob man den Beschluss letztlich mittrage, werde erst im Senat beraten.

Bund und Länder bekräftigten im Kern aber eine Linie, die Ende Juni vor den Sommerferien grundsätzlich beschlossen worden war. Nun sollte es angesichts teils unterschiedlicher Regeln um einen einheitlicheren Rahmen für den Herbst gehen. Generell fordern Bund und Länder angesichts bundesweit steigender Infektionszahlen "eindringlich alle Bürgerinnen und Bürger auf, nicht erforderliche Reisen" in solche Risikogebiete und aus diesen Gebieten heraus zu vermeiden.

Lauterbach kritisiert innerdeutsche Testpflichten

In dem Beschluss heißt es mit Blick auf die Tests: "Die Eindämmung des Infektionsgeschehens und die Testungen im Gesundheitswesen sowie Testungen zur Aufrechterhaltung des Bildungswesens und der inneren Sicherheit haben Priorität." Insofern könnten solche "Freitestungen für Reisezwecke" nur gemacht werden, wenn die regionalen Kapazitäten dies zusätzlich zulassen. Generell gibt es auch keine Regelung dazu, dass die Krankenkassen Tests bei Inlandsreisen zahlen. Dies gilt derzeit nur für Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Ausland. Wer keine Symptome hat, muss einen Test in der Regel aus eigener Tasche bezahlen - es sei denn ein Arzt entscheidet es anders.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte, innerdeutsche Testpflichten und Beherbergungsverbote seien wenig sinnvoll. "Wir werden bald so viele betroffene Regionen haben dass die Regel kaum umsetzbar, geschweige denn kontrollierbar ist." Zudem müssten Angebote in Deutschland erhalten bleiben, gerade um zu verhindern, dass Deutsche in ausländische Hochrisikoregionen reisen.

AfD-Vize Stephan Brandner sprach von einer "Kollektivstrafe für alle Menschen, die aus Gebieten kommen, in denen mehr Personen positiv getestet werden, als in anderen - vollkommen ohne Bezug zur tatsächlichen Lebensweise dieser Menschen."

hej/dpa

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