Euro-Krise Bundesbank hält Stopp der Griechen-Hilfe für verkraftbar

Der neue Bundesbankchef schärft sein Profil als Spar-Falke: In einem Gastbeitrag für die "SZ" betont Jens Weidmann, dass die EU Schuldenstaaten wie Griechenland nur so lange retten sollte, wie diese ihren Haushaltsplan einhalten. Zur Not würde der Euro einen Stopp der Hilfe überstehen. 

Bundesbankchef Weidmann: "Euro würde Belastungsprobe überstehen"
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Bundesbankchef Weidmann: "Euro würde Belastungsprobe überstehen"


Hamburg - Jens Weidmann ist erst einige Wochen im Amt - doch er vollzieht den Rollenwechsel vom Top-Berater im Bundeskanzleramt zum Chef der Bundesbank mit aller Konsequenz. In einem Gastbeitrag für die "Suddeutsche Zeitung" profiliert er sich als Spar-Falke, der die Fundamente der Währungsunion knallhart verteidigt - und dafür notfalls auch eine Staatspleite in der Euro-Zone in Kauf nimmt.

"Solidarität ist keine Einbahnstraße", schreibt Weidmann in der "SZ" mit Blick auf die Milliardenhilfe, die Europäische Zentralbank (EZB), EU-Länder und Internationaler Währungsfonds (IWF) hochverschuldeten Staaten wie Griechenland, Irland und Portugal gewährt haben. Die Länder hatten sich im Gegenzug zu einem harten Sparkurs und zum Umbau maroder Wirtschaftssektoren verpflichtet.

"Würde sich ein Land entscheiden, die mit den Hilfen verbundenen Verpflichtungen nicht zu erfüllen, so entfiele die Basis für Hilfen", schreibt Weidmann. Man kann das als Warnung an Griechenland begreifen. Denn laut einem Bericht von EZB, IWF und EU-Kommission kommt die Athener Regierung mit ihren Sparmaßnahmen langsamer voran als erhofft.

Würden die Hilfen für Griechenland eingestellt, wäre der Staat faktisch pleite: Er könnte sich die hohen Zinsen, die er an den Finanzmärkten für seine Schulden zahlen müsste, nicht leisten. Die deutsche Bundesregierung und andere EU-Länder fürchten dieses Szenario. Denn nach Ansicht vieler Ökonomen würde die Pleite eines Euro-Staats zu weltweiten Verwerfungen an den Finanzmärkten führen, die die Folgen des Lehman-Brothers-Crashs noch übertreffen könnten. Der Zusammenbruch der US-Bank hatte 2008 die weltweite Finanzkrise ausgelöst.

"Der Euro würde auch diese Belastungsprobe überstehen"

Weidmann dagegen deutet in seinem Gastbeitrag an, dass er eine Staatspleite für den Euro für verkraftbar hält. "Der Euro würde auch diese, keinesfalls wünschenswerte Belastungsprobe überstehen", schreibt der Bundesbankchef über das Szenario, dass Griechenland keine weiteren Hilfen erhalten sollte. Die Folgen einer Staatspleite wären allerdings weitreichend, räumt Weidmann ein. Die anderen Mitgliedstaaten würden "erhebliche Unsicherheit, Risiken und zusätzlichen Stabilisierungskosten zu tragen haben".

Ernsthaft diskutiert wird dieses Extremszenario derzeit nicht. Im Gegenteil: Aktuell versuchen EU-Kommission, EZB und IWF, ein zweites Rettungspaket für die notleidende griechische Regierung zu schnüren. Umfang: noch einmal 80 bis 120 Milliarden Euro. Bereits im vergangenen Jahr war den Griechen unter strengen Sparauflagen ein 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket zu gesagt worden.

Diskutiert wird auch die Beteiligung privater Gläubiger an der griechischen Schuldenkrise. Im Gespräch ist vor allem das Modell eines sogenannten Rollover. Dabei tauschen die privaten Gläubiger ihre bestehenden Forderungen gegen neue Schuldtitel mit längerer Laufzeit.

Freiwillige Beteiligung von privaten Gläubigern immer wahrscheinlicher

Weidmann zufolge gibt es nur eine Möglichkeit, diesen Plan zu realisieren: Gläubiger müssen den Griechen freiwillig die Kredite stunden. "Bei einer den Gläubigern aufgezwungenen Laufzeitverlängerung sind die Risiken wesentlich größer als die Chancen", schreibt Weidmann in der "SZ". "So würde wohl ein Kreditereignis ausgelöst, was mit erheblichen Risiken für die Finanzmarktstabilität verbunden wäre."

Im Klartext: Kreditausfallversicherungen könnten fällig werden. Banken würden zusätzlich belastet, und die griechische Schuldenkrise würde sich nur noch verschlimmern.

Eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger indes wird immer wahrscheinlicher. Die deutsche Forderung, wonach auch Banken, Versicherungen und Pensionsfonds einen Teil des zweiten Rettungspakets tragen sollten, werde zwar nicht von allen EU-Staaten geteilt, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in einem Interview der "SZ". "Wir sind aber nicht so weit von einer gemeinsamen Lösung entfernt, wie manche glauben."

ssu

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Seite 1
Schah.Wenzel 14.06.2011
1. [{-_-}] ZZZzz zz z...
Zitat von sysopDer neue Bundesbankchef schärft sein Profil als Spar-Falke: In einem Gastbeitrag für die "SZ" betont Jens Weidmann, dass die EU Schuldenstaaten wie Griechenland nur solange retten sollte, wie diese ihren Haushaltsplan einhalten. Zur Not würde der Euro einen Stopp der Hilfe überstehen.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768287,00.html
Könnte man nicht vielleicht einfach schreiben, der neue Bundesbankchef beweist Grips, Menschen- und Sachverstand? Wäre das nicht viel richtiger als schärfen & Spar-Falke?
conny2, 14.06.2011
2. Lieber ein Ende mit Schrecken...
Zitat von sysopDer neue Bundesbankchef schärft sein Profil als Spar-Falke: In einem Gastbeitrag für die "SZ" betont Jens Weidmann, dass die EU Schuldenstaaten wie Griechenland nur solange retten sollte, wie diese ihren Haushaltsplan einhalten. Zur Not würde der Euro einen Stopp der Hilfe überstehen.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768287,00.html
Ich frage mich, wie lange die Griechen selbst diesen Affenzirkus noch mitmachen. Pleite sind sie doch so und so; d.h. die Gläubiger gucken eh in die Röhre. Mit einer Umschuldung wird das bittere Ende nur hinausgezögert. Zumindest politisch wären die Griechen m.E. besser dran, wenn sie aus eigenem Entschluss aus der Euro-Zone austreten und drastisch abwerten würden.
Litajao 14.06.2011
3. Was soll man dazu sagen?
Der Euro war von Anfang an auf Wortbruch, Lügen und Betrug aufgebaut und der Bundesbank-Chef sagt ja nur, was vielen schon lange klar ist, (auch Schäuble, wenn er es auch nicht zugeben will/kann.) Offensichtlich sollen wir auf weitere Zahlungen usw. eingestimmt werden. Aber mit dem Stop der Griechenlandhilfe und der Pleite Griechenlands fängt ja das Trauerspiel erst richtig an, denn was passiert dann? Alle hoffen das Beste, erwarten aber das Schlechteste und auch der größte Optimist kann zu einem Pessimisten werden. Schlimm ist, dass auch die größten "Volkswirte" und Rechner nicht wissen, wie wir den Karren aus dem Dreck bekommen. Ist es tatsächlich so, dass wir nur zwischen Cholera und Pest wählen können?
wolffm 14.06.2011
4. Bravo
Klasse, und jetzt bitte durchsetzen!
Eccomania, 14.06.2011
5. Noch mehr Milliarden für Streiks und Demos
Auch die derzeitigen Milliarden aus dem Hilfsfond zerfliessen indirekt in Griechenland in den Streiks und Demonstrationen. Die Griechen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, ansonsten stellen sie die Geldgeber als die Deppen und Schuldigen für ihre nationale Notsituation hin. Selbst der dümmste Bundesbürger hat mittlerweile begriffen, dass Griechenland ein Fass ohne Boden ist und ein nicht unerheblicher Teil der griechischen Bevölkerung unter den jetzigen Bedienungen überhaupt nicht wirklich umdenken will.
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