Vorschlag aus Irland EU-Staaten wollen Bankerboni begrenzen

Die Zeit der unbegrenzten Bankerboni könnte bald vorbei sein. Laut einem Agenturbericht arbeiten die EU-Staaten an einer Regelung, um die bisher oft exorbitant hohen Gehälter zu begrenzen. Die irische Ratspräsidentschaft hat dazu einen Vorschlag vorgelegt - doch aus London droht Widerstand.

Londoner Finanzviertel City: Hier wird das große Geld verdient
DPA

Londoner Finanzviertel City: Hier wird das große Geld verdient


Brüssel - Milliarden verzockt, Millionen kassiert - in der Finanzkrise wurden die gigantisch hohen Boni der Bankenbranche zum öffentlichen Ärgernis. Nun wollen die EU-Staaten Konsequenzen ziehen und die Zahlungen begrenzen.

Vorgeschlagen wird etwa, Prämien zu verbieten, die das eigentliche Gehalt übersteigen, wie aus einem internen Papier hervorgeht, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Allerdings wären demnach mit Zustimmung der Aktionäre Boni möglich, die das Festgehalt um das Zweifache übertreffen.

Die Vorschläge kommen von Irland, das zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Sollten sie angenommen werden, könnten die neuen Regeln bereits Anfang des kommenden Jahres greifen. Es wäre in der EU das erste Mal, dass es für Bonuszahlungen eine absolute Grenze gibt. Frühere Reformen zielten darauf ab, Prämien später zu zahlen.

London muss seinen Widerstand aufgeben

Seit Beginn der Krise haben auch viele Banken selbst bereits Reformen eingeleitet. Sie zahlen die Boni eines Jahres meist nicht mehr direkt aus, sondern strecken sie über mehrere Jahre. Nur wenn sich der Erfolg eines Geschäfts als nachhaltig erweist, wird die volle Summe freigegeben. Bei Fehlverhalten kann der gesamte Bonustopf gesperrt werden. So soll verhindert werden, dass die Manager kurzfristig hohe Risiken eingehen.

Die Institute stehen nicht nur unter dem Druck der Öffentlichkeit, sondern auch unter dem der eigenen Aktionäre. Die mussten sich in der Vergangenheit oft mit niedrigen Gewinnausschüttungen begnügen, weil ein Großteil des Gewinns auf die Konten der Mitarbeiter floss.

Die neuen Vorschläge könnten nun auch eine gesetzliche Begrenzung der Boni festschreiben. Irische Diplomaten wollen sie am Donnerstag auf einem Botschaftertreffen erläutern. Für eine Umsetzung müsste allerdings Großbritannien seinen Widerstand aufgeben. London ist der wichtigste Finanzplatz in der EU. Im dortigen Finanzviertel, der City, werden die höchsten Boni gezahlt - um die besten Mitarbeiter zu halten, wie die Banken argumentieren. Die Regierung in London ist deshalb gegen eine Begrenzung, würde aber mehr Mitspracherechte für Aktionäre akzeptieren.

Die neuen Regeln sollen im Rahmen des Basel-III-Abkommens für Banken erlassen werden. Ziel ist, eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Eigentlich sollte Basel III bereits Anfang dieses Jahres umgesetzt werden. Nun ist der Start für den 1. Januar 2014 vorgesehen.

stk/Reuters



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
benjaminrubin 12.02.2013
1. Beamtengehälter und Pensionen begrenzen
Wieso sich Gedanken machen, wie man den Lohn in privaten Firmen deckelt? Einfach keine Banken mehr retten und es ist deren Problem. Oder dies in staatlichen bzw. staatlich gestützten Banken einführen. Ansonsten sollen die doch ihr Geld verschleudern wie sie wollen. Wirklich begrenzen muss man aber die Beamtengehälter und Pensionen. Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft von Arbeitern und Angestellten auf der einen Seite. Die haben eine magere Rente und Jobunsicherheit. Und den Beamten auf der anderen Seite. Mit hohen Pensionen und Jobgarantie auf Lebenszeit. Das geht uns alle und damit den Staat was an. Nicht die Bankerboni. Das ist doch nur Ablenkung.
kf_mailer 12.02.2013
2. Boni begrenzen
Was für eine Scheindiskussion, es wäre sinnvoller zu fordern, das private Banken das Monopol auf die Geldschöpfung verlieren. Doch niemand aus der politischen Elite will an die Ursache des Übels gehen. Die, die es versuchten, wie Kennedy leben lwider nicht lange...
anderton 12.02.2013
3. ...
Zitat von sysopDPADie Zeit der unbegrenzten Bankerboni könnte bald vorbei sein. Laut einem Agenturbericht arbeiten die EU-Staaten an einer Regelung, um die bisher oft exorbitant hohen Gehälter zu begrenzen. Die irische Ratspräsidentschaft hat dazu einen Vorschlag vorgelegt - doch aus London droht Widerstand. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-staaten-wollen-boni-fuer-banker-begrenzen-a-882756.html
Eigentlich vermisse ich die Schlagzeile: "EU arbeitet am Rettungsschirm für nicht Euro Länder" bei SPON. Stattdessen wird man wieder mit diesem Boni Thema sediert. Ganz egal welche Regelungen dort getroffen werden, die entsprechenden Personen kennen einen Trick um trotzdem die Kohle abzuzweigen - da bin ich mir ganz sicher.
rty 12.02.2013
4. Mathe wird auf Journalistenschulen nicht gelehrt
"Vorgeschlagen wird etwa, Prämien zu verbieten, die das eigentliche Gehalt übersteigen, wie aus einem internen Papier hervorgeht, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Allerdings wären demnach mit Zustimmung der Aktionäre Boni möglich, die das Festgehalt um das Zweifache übertreffen." - nein, wenn der Bonus höchstens dem Festgehalt entsprechen kann, kann der Bonus das Festgehalt nicht um das Zweifache übertreffen. "Es wäre in der EU das erste Mal, dass es für Bonuszahlungen eine absolute Grenze gibt." - nein, wenn die Bonuszahlung nicht durch eine feste Zahl, sondern relativ zum Grundgehalt begrenzt wird, nennt man das "relativ" und nicht "absolut".
Steve Holmes 12.02.2013
5. Zum Glück ist GB noch in der EU
Es kann doch nicht Aufgabe des Gesetzgebers sein Gehälter festzusetzen. Die Tarifautonomie ist ein viel zu hohes Gut um diese auf dem Brüsseler Altar zu opfern.
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