EU-Hilfspaket für Zypern Abgabe trifft russische Bankkunden hart

Die von der EU beschlossene Zwangsabgabe in Zypern hat bei reichen Russen Panik ausgelöst. Nach Schätzung von Experten sollen Geschäftsleute und Privatpersonen Guthaben von bis zu 15 Milliarden Euro in dem Inselstaat besitzen - ein Teil davon soll nun das Hilfspaket finanzieren.

Nikosia/Moskau - Die von der Euro-Gruppe beschlossene Zwangsabgabe für sämtliche Kunden zyprischer Banken trifft russische Unternehmen und Einzelpersonen besonders hart. Schließlich beliefen sich die russischen Guthaben in Zypern nach Experteneinschätzung auf bis zu 20 Milliarden Dollar (15,3 Milliarden Euro), sagte der Abgeordnete und Vorsitzende des Verbandes russischer Regionalbanken, Anatoli Axakow, am Sonntag der Nachrichtenagentur Interfax. "Das Vertrauen in Zypern als sicherer Anlageort wird zunichte gemacht", urteilte er.

Die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" veranschlagte auf ihrer Website die russischen Guthaben in Zypern noch deutlich höher. Die Rating-Agentur Moody's habe am 1. September 2012 allein die Guthaben russischer Unternehmen in Zypern auf 19 Milliarden Dollar geschätzt. Hinzu kämen zwölf Milliarden Dollar, die russische Banken in dem EU-Land anlegten. Die Guthaben von natürlichen Personen aus Russland in Zypern schätze die Wirtschaftspresse auf acht bis 35 Milliarden Dollar, schrieb die russische "Forbes"-Ausgabe. "Die Russen haben an einem Tag bis zu 3,5 Milliarden Euro verloren", titelte die Magazin-Website.

Ein Drittel der Einlagen gehören Ausländern

Die Länder der Euro-Zone hatten in der Nacht zum Samstag ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für das von der Staatspleite bedrohte Zypern beschlossen. An diesem müssen sich mit geschätzten 5,8 Milliarden Euro durch eine Sonderabgabe erstmals auch Bankkunden beteiligen.

Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken müssen eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Bei reichen russischen Geschäftsleuten habe dies Panik ausgelöst, schrieb "Forbes".

Ein großer Teil der Einlagen in Zypern sind in der Hand ausländischer Kontoinhaber - vor allem reicher Russen und Briten. Auf Zypern stationierten Militärs und Regierungsangestellten will die britische Regierung die Sonderabgabe erstatten. Dies versprach Schatzkanzler George Osborne am Sonntag.

"Personen, die für unseren Staat Dienst tun, werden vor dieser Banksteuer geschützt. Wir werden jeden entschädigen, der von dieser Banksteuer betroffen ist", sagte Osborne dem BBC-Fernsehen. Großbritannien unterhält auf Zypern zwei Militärbasen, auf denen rund 3000 Soldaten stationiert sind.

abl/AFP/dpa
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