EU-Vergleich Deutsche schieben die meisten Überstunden

Die EU-Kommission bescheinigt Deutschen einen Hang zur Mehrarbeit: Beschäftigte hierzulande schuften pro Woche fast drei Stunden mehr als tariflich vereinbart. Im europäischen Fleißvergleich belegt Deutschland dennoch nicht die Spitzenposition.

EU-Kommissar Laszlo Andor: Vorbildliche Entwicklung?
REUTERS

EU-Kommissar Laszlo Andor: Vorbildliche Entwicklung?


Berlin - Oft sind es zähe Verhandlungen, bis sich Arbeitgeber und Gewerkschafter in Tarifverträgen auf Wochenarbeitszeiten geeinigt haben. Doch in der Realität nehmen es die Beschäftigten mit den mühsam ausgehandelten Stundenzahlen nicht so genau. Nach Angaben der Brüsseler EU-Kommission arbeiten die Deutschen deutlich länger als in Tarifverträgen vereinbart.

"In keinem Land der Euro-Zone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland", sagte der EU-Sozialkommissar Laszlo Andor der "Welt". Die tarifvertraglich festgelegte Wochenarbeitszeit liege in Deutschland bei 37,7 Stunden, tatsächlich arbeiteten die Beschäftigten aber 40,4 Stunden.

"Man kann darüber unterschiedlicher Meinung sein, ob eine solche Entwicklung vorbildlich ist", sagte Andor. Im Schnitt arbeiteten die Deutschen immer noch weniger als viele Arbeitnehmer im europäischen Ausland.

Jedes Land habe bei der Arbeitszeit seine Eigenheiten. "Wichtig ist am Ende, dass jedes Land wettbewerbsfähig ist", sagte der Kommissar. "Wir wollen bei Arbeitszeiten, Urlaub und Rentenalter keine Gleichmacherei in Europa", sagte er. Dies könne nicht der Zweck der geplanten engeren wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit zwischen den europäischen Volkswirtschaften sein.

mmq/dpa/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.