Euro-Krise Bundesbank-Chef droht mit Blockade des Rettungsplans

Deutschlands oberster Währungshüter macht ernst: Bundesbank-Präsident Weidmann droht damit, die Euro-Rettungspläne zu torpedieren. Einer Aufstockung der IWF-Feuerkraft will er nur zustimmen, wenn sich auch Länder außerhalb der Währungsgemeinschaft daran beteiligen.

Bundesbank-Chef Weidmann: "Nähe zur Staatsfinanzierung problematisch"
dapd

Bundesbank-Chef Weidmann: "Nähe zur Staatsfinanzierung problematisch"


Frankfurt am Main - Der Bundesbank-Chef verschärft den Druck auf die Euro-Retter: Jens Weidmann hat damit gedroht, die Strategie zu blockieren, über den Internationalen Währungsfonds (IWF) kriselnde Euro-Staaten zu finanzieren. "Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, dann können wir dieser Kreditlinie auch nicht zustimmen", sagte Weidmann in Frankfurt.

Der Hintergrund: Beim EU-Gipfel in Brüssel vergangene Woche hatten die Regierungschefs beschlossen, die IWF-Gelder um bis zu 200 Milliarden Euro aufzustocken. Damit soll der Schutzschirm für die Euro-Zone gestärkt werden.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Bundesbank ihren Unmut über die IWF-Pläne geäußert: In einem Brief an Finanzminister Wolfgang Schäuble stellten Weidmann und Vorstandsmitglied Andreas Dombret Bedingungen. Bedingung für die Zustimmung sei, dass sich auch Länder außerhalb der Euro-Zone an der Aufstockung beteiligten. Außerdem fordert die Bundesbank, dass der Bundestag die Darlehen genehmigt.

Weidmann sagte nun, die Bundesbank sei zwar grundsätzlich bereit, bis zu 45 Milliarden Euro an den IWF zu überweisen. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass die Lasten unter den Mitgliedern fair aufgeteilt werden: "Wenn zum Beispiel die USA oder andere wichtige Geber sagen, sie machen nicht mit, dann ist aus unserer Sicht die Nähe zur Staatsfinanzierung problematisch."

"Die Entscheidung ist gefallen"

Auch den Vorstoß, den Bundestag einzuschalten, verteidigte Weidmann. Die Parlamentarier müssten wissen, dass weitere Kreditlinien der Bundesbank für den IWF auch Risiken hätten, für die im schlimmsten Fall der Steuerzahler geradestehen müsse, sagte er. Union und FDP lehnen eine Abstimmung im Parlament ab.

Weidmann machte deutlich, ihm gehe es nicht um einen Bundestagsbeschluss als eine Art Genehmigung: "Die Entscheidung (für eine eventuelle bilaterale Kreditlinie) ist gefallen und muss also nicht mehr genehmigt werden."

Seiner Meinung nach kann sich Bundesbank bei der Aufstockung der IWF-Mittel nicht auf ihre Unabhängigkeit zurückziehen. Vielmehr seien die Notenbanker sogar gefordert, einvernehmlich mit der Bundesregierung und der deutschen Politik deutsche Interessen wahrzunehmen, sagte Weidmann, der Deutschland im IWF-Gouverneursrat vertritt.

cte/Reuters/dpa



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ralf_gabriel 14.12.2011
1. x
Zitat von sysopDeutschlands oberster Währungshüter macht Ernst: Bundesbank-Präsident Weidmann droht damit, die Euro-Rettungspläne zu torpedieren. Einer Aufstockung der IWF-Feuerkraft will er nur zustimmen, wenn sich auch Länder außerhalb der Währungsgemeinschaft daran beteiligen. Euro-Krise: Bundesbank-Chef droht mitBlockade des Rettungsplans - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803708,00.html)
Ich kann das nicht mehr mit ansehen. Die Banken tanzen unseren Politikern auf der Nase rum. Amerika und Großbritannien drucken Geld wenn es sein muß. Nicht wie die Reichsbank in D zur Zeit des Krieges oder der allseits herbeigeredeten großen Superinflation, sondern so, daß die Währung ihren Zweck erfüllt. China kontrolliert die Währung auch nach eigenem Gusto. Nur Deutschland (und damit leider auch dcer Rest der EU, weil die Deutschen sich als Obermacker aufspielen) lässt sich von der EZB und ein paar Privatbanken an der Nase herumführen. Wenn wenigstens noch was gutes dabei herauskommen würde, aber das tut es ja nicht. Die wirtschaften Europa in Grund und Boden, nur weil sie an die heilige Geldwertstabilität glauben und alles über 2% Inflation für eine Hyperinflation halten. Was Wirtschaft, Staaten und der Kontinent machen, ist denen egal. Die gucken nicht links und nicht rechts. Sind unsere Eliten so bescheuert oder haben die echt was davon?
Wigers7 14.12.2011
2. Round 54!
Und die nächste Runde ist eröffnet. Scheint, dass "die Märkte" wohl ein wöchentlich stattfindendes Meeting der EU-Chefs fordern.
Baikal 14.12.2011
3. Sicher,
Zitat von ralf_gabrielIch kann das nicht mehr mit ansehen. Die Banken tanzen unseren Politikern auf der Nase rum. Amerika und Großbritannien drucken Geld wenn es sein muß. Nicht wie die Reichsbank in D zur Zeit des Krieges oder der allseits herbeigeredeten großen Superinflation, sondern so, daß die Währung ihren Zweck erfüllt. China kontrolliert die Währung auch nach eigenem Gusto. Nur Deutschland (und damit leider auch dcer Rest der EU, weil die Deutschen sich als Obermacker aufspielen) lässt sich von der EZB und ein paar Privatbanken an der Nase herumführen. Wenn wenigstens noch was gutes dabei herauskommen würde, aber das tut es ja nicht. Die wirtschaften Europa in Grund und Boden, nur weil sie an die heilige Geldwertstabilität glauben und alles über 2% Inflation für eine Hyperinflation halten. Was Wirtschaft, Staaten und der Kontinent machen, ist denen egal. Die gucken nicht links und nicht rechts. Sind unsere Eliten so bescheuert oder haben die echt was davon?
.. haben die etwas davon: ihr Eigentum und vor allem die politische Macht - so können sie den Euro heiligsprechen und für dessen versuchte Rettung die staatlichen Ausgaben nach ihren Ansichten zurechtschneiden und über die Verteilung des Volkseinkommens ihre ökonomische Macht sichern.
Roßtäuscher 14.12.2011
4. Wenigstens auf einen ist Verlass, Bundesbank-Präsident Weidmann
Zitat von sysopDeutschlands oberster Währungshüter macht Ernst: Bundesbank-Präsident Weidmann droht damit, die Euro-Rettungspläne zu torpedieren. Einer Aufstockung der IWF-Feuerkraft will er nur zustimmen, wenn sich auch Länder außerhalb der Währungsgemeinschaft daran beteiligen. Euro-Krise: Bundesbank-Chef droht mitBlockade des Rettungsplans - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803708,00.html)
Leider war der Brüsseler Gipfel einmal mehr der Auftritt eines aufgescheuchten Hühnerhaufens, wie immer. Alles besteht aus Halbherzigkeit. Und 69% sind mit Merkels Auftritt zufrieden, ohne die Konsequenzen zu bedenken.
Der Pragmatist 14.12.2011
5. Ignorante Foristen
Zitat von ralf_gabrielIch kann das nicht mehr mit ansehen. Die Banken tanzen unseren Politikern auf der Nase rum. Amerika und Großbritannien drucken Geld wenn es sein muß. Nicht wie die Reichsbank in D zur Zeit des Krieges oder der allseits herbeigeredeten großen Superinflation, sondern so, daß die Währung ihren Zweck erfüllt. China kontrolliert die Währung auch nach eigenem Gusto. Nur Deutschland (und damit leider auch dcer Rest der EU, weil die Deutschen sich als Obermacker aufspielen) lässt sich von der EZB und ein paar Privatbanken an der Nase herumführen. Wenn wenigstens noch was gutes dabei herauskommen würde, aber das tut es ja nicht. Die wirtschaften Europa in Grund und Boden, nur weil sie an die heilige Geldwertstabilität glauben und alles über 2% Inflation für eine Hyperinflation halten. Was Wirtschaft, Staaten und der Kontinent machen, ist denen egal. Die gucken nicht links und nicht rechts. Sind unsere Eliten so bescheuert oder haben die echt was davon?
Das haben die Politiker selbst Schuld, denn sie haben den Buergern diese Krise durch unverantwortliche Finanzpolitik aufgezwungen. Jetzt, wo es kaum noch einen Ausweg aus der Krise gibt, will man wieder den Banken die Schuld geben nach dem Motto: Wir brauchen einen Suendenbock, den wir fuer die Krise verantwortlich machen muessen und damit von unseren Fehlern ablenken koennen.. Sind die Foristen wirklich so ignorant, dass sie diesen Unsinn einfach schlucken? Pragmatist
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