EU-Emissionshandel Überangebot an CO2-Rechten verdoppelt sich

Der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten gerät immer weiter aus dem Gleichgewicht: Ende 2012 hatte die Industrie Rechte zum Ausstoß von zwei Milliarden Tonnen CO2 noch nicht verbraucht - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Politiker streiten, ob das ein Problem ist.

Kohlekraftwerk (nahe Köln): Industrie hat mehr Verschmutzungsrechte als sie braucht
DPA

Kohlekraftwerk (nahe Köln): Industrie hat mehr Verschmutzungsrechte als sie braucht


Brüssel - Im kriselnden CO2-Handel hat sich die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage binnen eines Jahres verdoppelt. Ende 2012 seien etwa zwei Milliarden CO2-Rechte für Europas Industrie mehr in dem Handelssystem gewesen als benötigt, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. 2011 war es noch knapp eine Milliarde gewesen.

In dem Emissionshandel muss Europas Industrie Zertifikate für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 vorlegen. Ein Recht erlaubt es einem Industriebetrieb, eine Tonne CO2 auszustoßen. Aktuell liegt der Preis dafür bei rund 3,50 Euro - Mitte 2011 waren es noch 18 Euro. In der Krise brach der Preis ein - Investitionen in klimaschonende Technik lohnen sich nicht.

Der Hauptgrund für das Überangebot ist eigentlich ein erfreulicher: Die mehr als 12.000 Kraftwerke und Industrieanlagen, die am EU-Emissionshandel teilnahmen, stießen zwei Prozent weniger Kohlendioxid aus als im Vorjahr, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Daher sei die Nachfrage nach Verschmutzungsrechten zurückgegangen.

Manche Industrien verbrauchen nicht mal die kostenlos zugeteilten Rechte

Ob der Preisverfall also tatsächlich ein Problem ist, darüber sind sich Politiker uneinig: Der Überschuss an CO2-Zertifikaten sei eine schlechte Nachricht, sagte Klimakommissarin Connie Hedegaard. Der Chef der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Herbert Reul, reagierte hingegen gelassen. Der Überschuss im System hänge auch mit dem massiven Ausbau von Ökoenergien in Europa zusammen, sagte Reul. Weil mehr klimaschonender Solar- und Windstrom entsteht, sinkt der Bedarf an Verschmutzungsrechten.

Die EU-Kommission veröffentlichte am Donnerstag zudem eine von ihr in Auftrag gegebene Bloomberg-Studie, um die Dringlichkeit von Reformen zu unterstreichen. Demzufolge musste die Stahlindustrie von 2008 bis 2012 nur rund 60 Prozent der ihr kostenlos zugeteilten Verschmutzungsrechte nutzen. In der Papierindustrie sowie in der Zementbranche lag der Anteil bei etwa drei Vierteln.

Umweltschützer bemängeln, dass Firmen aus diesen Branchen wegen der kostenlos zugeteilten Papiere keinen Anreiz zu Investitionen in klimaschonende Technik haben - und mit dem Verkauf von CO2-Rechten sogar gute Geschäfte machten.

Um die Klimaschutz-Wirkung des CO2-Handels zu verstärken, will die Kommission das Angebot an CO2-Rechten zeitlich befristet verknappen und dadurch den Preis erhöhen. Das Vorhaben ist umstritten - in Deutschland ist Umweltminister Peter Altmaier (CDU) dafür; Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist dagegen.

ade/dpa/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 16.05.2013
1.
Wichtige Frage ans Forum: wenn ich Verschmutzungsrechte kaufe, darf ich dann Klimaforscher & "EU"-Emmisionshändler mit Schlamm bewerfen?
noalk 16.05.2013
2. Wo ist das Problem?
Wenn weniger Verschmutzungsrechte gekauft wurden, ist das doch ein gutes Zeichen: Der Zeozwei-Ausstoß ist zurückgegangen. Oder steckt ein Fehler im System?
spiegelleser987 17.05.2013
3. Da kann man ....
Zitat von sysopDPADer Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten gerät immer weiter aus dem Gleichgewicht: Ende 2012 hatte die Industrie Rechte zum Ausstoß von zwei Milliarden Tonnen CO2 noch nicht verbraucht - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Politiker streiten, ob das ein Problem ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-emissionshandel-ueberangebot-an-co2-rechten-verdoppelt-sich-a-900399.html
Da kann man nochmal ARTE empfehlen. Im Augenblick ist das Video "Das Geschäft mit dem Klima" hier Das Geschäft mit dem Klima | ARTE (http://www.arte.tv/guide/de/sendungen/JT-009841/das-geschaft-mit-dem-klima) nicht aktiv. Villeicht ist das deaktiviert, weil am 18.5.13 gegen 10:00 Uhr auf ARTE die Wiederholung kommt. Die Sendung ist zu empgfehlen, weil das Ergebnis verblüffend ist. Kohle und Erdöl sind ökologischer und CO2-sparender als Biokraftstoffe. Von EU-Politikern wird die Studie unterdrückt.
spiegelleser987 17.05.2013
4. Spiegel TV ...
Zitat von sysopDPADer Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten gerät immer weiter aus dem Gleichgewicht: Ende 2012 hatte die Industrie Rechte zum Ausstoß von zwei Milliarden Tonnen CO2 noch nicht verbraucht - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Politiker streiten, ob das ein Problem ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-emissionshandel-ueberangebot-an-co2-rechten-verdoppelt-sich-a-900399.html
Zu empfehlen wäre auch noch Spiegel TV Der Klimaschwindel - SpiegelTV - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=Xgcpl3IFGn4)
tsaag 17.05.2013
5. Augenwischerei - die wahre Ursach liegt woanders
Der Bericht ist sehr oberflächlich und benennt nicht die wahren Ursachen. Diese sind durch die Lobbyverbände eingeführten Begriffsaufweichung was noch "Brennstoff aus nachhaltigen Quellen" sind. Zum Beispiel Kohle ist definitiv nicht aus nachhaltiger Quelle, hat jedoch einen sehr hohen Energieinhalt bei einem niedrigen Preis. Somit für Kraftwerksbetreiber sehr interessant. Holzpellets sind teuer und auch nicht in wirklich großen Mengen verfügbar, schon heute werden in Deutschland Holzplattenhersteller und die Papierindustrie wegen Rohstoffmangel geschlossen. Mischt man jedoch Holzspäne und Kohlestaub zusammen und macht daraus Pellets, dann gelten diese als "nachhaltiger Brennstoff" und haben neben dem niedrigen Preis auch noch die schöne Eigenschaft, dass das Kraftwerk keine CO2-Zertifikate kaufen muss. Übrigens man kann es noch weiter "optimieren" und nimmt statt Kohle Abfall (verschmutzte Öle etc.) und mischt diese mit Holzspänen, macht Pellets daraus, dann wird der Brennstoff noch billiger, da für die Entsorgung des Abfalls der Verursacher bezahlen muss, dennoch ist das ganze legal "öko" und hochprofitabel .... un hat eben ein von der Lobby gesteuertes Gesetz als Grundlage
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