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29. Mai 2018, 17:55 Uhr

EU-Zahlungen

Wohin die Agrarsubventionen fließen

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6,5 Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen wurden 2017 in Deutschland ausgezahlt. Doch wohin geht das Geld genau? SPIEGEL ONLINE zeigt mit Karten die Top-Empfänger in jedem Landkreis - und die ungleiche Struktur der Landwirtschaft.

Die EU-Zahl ist riesig - und umstritten: 58 Milliarden Euro Agrarsubventionen werden jährlich in den Ländern der Europäischen Union verteilt, rund sechs Milliarden Euro davon gehen nach Deutschland.

Empfänger sind nicht nur Landwirte. Behörden und staatliche Stellen, die Umweltschutzaufgaben erfüllen oder sich um die Infrastruktur im ländlichen Raum kümmern, haben im vergangenen Jahr sogar die höchsten Einzelbeträge bekommen.

Auch Unternehmen, die auf dem Agrarmarkt tätig sind, können Agrarsubventionen beantragen.

Im Rahmen ihrer Transparenzinitiative veröffentlicht die EU jährlich, welche Betriebe wie viel Geld aus der Agrarförderung bekommen haben. Der SPIEGEL und NDR Niedersachsen haben die aktualisierte Datenbank zu den EU-Agrarzahlungen ausgewertet.

Auf vier Karten können Sie sehen

Wer sind die Top-Empfänger?

In den dunkel eingefärbten Landkreisen sitzen die Top-Empfänger der EU-Agrarzahlungen. Je dunkler die Farbe, desto größer ist dort die höchste ausbezahlte Einzelsumme. Wenn sie auf die einzelnen Landkreise klicken oder tippen, erfahren Sie, wer dort die drei Top-Empfänger sind und wie hoch die Zahlungen waren.

Die EU-Gelder werden aus zwei Töpfen verteilt:

Auf der obigen Karte sind die Top-Empfänger aller Zahlungen genannt - egal aus welchem Fördertopf das Geld stammt.

Da ein Großteil der Direktzahlungen an Landwirte abhängig von der landwirtschaftlich genutzten Hektarfläche ist, bekommen Großbetriebe in den ostdeutschen Bundesländern viel höhere Summen als etwa Kleinbetriebe in Bayern.

In die Landkreise an den Küsten fließen hohe Summen für Deichschutz.

Dunkel eingefärbte Gebiete rund um den Bodensee ergeben sich durch hohe Zahlungen an dort ansässige Erzeugergemeinschaften für Obst. Neben Behörden und öffentlichen Institutionen haben große Erzeugergemeinschaften im vergangenen Jahr in Deutschland die höchsten Einzelzahlungen bei EU-Agrarsubventionen bekommen.

In der Datenbank zu den EU-Agrarzahlungen kann jeder Bürger selbst recherchieren, welcher Betrieb in Deutschland welchen Betrag bekommen hat. Laut der Datenbank wurden an mehr als 310.000 Empfänger EU-Agrargelder ausbezahlt. 125 von ihnen erhielten mehr als eine Million Euro.

In welchen Landkreisen wird viel Landwirtschaft betrieben?

Die folgende Karte zeigt: Nicht überall im ländlichen Raum wird auch Landwirtschaft betrieben. Die dunklen Stellen zeigen die Landkreise, in denen besonders viel Fläche landwirtschaftlich genutzt wird. Entsprechend wenig landwirtschaftliche Flächen gibt es in den hell eingefärbten Kreisen. Das können zum Beispiel Städte sein, aber auch ländliche Gebiete wie Wälder oder Berge, die sich für Landwirtschaft schlicht nicht eignen.

Für die Karte wurde die ausbezahlte Basisprämie je Quadratkilometer Landkreisfläche berechnet. Die Basisprämie bekommen Landwirte pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Die intensiv genutzten Gebiete in Schleswig-Holstein (Milchwirtschaft) und Niedersachsen (Geflügel- und Schweinezucht) sind dunkelgrün eingefärbt. Auch in Bayern stechen ertragreiche Ackerbauregionen wie der Gäuboden rund um Straubing in Niederbayern klar heraus. In diesen Landkreisen wird ein großer Teil der Fläche landwirtschaftlich genutzt.

Andere hell eingefärbte Regionen wie etwa der Spreewald südöstlich von Berlin sind zwar auch ländlich geprägt, eignen sich aber nur bedingt für die landwirtschaftliche Nutzung. Das ist auch in der Schwarzwald-Region und den Landkreisen des Nationalparks Bayerischer Wald zu sehen.

Was die Daten über die lokale Struktur der Landwirtschaft verraten

Die folgende Darstellung zeigt, wie viele Empfänger von Direktzahlungen es in den jeweiligen Landkreisen im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Fläche gibt.

Die hellen Gebiete in den ostdeutschen Ländern zeigen, dass hier wenige Betriebe besonders große Flächen besitzen. Entsprechend verteilen sich die EU-Zahlungen nur auf wenige Empfänger.

Der Hauptgrund für diese Struktur ist ein Erbe aus DDR-Zeiten: Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) bewirtschafteten damals als staatlich festgelegtes Kollektiv sehr große Gebiete, insgesamt waren es bis zur Wiedervereinigung rund 4500 Betriebe. Nach der Wende entstanden daraus viele Großbetriebe, die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Fällen von landwirtschaftsfernen Investoren übernommen wurden.

In Bayern und Teilen Baden-Württembergs ist es genau umgekehrt: Hier sind kleinbäuerliche Betriebe in der Mehrheit, sie bewirtschaften jeweils weniger Fläche. Die Zahl der Betriebe, die Agrarzahlungen erhalten, ist deutlich höher als im Osten und Norden. Die jeweils ausgezahlte Summe ist dafür niedriger.

EU-Agrarförderung heißt auch Förderung benachteiligter Gebiete

Zur EU-Agrarförderung gehört nicht nur die Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe mit Direktzahlungen, sondern auch Strukturpolitik. Dazu ist vor allem der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) gedacht. Er wird sowohl aus EU-Mitteln wie auch aus nationalen Mitteln finanziert. Die Bundesländer legen jeweils eigene Programme auf, um auf die regionalen Herausforderungen reagieren zu können.

Landwirte können Zahlungen aus dem Fonds erhalten, wenn sie etwa steile Hanglagen bewirtschaften. Solche Lagen bringen zwar vergleichsweise wenig Erträge, dadurch wird aber ländlicher Lebensraum erhalten. Betriebe, die Zahlungen aus dem ELER-Topf erhalten, liegen oft in Randlagen, die schwieriger zu bewirtschaften sind. Zugleich sind es oft Gebiete, die touristisch interessant sind.

Aus dem ELER-Topf werden auch Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen und Förderung für Biobetriebe bezahlt. Betriebe, die Wald- und Forstwirtschaft betreiben, können ebenfalls ELER-Hilfen erhalten. Staatliche Stellen bekommen etwa für den Küsten- und Hochwasserschutz ELER-Förderung. Es werden aber auch Infrastrukturprojekte wie etwa der Breitbandausbau oder Dorferneuerungsprogramme finanziert. Bei der Förderung geht es auch darum, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern und die dortige Wirtschaft zu fördern.

Die ELER-Förderung ist in jenen Gebieten besonders ausgeprägt, die naturbedingte Herausforderungen (Küste, Berge, Nationalparks) haben oder sehr strukturschwach geprägt sind (Nordbayern).

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels war in der Grafik "Wo wird viel Landwirtschaft betrieben?" der Landkreis Vechta falsch markiert. Wir haben die Markierung korrigiert.

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