Schuldenkrise Irland wagt Verzicht auf Euro-Hilfsprogramm

Die Regierung in Dublin zeigt sich entschlossen: Irland steigt ab Dezember aus dem internationalen Hilfsprogramm aus. Der Internationale Währungsfonds hält dieses Manöver für riskant.

Irlands Premier Enda Kenny (Archivbild): "Richtige Entscheidung"
AP/dpa

Irlands Premier Enda Kenny (Archivbild): "Richtige Entscheidung"


Dublin/Brüssel - Irland sieht seine Staatsschuldenkrise als weitgehend überstanden. Im Dezember will das Land auf Hilfsgelder verzichten. Wie geplant steigt die Regierung in Dublin zum Jahresende aus dem internationalen Hilfsprogramm aus, sagte der irische Premier Enda Kenny am Donnerstag im Parlament.

"Das ist die richtige Entscheidung für Irland", sagte Kenny. Irland wolle im Anschluss auch keinen Vorsorgekredit des Euro-Rettungsfonds in Anspruch nehmen, heißt es. Die irische Regierung machte ihre Entscheidung vor einem Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstagnachmittag in Brüssel bekannt. Dort steht der Ausstieg Irlands sowie Spaniens aus ihren jeweiligen Hilfsprogrammen auf der Tagesordnung. Irlands wirtschaftliche und finanzielle Erholung im Zuge des Programms gilt nach den Worten eines EU-Diplomaten als "Erfolgsgeschichte". Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem rechnet damit, dass sich auch Spanien zum Jahresende vom Euro-Rettungsschirm verabschiedet.

Die Bundesregierung hat die Ankündigung Irlands begrüßt, das Rettungsprogramm von EU und IWF planmäßig Mitte Dezember zu verlassen. Mit Irland schließe der erste Mitgliedstaat der Euro-Zone ein Programm erfolgreich ab, erklärte eine Regierungssprecherin am Donnerstag in Berlin. Die Bundesregierung sei überzeugt, dass Irland bereit sei für diesen Schritt. "Dies ist ein wichtiger Tag für Irland und die Euro-Zone."

Irland hatte 2010 nach Griechenland als zweites Euro-Land um Hilfe gebeten und internationale Unterstützung in Höhe von 67,5 Milliarden Euro erhalten. Weitere 17,5 Milliarden Euro brachte das Land selbst auf.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Irland zuletzt davor gewarnt, den Euro-Rettungsschirm ohne Sicherheitsnetz zu verlassen. Zwar habe Irland alles getan, um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren; die Troika der internationalen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF sollte Irland aber mit vorsorglichen Maßnahmen zur Seite stehen.

bos/AFP/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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spon-facebook-10000373147 14.11.2013
1. Zurückerlangung der Staatlichen Souveränität
wunderbar, damit erlangt Irland seine staatliche Souveränität zurück und zeigt Europa den Finger
2bing 14.11.2013
2. Zum Scheitern verurteilt!
Wie Weltfremd ist die irische Regierung. Bei den Arbeitslosenzahlen, der Rezession und dem enormen Schuldenberg wird das nicht klappen. Kurzfristig vielleicht aber langfristig auf gar keinen Fall. Sie sollten dem IWF Ratschlag folgen. Die beiden Top Ökonomen und Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik haben dies in ihrem großartigen Buch faktenbasiert und verständlich dargelegt.
Malshandir 14.11.2013
3. Rezept für Griechenland
Ich denke, hier sieht man die Mentalitätsunterschiede. Die Iren haben die Ärmel hochgekrempelt und mit wenig Murren die Karre aus dem Dreck gezogen, während in Griechenland sich nichts tut. Griechenland sollte lernen oder gehen.
dirkhs 14.11.2013
4. Super...
natürlich findet der IWF das riskant, schlieslich kann die Organisation den Wirtschaftskurs des Landes nicht mehr so einfach diktieren. Ich finde das super. Ich denke die Iren wissen was auf sie zukommt
RührDich 14.11.2013
5. Das klappt im Leben nicht.
Und jetzt macht Spanien noch das gleiche. Beide eine katastrophal hohe Anzahl an Arbeitslosen, kein funktionierendes Wirtschaftssystem - und Milliarden Schulden. Ein Himmelfahrtskommando. Aber, im Grunde spielts ja keine Rolle. Im Notfall garantiert ja die EZB... will sagen, der deutsche Steuerzahler. Dem ist ja nichts gut genug für sein Europa - und seinen Euro.
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