Ankauf von Euro-Anleihen Notenbank plant Kampfansage an Zinsspekulanten

Die Zinsen für Krisenstaaten wie Spanien wachsen ins Unerträgliche - diese Entwicklung könnte die EZB nach SPIEGEL-Informationen bald mit einem neuen Instrument stoppen. Sie erwägt, Zinsziele für alle Euro-Länder festzulegen und immer dann zu intervenieren, wenn diese überschritten werden.
EZB-Chef Draghi: Mehr Transparenz bei Anleihekäufen

EZB-Chef Draghi: Mehr Transparenz bei Anleihekäufen

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Hamburg/Berlin/Madrid - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt, bei ihren künftigen Anleihekäufen Zinsschwellen für jedes Land festzulegen. Demnach würde sie Staatspapiere von Krisenländern immer dann kaufen, wenn deren Zinsen einen bestimmten Aufschlag auf die Renditen deutscher Bundesanleihen überschreiten. So bekämen Anleger ein Signal, welches Zinsniveau die EZB für angemessen hält.

Weil die Zentralbank über unbegrenzte Mittel verfügt - sie kann sich das Geld letztlich selbst drucken - würde es auch Spekulanten nicht mehr gelingen, die Renditen über den angepeilten Satz hinaus zu treiben. Damit will die EZB nicht nur die Finanzierungskosten angeschlagener Länder im Zaum halten, sondern auch erreichen, dass das generelle Zinsniveau in der Euro-Zone nicht allzu sehr auseinanderdriftet.

Bei seiner nächsten Sitzung Anfang September wird der EZB-Rat darüber entscheiden, ob das Zinsziel tatsächlich installiert wird. Fest steht schon jetzt, dass die EZB bei ihren Anleihekäufen künftig mehr Transparenz üben wird. In Zukunft wird sie für jedes Land bekanntgeben, in welchem Volumen sie dessen Anleihen vom Markt genommen hat. Diese Angaben sollen unmittelbar nach den Ankäufen veröffentlicht werden. Bislang hatte die EZB stets nur montags bekanntgemacht, wie viel Geld sie für Ankäufe in der Vorwoche insgesamt ausgegeben hatte.

Spanien fordert unbegrenzte EZB-Anleihekäufe

Geht es nach Spanien, soll die EZB unbegrenzt spanische Staatsanleihen auf den Kapitalmärkten aufkaufen. Das forderte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur Efe. Nur so könne erreicht werden, dass der Zinsdruck für spanische Anleihen nachhaltig abgeschwächt und die Zweifel am Euro ausgeräumt werden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ländern wie Spanien oder Italien einen solchen Eingriff der Zentralbank in Aussicht gestellt, als Voraussetzung aber einen Hilfsantrag und damit verbundene Auflagen genannt. Über die Gegenleistungen, die die Länder zu erbringen hätten, werde voraussichtlich auf den Sitzungen der Wirtschafts- und Finanzminister der Euro-Gruppe und der EU in der zweiten Septemberwoche beraten, sagte de Guindos.

Spanien und Italien haben sich bisher noch nicht festgelegt, ob sie den von der EZB geforderten Antrag auf EU-Hilfen stellen werden. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy will von der EZB zuvor wissen, wie eine mögliche Intervention der Zentralbank auf den Kapitalmärkten genau aussehen würde.

Kauder und Schäuble gegen neues Griechenland-Hilfspaket

Die Regierung in Madrid muss einigen klammen spanischen Regionen unter die Arme greifen, die in Zahlungsschwierigkeiten sind. Dafür stellt Spanien derzeit einen eigenen Rettungsfonds über insgesamt 18 Milliarden Euro zusammen.

Auch in Griechenland gibt es nach Informationen des SPIEGEL neue Finanzierungslücken. Demnach fehlen der Regierung in Athen nicht nur 11,5 Milliarden Euro, wie sie selbst beziffert, sondern bis zu 14 Milliarden Euro. Das hat die Gläubigertroika aus Internationalem Währungsfonds, EZB und EU-Kommission unlängst festgestellt.

Ein neuerliches Hilfsprogramm zusätzlich zu den bereits bestehenden zwei Rettungspaketen für Griechenland lehnen führende Unionspolitiker der schwarz-gelben Koalition aber ab. Der Fraktionschef der Union im Bundestag, Volker Kauder, sagte dem SPIEGEL: "Die Griechen müssen einhalten, was sie zugesagt haben." Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble erteilte am Samstag neuen Finanzhilfen eine Absage: "Wir können nicht schon wieder ein neues Programm machen." Man könne nicht verantworten, Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL - ab Montag am Kiosk und in der digitalen Ausgabe.

fdi/dpa-AFX
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