Euro-Krise Lagarde verlangt mehr Geld von Deutschland

Deutschland muss mehr für die Euro-Rettung tun, das verlangt IWF-Chefin Lagarde bei ihrem Besuch in Berlin: "Wir brauchen eine größere Brandmauer." Damit unterstützt die Französin Forderungen aus Italien nach mehr Geld. Doch Kanzlerin Merkel blockt.
IWF-Chefin Lagarde in Berlin: Deutschland soll mehr für Euro-Rettungsschirm zahlen

IWF-Chefin Lagarde in Berlin: Deutschland soll mehr für Euro-Rettungsschirm zahlen

Foto: Jens Meyer/ AP

Berlin - Der Druck auf Deutschland wächst: Die Bundesregierung soll mehr Geld für den Euro-Rettungsschirm lockermachen. Nun schließt sich auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, den Forderungen an. Am Montag sagte sie in Berlin, man müsse den Euro-Rettungsschirm ESM mit deutlich mehr als den geplanten 500 Milliarden Euro ausstatten: "Wir brauchen eine größere Brandmauer", sagte Lagarde bei einer Rede in Berlin. Zwar nannte sie Deutschland nicht direkt, doch als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone dürfte die Bundesrepublik bei einer Aufstockung des ESM einen Großteil der Zahlungen übernehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Bereitstellung von mehr Geld für den ESM noch am Morgen abgelehnt. Die Bundesregierung sei derzeit nicht der Überzeugung, dass der ESM verdoppelt werden müsse, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung sei gleichwohl bereit, mit allen Partnern über das zu sprechen, was diese auf den Tisch brächten, so Seibert weiter.

Grundsätzlich habe sich aber an der deutschen Position nichts geändert. Es gebe den Vorschlag, den ESM um ein Jahr auf Mitte 2012 vorzuziehen. Die Bundesregierung sei auch bereit, über eine neue Taktung der Einzahlung in den ESM zu reden. Diese Überlegungen hätten jetzt Priorität.

Mit der Rede der IWF-Chefin in Berlin wächst aber eine Woche vor dem EU-Sondergipfel der Druck auf Merkel, die Euro-Hilfen auszuweiten. So hat schon Italiens Regierungschef Mario Monti gefordert, das Hilfsvolumen des ESM auf bis zu eine Billion Euro zu verdoppeln - ähnliche Forderungen kommen aus anderen Euro-Ländern.

Bundesbank rechnet mit Stagnation

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte vorgeschlagen, die unverbrauchten Mittel des ESM-Vorläufers EFSF von etwa 250 Milliarden Euro dem Euro-Rettungsschirm bereitzustellen. Zwar lehnt die Bundesregierung bisher eine Ausweitung über 500 Milliarden Euro hinaus strikt ab. Im März wollen die EU-Chefs aber prüfen, ob diese Obergrenze reicht.

Die Bundesbank hat in ihrem am Vormittag veröffentlichten Monatsbericht Deutschland unterdessen auf eine Wachstumspause eingestimmt: "Für den Jahresauftakt 2012 deutet sich eine Seitwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft an", schreibt die Notenbank in ihrem Bericht. "Das wirtschaftliche Wachstum dürfte in Deutschland im letzten Vierteljahr 2011 zum Stillstand gekommen sein. Nach dem kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung im Sommer ist selbst ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht auszuschließen." Für das Gesamtjahr 2011 hatte das Statistische Bundesamt ein reales Wachstum von 3,0 Prozent ermittelt. Darin ist das vierte Quartal nur als Schätzung enthalten.

Die Bundesbank begründet ihre Einschätzung mit den Industrieaufträgen, die sich zuletzt erholt hätten. Zudem habe sich die Stimmung in der deutschen Industrie nach einem Tief im Sommer verbessert. Im Schlussquartal dürften indes die schwächere Weltkonjunktur und die Schuldenkrise die deutsche Wirtschaft belastet haben. Auch der private Konsum dürfte kaum mehr zugenommen haben. Die Bauwirtschaft habe hingegen stützend gewirkt.

nck/dpa/Reuters
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