EU-Vergleich
Deutsche Löhne steigen am langsamsten
In keinem anderen Land der EU sind die Verdienste so langsam gestiegen wie in Deutschland. Seit 2000 wuchsen die Bruttolöhne laut Statistischem Bundesamt gerade mal um 21,8 Prozent. Gewerkschafter sehen den Grund in der Zunahme von Leiharbeit.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: Arbeitnehmer sollen vom Aufschwung profitieren
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Wiesbaden - Schlusslicht Bundesrepublik: Im vergangenen Jahrzehnt sind die Löhne und Gehälter in Deutschland weitaus langsamer gestiegen als im Rest Europas - gerade mal um 21,8 Prozent legten die Bruttoverdienste zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Die Ursachen liegen laut Gewerkschaftern vor allem "in der skandalösen Ausweitung eines Niedriglohnsektors durch prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit". IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Bundesregierung müsse nun alles tun, diese Entwicklung zu beenden: Auch für Leiharbeiter müsse das Prinzip "gleicher Lohn, gleiche Arbeit" gelten.
Im Durchschnitt stiegen die Löhne und Gehälter in der EU seit 2000 um 35,5 Prozent, in der Euro-Zone waren es 29,5 Prozent. Die kräftigsten Zuwächse gab es im vergleichsweise armen Rumänien mit einem Anstieg um 559,3 Prozent. Neben den Arbeitnehmern in Deutschland bekamen auch Portugiesen, Franzosen und Österreicher nur ein unterdurchschnittliches Lohnplus. Für den Lohnvergleich wertete das Statistische Bundesamt die Angaben aller EU-Länder mit Ausnahme von Belgien, Finnland und Irland aus. Für diese drei Länder lagen die entsprechenden Zahlen nicht vor.
Die Zahlen dürften den Streit über steigende Löhne nun anheizen: Gewerkschafter wie auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fordern rasche Erhöhungen. Arbeitgeberverbände warnen davor, dass die Wirtschaft trotz des Aufschwungs noch nicht wieder die Wirtschaftskraft von 2008 erreicht habe.
Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat sich nun jedoch für spürbare Lohnerhöhungen ausgesprochen. "Drei Prozent Lohnzuwachs ist eine vernünftige Marke", sagte Bofinger der "Rheinischen Post". Steigende Verdienste könnten den privaten Konsum steigern: "Wir müssen schauen, wie wir nicht nur im Export, sondern auch im Inland wieder erfolgreicher sein können", sagte Bofinger. Höhere Lohnabschlüsse könnten "ein Teil der Lösung" sein.