Deal zwischen EU und Südamerika Das bringt die weltgrößte Freihandelszone

Befürworter nennen sie ein Fanal für den Freihandel, Kritiker eine Katastrophe für das Klima: Die EU und der Staatenbund Mercosur richten die weltgrößte Freihandelszone ein. Was bedeutet der Deal? Die wichtigsten Antworten.

Sojaernte in Brasilien (Archivbild)
REUTERS

Sojaernte in Brasilien (Archivbild)


Was verspricht sich die EU von dem Abkommen?

Wohlstand und Jobs. Über einen besseren Zugang zu den Märkten in den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sollen europäische Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten bekommen. Bislang müssen Importeure von EU-Waren zum Teil sehr hohe Zölle zahlen, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden. Auf Autos sind es beispielsweise 35 Prozent, auf Maschinen 14 bis 20 Prozent und auf Wein 27 Prozent. Die Zölle sollen nun schrittweise abgebaut werden. Am Ende könnten pro Jahr Abgaben in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingespart werden.

Warum ist der lateinamerikanische Markt so interessant?

In den vier Mercosur-Ländern leben mehr als 260 Millionen Menschen. Zusammen bilden sie die fünftgrößte Wirtschaftsregion der Welt mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von deutlich mehr als zwei Billionen Euro. Bereits 2017 exportierten EU-Unternehmen nach Angaben der deutschen Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) Waren im Wert von rund 45 Milliarden Euro in den Mercosur, vor allem Maschinen, Autos und Autoteile sowie chemische Produkte. Insgesamt könnten nach EU-Angaben 60.500 europäische Unternehmen von dem Deal profitieren.

Und was erhoffen sich die Mercosur-Länder?

Was für die EU gilt, gilt auch für die Mercosur-Länder: Sie erhoffen sich von dem Freihandelsabkommen ebenfalls neue Absatzmärkte für ihre Produkte. Die Schwergewichte Brasilien und Argentinien möchten vor allem Agrarprodukte wie Fleisch und Soja an die EU-Staaten verkaufen. Fallen die Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, könnten die argentinischen und brasilianischen Agrarunternehmen kräftig verdienen. Argentinien produziert nach eigenen Angaben Nahrungsmittel für rund 400 Millionen Menschen, obwohl das Land selbst nur 40 Millionen Einwohner hat.

Was bedeutet das Abkommen für die Umwelt?

Umweltverbände fürchten, dass neue Absatzmärkte für Fleisch- und Sojaexporte dazu führen, dass die Weide- und Anbauflächen erweitert werden und dafür der Amazonas-Regenwald weiter abgeholzt wird. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gilt als Freund der Agrarindustrie, Umweltschutz hingegen gehört nicht zu seinen Prioritäten. Das könnte weltweite Auswirkungen haben, da der Regenwald als CO2-Speicher eine große Bedeutung im globalen Kampf gegen die Klimaerwärmung hat.

Welche Folgen hat der Deal für Europas Landwirte?

Europäische Landwirte fürchten, dem Wettbewerb mit den Agrargroßmächten aus Südamerika nicht gewachsen zu sein. Im Gegensatz zu anderen Branchen gilt der Agrarsektor in der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig. Zum einen wird im Mercosur-Bund in deutlich größerem Maßstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Zudem gehen die Landwirte in der Region sehr großzügig mit Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik um, was viele Verbraucher in Europa kritisch sehen.

Was kommt auf Europas Verbraucher zu?

Verbraucherschützer warnen, dass Produkte nach Europa kommen könnten, die nicht den hohen EU-Standards entsprechen. Vor zwei Jahren erschütterte ein Gammelfleischskandal Brasilien. Mehrere Fleischverarbeiter hatten abgelaufenes Fleisch unter ihre Ware gemischt. Um trotzdem die notwendigen Zertifikate zu erhalten, waren Lebensmittelkontrolleure bestochen worden.

Was sagt die EU zur Kritik an dem Abkommen?

Die EU-Kommission beteuert, das Abkommen sichere bei Nahrungsmittelsicherheit und Verbraucherschutz die hohen EU-Standards. Zu den Sorgen der Umweltschützer sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: "Handelspolitik ist ein wichtiges Instrument der Klimapolitik geworden." Über das Abkommen verpflichte sich jeder Staat, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Dies solle dazu führen, dass Länder zum Beispiel die Abholzung des Amazonasgebiets stoppten.

ssu/dpa



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
Mehrleser 29.06.2019
1. Handel ist bilateral
Wenn wir uns wünschen, dass tolle Produkte aus Deutschland weltweit gekauft werden, dann müssen wir auch grundsätzlich bereit sein, ausländische Produkte im Gegenzug zu kaufen. Bei Lebensmittel entscheidet der Verbraucher. Dabei erwarte ich zuverlässige Herkunftsangaben auf den Produkten, an denen ich mich orientieren kann.
loesje 29.06.2019
2.
Könnte man zu diesem Thema mal Wissenschaftler zu Wort kommen lassen? Betroffene werden immer nur ihre Sicht auf die Dinge darstellen und das kann von der Realität sehr weit entfernt sein. Die EU wird sich doch wohl auch in Sachen Umwelt-/Klimaschutz in dem Abkommen abgesichert haben, damit eben nicht die Befürchtungen eintreffen. Kennt man schon den Vertragstext?
Susi64 29.06.2019
3. Deal??
ich hoffe doch sehr, dass es ein Vertrag mit allen notwendigen Unterschriften ist. Dealen tun Dealer und vorallem mit Drogen oder auch vor Gericht, wenn man normale Regeln umgehen will. Bzw. der Artikel ist schlicht woanders abgeschrieben. Wem der Vertrag, was bringen wird, wird sich zeigen. Aber die Erfahrung zeigt, dass Freihandelsabkommen mit unterschiedlich starken Wirtschaften ein großes Risiko für den schwächeren Partner mit sich bringen. Ob das letzlich gut für Europa (Landwirtschaft) ist wird sich auch erst noch zeigen. Die Umwelt ist mit Sicherheit ein Verlierer, weil Lebensmittel die tausende von Kilometern transportiert werden nicht ökologisch sein können.
maxi_stulz 29.06.2019
4. Diese Angaben gibt es bei den jetzigen Produkten schon kaum
Zitat von MehrleserWenn wir uns wünschen, dass tolle Produkte aus Deutschland weltweit gekauft werden, dann müssen wir auch grundsätzlich bereit sein, ausländische Produkte im Gegenzug zu kaufen. Bei Lebensmittel entscheidet der Verbraucher. Dabei erwarte ich zuverlässige Herkunftsangaben auf den Produkten, an denen ich mich orientieren kann.
Es wäre naiv zu glauben, daß das mit diesem Deal besser wird. Zusatzstoffe werden kaschiert, man kann nicht erkennen wo die Zutaten herkommen geschweige denn wie sie produziert wurden. Bei diesem Abkommen geht es um Geld, nicht um Verbraucher- oder gar Bürgerrechte. Geboren aus der Not wegen Trumps Kaskapaden stürzt man sich in ein Abkommen das noch zu viel Zank führen wird. Die Freihandelsjünger können immer nur kurzfristig denken und verstehen tiefergehende Zusammenhänge nicht einmal im Ansatz.
dhrb 29.06.2019
5. Der Verbraucher hat es in der Hand
Jeder kann ja die Agrarprodukte kaufen, die er sinnvoll findet. Ich kaufe Bio aus Europa, vorrangig aus D und Österreich.
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