Euro-Krise Merkels Experten lehnen Italien-Rettung ab

Experten der Bundesregierung lehnen es nach SPIEGEL-Informationen ab, Italien mit Mitteln aus dem europäischen Rettungsschirm zu stützen. Der Finanzbedarf des Landes sei immens, so dass auch Deutschland überfordert sei. Rom soll sich nun durch Einsparungen und Reformen selbst helfen.
Regierungschef Silvio Berlusconi (M.): 2013 soll der Haushalt ausgeglichen sein

Regierungschef Silvio Berlusconi (M.): 2013 soll der Haushalt ausgeglichen sein

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Hamburg - In der Bundesregierung wachsen laut SPIEGEL-Informationen die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte - selbst wenn der Fonds verdreifacht würde. Eine Volkswirtschaft wie Italien sei nicht zu stützen, dazu sei sie zu groß, heißt es zur Begründung.

Der Finanzbedarf des Landes sei riesig. Nach Einschätzung von Regierungsexperten können die übrigen Partnerländer zudem nicht die Garantie der gesamten italienischen Staatsschuld von über 1,8 Billionen Euro stemmen. Spätestens dann würden die Märkte argwöhnen, dass auch Deutschland überfordert sei.

Deshalb besteht die Bundesregierung darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise findet. Der Rettungsschirm sei dagegen nur dafür ausgelegt, kleine bis mittelgroße Länder aufzufangen.

Eine Aufstockung des europäischen Rettungsfonds hatten Analysten bereits gefordert. Derzeit sind 440 Milliarden Euro vereinbart - nach Abzug der Griechenland-Hilfe bleibe nicht mehr genug Geld, um mögliche weitere Wackelkandidaten zu stützen. Ab 2013 soll ein neuer Rettungsmechanismus, der ESM, den EFSF ablösen.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat am Freitagabend angekündigt, dass seine Regierung ihr Reformprogramm beschleunigen werde. Ziel sei nun, 2013 und damit ein Jahr früher als geplant einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Bereits im Juli hatte die Regierung ein milliardenschweres Sparpaket auf den Weg gebracht, um sein Haushaltsdefizit zu senken.

Uneinigkeit in der EZB

In der Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht derweil offenbar noch Uneinigkeit, ob das Institut auch italienische Staatsanleihen ankaufen sollte oder nicht. Allerdings seien selbst diejenigen, die für ein solches Handeln plädieren, der Auffassung, dass Italien noch ehrgeiziger bei seinen Sparplänen sein sollte, erfuhr Reuters am Samstag aus EZB-Kreisen.

Aus zwei unterschiedlichen Quellen hieß es, man rechne damit, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit den Ratsmitgliedern der Bank noch am Wochenende telefonieren werde. Dabei solle besprochen werden, wie die EZB auf die andauernden Turbulenzen an den Finanzmärkten und die jüngsten Sparankündigungen aus Italien reagieren wird.

Der Entzug der Top-Bonitätsbewertung für die USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's könnte dazu beitragen, dass die Finanzmärkte nach dem Wochenende am Montag noch nervöser als in den letzten Tagen eröffneten. Die Renditen für italienische und spanische Staatsanleihen waren in der vergangenen Woche mit deutlich über sechs Prozent auf ein 14-Jahres-Hoch gestiegen.

Italiens Staatsverschuldung lag zuletzt bei rund 120 Prozent.

wbr/Reuters
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