Euro-Krise IWF warnt Deutschland vor böser Überraschung

Bisher profitiert Deutschland von seiner starken Exportwirtschaft. Doch der IWF warnt: Die Bundesrepublik stütze sich zu sehr auf Ausfuhren. Eine Verschärfung der Euro-Krise könne einen "massiven Einbruch" auslösen. Darum müssten die Deutschen selbst mehr konsumieren.

Container im Hamburger Hafen: Deutschland ist abhängig von Exporten
dapd

Container im Hamburger Hafen: Deutschland ist abhängig von Exporten


Washington - Bisher haben die Deutschen die Euro-Krise kaum zu spüren bekommen. Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt Deutschland davor, sich in Sicherheit zu wiegen. Eine Verschärfung der Schuldenkrise könne die Aussichten der Bundesrepublik auf anhaltendes Wachstum zunichtemachen, schreiben IWF-Experten in einem am Dienstag veröffentlichten Länderbericht.

"Deutschland ist eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit", hieß es. Das mache das Land extrem anfällig für negative Entwicklungen von außen - sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft. Die derzeit "beachtliche" ökonomische Lage in der Bundesrepublik stütze sich zu sehr auf den Export, urteilt der zuständige IWF-Volkswirt Subir Lall. Es müsse jetzt mehr getan werden, um die Nachfrage im Inland anzukurbeln.

Komme es zu tiefen Erschütterungen im Euro-Raum, könnte das für Deutschland einen "massiven Einbruch" auslösen, warnten die IWF-Experten. Das deutsche Wirtschaftswachstum ist stark von den Exporten abhängig. Im vierten Quartal 2011 lag der Anteil der Ausfuhren an der gesamten Wirtschaftsleistung bei 50,6 Prozent. Die Euro-Krise macht sich bei den Exporten bereits bemerkbar. Das Statistische Bundesamt meldete Anfang Juni, dass die deutschen Exporte im April gesunken sind. Besonders stark gingen die Ausfuhren in andere europäische Länder zurück.

Mahnung an Deutschland in der Euro-Krise

Es gab vom IWF auch Lob für Deutschland. "Das Abschneiden der deutschen Wirtschaft trotz starken Gegenwindes ist bemerkenswert", hieß es. Für das laufende Jahr erhöhte der IFW seine Wachstumsprognose um 0,4 Punkte auf ein Prozent. Die Schätzung für 2013 nahm der Fonds aber um 0,1 Prozentpunkte zurück. Er rechnet nun mit einem Plus von 1,4 Prozent.

Deutschland könne eine Schlüsselrolle spielen, um die Stabilität der Euro-Zone zu sichern und das Wachstumspotential zu erhöhen, schreiben die IWF-Experten. Sie richteten auch eine Mahnung an die Bundesregierung: Das Land solle stärker die gemeinsame europäische Vision für eine stabile Architektur des Währungsraums nach der aktuellen Krise nach außen vertreten. Damit könne Deutschland etwas für die Rückgewinnung von Vertrauen an den Märkten tun.

Für ihren Bericht hatten die IWF-Experten von Ende April bis Anfang Mai Deutschland besucht und unter anderem mit Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbankchef Jens Weidmann gesprochen.

Frankreich rechnet mit deutlich weniger Wachstum

Während Deutschland sich auf eine stabile Konjunktur stützen kann, sieht die Lage im Nachbarland Frankreich schlechter aus. Die französische Regierung korrigierte am Dienstag ihre Wachstumsprognose für das laufende und kommende Jahr deutlich nach unten. Statt einem Plus von 0,7 Prozent erwartet sie für 2012 nun ein Wachstum von 0,3 Prozent, sagte Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Für das kommende Jahr werde nur noch ein Zuwachs von 1,2 Prozent erwartet. Bislang ging die Regierung für 2013 von 1,75 Prozent aus.

Ayrault gab die Zahlen im Rahmen seiner ersten Regierungserklärung bekannt. Die Regierung wolle den Schuldenberg abbauen, gegen den Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie kämpfen und die Wirtschaft ankurbeln, versprach er. Dazu kündigte der Regierungschef einen "nationalen Pakt für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" an. Zugleich bekräftigte er das Ziel, bis 2017 wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. In den kommenden eineinhalb Jahren muss die Regierung ein Haushaltsloch in Höhe von rund 40 Milliarden Euro stopfen.

IWF besorgt über Lage in den USA

Die Finanzkrise in Europa macht aber nicht nur den hiesigen Volkswirtschaften zu schaffen. Nach Einschätzung des IWF bedroht die Euro-Krise auch das US-Wachstum. "Die Vereinigten Staaten bleiben anfällig für eine Ansteckung bei einer Verschärfung der Schuldenkrise im Euro-Raum", warnte der Fonds in einem Bericht. Für 2012 nahm er die Wachstumsschätzung für die US-Wirtschaft von 2,1 auf zwei Prozent zurück. 2013 rechnet der IWF mit einem Plus von 2,3 Prozent in den USA.

Insgesamt bleibe der US-Aufschwung "lau und erhöhten Abwärtsrisiken ausgesetzt", hieß es. Die große Herausforderung der US-Politik sei, die begrenzten finanzpolitischen Spielräume so effektiv wie möglich zu nutzen, um das Wachstum kurzfristig zu unterstützten. Zugleich müsse aber ein glaubwürdiger Plan zur Sanierung des US-Staatshaushalts ausgearbeitet und vorgelegt werden. Auch die Finanzreformen müssten abgeschlossen werden.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
amnesiac 03.07.2012
1. also noch mehr Geld drucken!
so ist das doch gemeint?
handknauf 03.07.2012
2. Nix, nix!
Zitat von sysopdapdBisher profitiert Deutschland von seiner starken Exportwirtschaft. Doch der IWF warnt: Die Bundesrepublik stütze sich zu sehr auf Ausfuhren. Eine Verschärfung der Euro-Krise könne einen "massiven Einbruch" auslösen. Darum müssten die Deutschen selbst mehr konsumieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842394,00.html
Diese Raffgeier sollen zur Hölle fahren. Passives Konsumverhalten ist die beste Lösung um diesem Treiben ein endgültiges Ende zu setzen.
altmannn 03.07.2012
3. Gut erkannt.
Zitat von sysopdapdBisher profitiert Deutschland von seiner starken Exportwirtschaft. Doch der IWF warnt: Die Bundesrepublik stütze sich zu sehr auf Ausfuhren. Eine Verschärfung der Euro-Krise könne einen "massiven Einbruch" auslösen. Darum müssten die Deutschen selbst mehr konsumieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,842394,00.html
Also Die Gelder Der Rettungsschirme lieber hier in Infrastruktur und Bildung stecken. Oder wie?
klaglos 03.07.2012
4. Ja!
Zitat von amnesiacso ist das doch gemeint?
...aber dann bitte das Geld auf die Konten der Normalbürger überweisen ;). Nur dann wird der Konsum angekurbelt, denn auf den Banken verschwindet es bloß wieder auf Nimmerwiedersehen :(
meistro 03.07.2012
5.
Frau Lagard macht mal wieder französische Politik. Das hat sie schon mal erzählt, als sie noch Finanzministerin war. Recht wird sie trotzdem haben.
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