Schwindende Aufträge Euro-Krise bremst Deutschlands Wirtschaft

Die Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein.

Container-Frachter im Hamburger Hafen: Deutsche Konjunktur belastet
dapd

Container-Frachter im Hamburger Hafen: Deutsche Konjunktur belastet


Hamburg - Die Krise in Griechenland spitzt sich zu, doch die Krisenmanager der Euro-Zone wirken hilflos. Vor allem Kanzlerin Angela Merkel und ihr französischer Kollege François Hollande sind auf Konfrontationskurs. Derzeit streiten sie über das Für und Wider gemeinsamer Anleihen, sogenannter Euro-Bonds.

Europa wirkt blockiert - und das wirkt sich nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts nun auch auf die Wirtschaft aus: Die jüngsten Wahlen in Griechenland und Frankreich hätten das Bild verändert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe am Donnerstag. Bisher hatten sich die Firmen in gewissem Maß an die Krise gewöhnt. Nun schlagen die Unsicherheiten wieder voll durch: Das Ifo-Geschäftsklima stürzte im Mai um drei auf 106,9 Punkte ab.

Die 7000 vom Ifo-Institut befragten Firmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Zukunft deutlich schlechter als in den vergangenen Monaten, erläuterte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Wohlrabe sagte, die politische Lage in Frankreich und Griechenland verunsichere vor allem die großen, im Euro-Raum stark verflochtenen Konzerne. "Sie vermuten, dass es sie jetzt betrifft."

Am Donnerstag gab es ein neues Alarmzeichen. Die anderen Mitglieder der Euro-Zone rüsten sich offenbar für den Ernstfall: Experten der 17 Euro-Staaten entwerfen Notfallpläne für den Fall eines Euro-Austritts Griechenlands. Das bestätigte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker.

Griechische Steuereinnahmen brechen ein

"Ich habe die Mitgliedsregierungen der Euro-Zone nicht beauftragt, nationale Notfallpläne auszuarbeiten", sagte Juncker am Donnerstagmorgen nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel. "Aber selbstverständlich ist es so, dass wir uns auf alle Szenarien einstellen müssen, weil wir sonst unserer Aufgabe nicht gerecht würden." Politischer Wille sei allerdings, dass Griechenland Euro-Mitglied bleibe.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters überweisen die Griechen ihrem klammen Staat zudem immer weniger Geld. "Die Leute stellen Zahlungen ein, weil uns Wahlen bevorstehen und auch wegen der Unsicherheit durch einen möglichen Euro-Austritt", sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Finanzministeriums. Der griechische Fiskus dürfte in diesem Monat rund zehn Prozent geringere Einnahmen verbuchen, berichtet die Agentur. In abgelegenen Finanzämtern seien die Einnahmen im Mai sogar um 15 bis 30 Prozent zurückgegangen.

Das alles drückt auf die Stimmung. Die deutsche Industrie schrumpfte einer Umfrage zufolge im Mai so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,2 auf 45,0 Punkte, teilte das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Das ist der tiefste Stand seit Juni 2009. Das Barometer entfernte sich damit weiter von der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Deutschlands Wirtschaft wächst im ersten Quartal

Trotz aller Verunsicherung: Noch steigen in Deutschland die Exporte. Der starke Außenhandel bescherte Deutschlands Wirtschaft zum Jahresanfang ein deutliches Plus. Gegenüber dem Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP)um 0,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Im Vergleich zum ersten Quartal 2011 legte die Wirtschaftsleistung um 1,7 Prozent zu.

Deutschlands Firmen profitieren derzeit davon, dass der Euro deutlich an Wert verlor. Die Gemeinschaftswährung lag am Donnerstagvormittag deutlich unter der Marke von 1,26 Dollar. Am Vortag war er zeitweise auf den tiefsten Stand sei 22 Monaten gefallen. Das macht Exporte nach Übersee billiger.

"Gut läuft außerdem die Unterhaltungselektronik", sagte Wohlrabe. Hier wirke sich bereits die Fußball-Europameisterschaft positiv aus, die im Juni in Polen und der Ukraine ausgetragen wird. Viele Konsumenten gönnen sich vor Großereignissen wie der EM eher einen neuen Fernseher.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
restauradores 24.05.2012
1. Spiegel im Spiegel!
Zitat von sysopdapdDie Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834955,00.html
Artikel im heutigen Spiegel-Online: Exporte beflügeln deutsche Wirtschaft Deutschlands Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich gewachsen. Hauptgrund ist ein Anstieg der Exporte. Doch die Aussichten sind düster: Die Industrie ist im Mai so stark geschrumpft wie seit fast drei Jahren nicht mehr, auch der Ifo-Geschäftsklimaindex ist gesunken. __________________________________________________ Artikel im heutigen Spiegel-Online (ein paar Stunden später): Euro-Krise bremst Deutschlands Wirtschaft Die Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein. Mann, dramatischer kann die Situation gar nicht sein. Innerhalb von ein paar Stunden wird aus "beflügelt" "eingebremst"! Um 16 Uhr meldet ihr dann wohl eine Inflation von 15% ;-) Macht bitte mal eine gründliche Reinigung in eurer Redaktion. Ihr seht bestimmt im Spiegel immer 2 Gesichter! Frau Merkel kann helfen!
tomrobert 24.05.2012
2. Wenn Griechenland ausscheidet
wird das Ende der Regierung Merkel nahen. Die permanente Verweigerung einer antizyklischen Wirtschaftspolitik treibt die Wirtschaft in Europa letztlich in eine Rezession. Dazu gehört auch die Einführung von Eurobonds.
arch.aisch 24.05.2012
3. Arch.aisch
Wenn es denn schon keine Krise gibt, dann wollen wir sie doch mindestens herbeireden. Seit Monaten fällt der schreibenden Zunft nichts anderes ein, als alle zwei Tage den Weltuntergang – oder doch zumindest den Euro-Untergang – zu beschwören. Das Schöne ist dann, dass man früher oder später sagen kann, man habe das alles ja frühzeitig erkannt. So ein unqualifiziertes Gequatsche; genauso qualifiziert analytisch im Übrigen, wie die Börsianer, die jeden Morgen den feuchten Finger in den Wind heben, um dann mit fachmännischer Einschätzung ihre elektronischen Lottoscheine einer elektronischen Börse anzuvertrauen. Einziger Vorteil: die wirklichen Nachrichten sind so rar geworden, dass man sie trotz täglicher Informationsüberfrachtung an den Händen abzählen kann.
nixkapital 24.05.2012
4. na ja...
Zitat von sysopdapdDie Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834955,00.html
""Gut läuft außerdem die Unterhaltungselektronik", sagte Wohlrabe. Hier wirke sich bereits die Fußball-Europameisterschaft positiv aus, die im Juni in Polen und der Ukraine ausgetragen wird. Viele Konsumenten gönnen sich vor Großereignissen wie der EM eher einen neuen Fernseher." das letzte Aufbäumen....
Izmi 24.05.2012
5. Halbigt
Zitat von restauradoresArtikel im heutigen Spiegel-Online: Exporte beflügeln deutsche Wirtschaft Deutschlands Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich gewachsen. Hauptgrund ist ein Anstieg der Exporte. Doch die Aussichten sind düster: Die Industrie ist im Mai so stark geschrumpft wie seit fast drei Jahren nicht mehr, auch der Ifo-Geschäftsklimaindex ist gesunken. __________________________________________________ Artikel im heutigen Spiegel-Online (ein paar Stunden später): Euro-Krise bremst Deutschlands Wirtschaft Die Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein. Mann, dramatischer kann die Situation gar nicht sein. Innerhalb von ein paar Stunden wird aus "beflügelt" "eingebremst"! Um 16 Uhr meldet ihr dann wohl eine Inflation von 15% ;-) Macht bitte mal eine gründliche Reinigung in eurer Redaktion. Ihr seht bestimmt im Spiegel immer 2 Gesichter! Frau Merkel kann helfen!
Was wollen Sie? Das ist eine ausgewogene Berichterstattung! Bisher haben die Medien doch immer verdummt. Jetzt wird man geradezu gezwungen, sich mit der Materie intensiver auseinander zu setzen. ;)
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