SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

09. Juli 2013, 18:24 Uhr

Aufnahme ins Währungsgebiet

Ab 2014 zahlt Lettland mit dem Euro

Lettland trotzt der Euro-Krise: Ab 2014 wird in dem baltischen Land mit der europäischen Gemeinschaftswährung bezahlt. Der Kleinstaat gilt als wirtschaftlicher Musterknabe, doch die Grünen fürchten ein neues Steuerparadies in der Euro-Zone.

Brüssel - Lettland tritt zum 1. Januar 2014 als das 18. Land der Euro-Zone bei. Die EU-Wirtschafts- und Finanzminister gaben in Brüssel grünes Licht für die Aufnahme des Baltenstaates in die Währungsunion.

Lettlands Ministerpräsident Valdis Dombrovskis sprach von einem guten Tag für Lettland und Europa. Anfang Juni hatte die EU-Kommission bereits die Empfehlung zur Aufnahme des rund zwei Millionen Einwohner zählenden Ostseestaats zum 1. Januar 2014 gegeben. Die endgültige Entscheidung lag bei den Finanzministern. Ihre Zustimmung war erwartet worden.

Lettland steckte zwar in den Jahren 2008 und 2009 noch in einer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise, leitete dann aber umfassende Reformen und ein hartes Sparprogramm ein. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz bezeichnete Lettland als ein Vorbild an Mut für andere Krisenländer in der Euro-Zone. In den beiden vergangenen Jahren verzeichnete das Land einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um jeweils mehr als fünf Prozent.

Fast zwei Drittel der Letten sind gegen den Euro

In keinem anderen EU-Land wachse die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt ähnlich rasant wie in Lettland, betonte Finanzminister Andris Vilks. "Wir haben Vertrauen in Europa und in den Euro", fügte er hinzu. Die Gemeinschaftswährung sei ein wichtiger Anker für die Wirtschaft kleinerer Staaten.

Die lettische Bevölkerung ist bislang skeptischer. In einer Umfrage hatten sich Mitte Mai 62 Prozent der Bürger gegen den Euro ausgesprochen. Der deutsche Bankenverband zeigte sich erfreut über den Beitritt Lettlands. "Die Währungsunion als Ganzes profitiert von neuen Mitgliedern wie Lettland, die Stabilitätsbewusstsein nachgewiesen haben: vor allem dann, wenn die dortigen Reformerfolge als Mut machendes Beispiel und Ansporn für andere Länder dienen", erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Bedenken äußerten die Grünen. Die Europaabgeordneten Sven Giegold und Jean-Paul Besset warnten davor, dass Lettland eine Steueroase werden könne. "Lettland könnte jetzt angesichts des ruinierten Images Zyperns als Finanzplatz in diese Fußstapfen treten und damit gefährlich für die anderen Sozialstaaten der Euro-Zone werden", schrieben die Grünen-Politiker in einem Gastbeitrag für die " Frankfurter Rundschau". Die Steuergesetzgebung und die Unternehmenssteuersätze seien so konzipiert, dass die Bemessungsgrundlage in anderen europäischen Ländern unterwandert werde.

ade/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung