EU-Top-Ökonomen Muss Griechenland doch zurück zur Drachme?

Trotz Radikalsparprogramm schnellen Griechenlands Schulden in die Höhe. Der europäische Sachverständigenrat rechnet laut einem Zeitungsbericht mit schlimmen Folgen: Gläubiger könnten auf mehr als 30 Prozent ihrer Forderungen sitzen bleiben - selbst die Wiedereinführung der Drachme sei möglich.

Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen: Dräuende Staatspleite
dpa

Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen: Dräuende Staatspleite


München - Der europäische Sachverständigenrat EEAG befürchtet eine Pleite Griechenlands. Das hoch verschuldete Land könnte spätestens 2013 neue Rettungshilfen brauchen, warnt die Gruppe von Ökonomen um Ifo-Chef Hans-Werner Sinn in einem neuen Bericht, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitiert.

Der eingeschlagene Sparkurs in Griechenland reiche nicht aus, heißt es demnach. Die Krise des Landes werde noch immer unterschätzt. Griechenland werde nach Auslaufen des Rettungspakts wohl nicht in der Lage sein, sich über den Markt zu refinanzieren. Die griechische Regierung hatte bislang stets betont, sie werde "jeden Cent zurückzahlen" und spätestens 2014 damit beginnen, den Schuldenberg abzutragen.

Der Sachverständigenrat empfiehlt daher drastische Schritte. Wolle die EU ihr Rettungspaket nicht mit jahrelangen Transfers ausdehnen, blieben neben einem Schuldenmoratorium nur zwei Lösungen: Die Rückkehr des Landes zur alten Währung Drachme oder eine beispiellose Radikalkur, die auch niedrigere Löhne auf breiter Front einschließe.

Führende Banken gäben die Hoffnung auf eine volle Rückzahlung der Schulden bereits auf. Nach Einschätzung von Thomas Mirow, Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, ist eine Umschuldung Griechenlands unumgänglich.

"Es ist zu bezweifeln, dass Griechenland eine Schuldenquote von mehr als 150 Prozent dauerhaft tragen kann", sagte Mirow der Zeitung. "Die Märkte preisen eine Umschuldung schon seit längerem ein. Damit das Land seine Probleme überwinden kann, sollte die Quote auf 100 Prozent gesenkt werden." Demnach müssten Gläubiger auf mehr als 30 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Neue Angst um Portugal und Spanien

Nicht nur in Griechenland, auch in Portugal spitzt sich die Lage zu: Das Euro-Land muss im April Papiere im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro refinanzieren. Viele Marktbeobachter vermuten, dass die Zinsen für die Papiere so sehr in die Höhe schnellen, dass das Land unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen muss.

Die Regierung in Lissabon dagegen beteuert, die Staatsschulden am Kapitalmarkt refinanzieren zu wollen. Sein Land ziehe diesen Weg den anderen Möglichkeiten vor, sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei". "Portugal geht seine fiskalische Sanierung an. Wir haben eine andere Situation als Griechenland und Irland." Teixeira dos Santos war nach Japan gereist, um Investoren für portugiesische Staatsanleihen zu interessieren.

Auch aus Spanien kamen neue Hiobsbotschaften. Nach Angaben der Zentralbank in Madrid halten die spanischen Sparkassen Verbindlichkeiten in Höhe von 217 Milliarden Euro für Immobilienkredite - davon müssten bis zu 100 Milliarden als toxisch klassifiziert werden.

Immerhin hat sich Spanien am Geldmarkt neues Kapital beschafft. Das Land platzierte Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von drei und sechs Monaten. Wie das spanische Finanzministerium am Dienstag in Madrid mitteilte, belief sich das Volumen auf insgesamt 2,87 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Januar-Auktion sei die durchschnittliche Rendite für die dreimonatigen Papiere mit 1,1 Prozent etwas höher, die für die sechsmonatigen mit 1,588 Prozent etwas niedriger ausgefallen.

ssu/dpa-AFX/Reuters



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Thosaurus 22.02.2011
1.
War das nicht abzusehen und wurde von so ziemlich jedem Ökonom angekündigt? Bedauerlich, dass erst Milliarden im dreistelligen Bereich verbrannt werden mussten, bevor man sich zum Notwendigen durchringen kann.
max power, 22.02.2011
2. f
---Zitat--- die auch niedrigere Löhne auf breiter Front einschließe ---Zitatende--- so, und wie sollen niedrige löhne steuern in die kassen bringen? wäre griechenland schuldenfrei, wenn alle griechen einen monat umsonst arbeiten?
c++ 22.02.2011
3. .
Man muss jetzt mal rückblickend lesen, was anfangs über die Krise geschrieben wurde. Da war von bösen Spekulanten und Rating Agenturen die Rede, die dafür verantwortlich sind, wenn Griechenland am Kapitalmarkt keinen Kredit zu günstigen Konditionen erhält. Da wurde Merkel kritisiert, weil sie nicht ohne zu zögern jeden gewünschten Betrag transferieren wollte. Dabei war die Lage eigentlich klar: wenn man ständig mehr ausgibt als man einnimmt, kommt irgendwann der Punkt, an dem man keinen Kredit mehr bekommt. Gibt es eine Alternative für Griechenland, die Reallohnentwicklung der letzten 10 Jahre an deutsche Verhältnisse anzupassen, die Renten im Vergleich zu den Gehältern an deutsche Verhältnisse anzupassen? Eine gäbe es, nämlich die Einführung des Drachmen und Abwertung. Im Endeffekt bedeutet aber auch dies eine Senkung des Lebensstandards. Welche Alternative gibt es sonst noch?
endbenutzer 22.02.2011
4. Euro
Der Euro bröckelt...
winnetou16 22.02.2011
5. Unsere Regierung ist
Zitat von ThosaurusWar das nicht abzusehen und wurde von so ziemlich jedem Ökonom angekündigt? Bedauerlich, dass erst Milliarden im dreistelligen Bereich verbrannt werden mussten, bevor man sich zum Notwendigen durchringen kann.
doch viel schlauer als alle Ökonomen zusammen. Aber das holen die ja locker wieder rein durch weniger Netto vom Brutto.
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