EU-Investitionspaket Atomkonzerne wollen 80 Milliarden Euro abgreifen

Europas Konjunkturpaket droht zum Nuklearprogramm zu werden. Die EU-Mitgliedstaaten wollen sich Atomprojekte im Wert von 80 Milliarden Euro finanzieren lassen.
Gelände des britischen AKW Hickley Point: "Teure Baukosten"

Gelände des britischen AKW Hickley Point: "Teure Baukosten"

Foto: © Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Das geplante Investitionsprogramm der EU sorgt für neue Aufregung. Eine Taskforce der EU-Kommission hatte rund 2000 Projekte identifiziert, die für eine Förderung infrage kommen. Investitionsvolumen insgesamt: 1,3 Billionen Euro. Nun stellt sich heraus, dass ein besonders teurer Posten in dieser Liste, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, die Atomkraft ist.

In der Liste der förderwürdigen Projekte finden sich Pläne für den Bau von Atomanlagen im Wert von gut 80 Milliarden Euro.

  • Allein Großbritannien stellt demnach Anfragen für drei neue AKW-Projekte im Wert von 46 Milliarden Euro, darunter für das besonders umstrittene Projekt Hinkley Point C. Später sollen noch einmal 16 Milliarden Euro hinzukommen.
  • Polen will Geld für zwei AKW mit einer Kapazität von 3000 Megawatt. Der Kreditantrag beläuft sich auf 12 Milliarden Euro.
  • Hinzu kommen weitere Förderanträge unter anderem aus Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Lettland.

"Erstaunlich viele Projekte entstammen dem nuklearen Sektor", resümiert Patricia Lorenz von der Umweltorganisation Global 2000, die eine Studie zum Investitionsprogramm der EU durchgeführt hat. Der Grüne und EU-Abgeordnete Claude Turmes warnt: "Der Juncker-Plan könnte von der Atomlobby komplett pervertiert werden."

Experten der Kommission und der Europäischen Investitionsbank verwiesen dagegen darauf, dass von den vorgeschlagenen Projekten ohnehin nur Vorhaben im Wert von 500 Milliarden Euro tatsächlich in den kommenden drei Jahren verwirklicht werden können. Die Entscheidung, welche der vorgeschlagenen Projekte letztlich Geld bekämen, sei noch nicht gefallen.

ssu
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