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09. Mai 2011, 14:52 Uhr

Euro-Krise

Rating-Agentur nennt Athener Anleihen hochspekulativ

Die Sorge um Griechenland wird immer größer: Nach Ansicht der Rating-Agentur Standard & Poor's hat sich die Kreditwürdigkeit des schuldengeplagten Staates verschlechtert. Anleihen der Regierung seien mittlerweile hochspekulative Papiere.

Paris - Die Griechenland-Krise verschärft sich: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Note für die Schulden des Staates um zwei Stufen gesenkt. Anleihen werden jetzt mit "B" bewertet, wie die Agentur mitteilte - sie gelten damit als hochspekulativ. Es drohen zudem weitere Herabstufungen.

Die Rating-Agentur begründete die Beurteilung mit der gestiegenen Gefahr, dass die staatlichen Gläubiger der Euro-Zone eine Verlängerung ihrer Laufzeiten akzeptieren könnten. Bei einer solchen Verlängerung könnten sie eine vergleichbare Behandlung von privaten Gläubigern verlangen.

Griechenland habe zudem sein Defizitziel für den Staatshaushalt von 9,6 Prozent im vergangenen Jahr verfehlt. Tatsächlich habe das Defizit bei 10,5 Prozent gelegen. Es sei zudem fragwürdig, ob Griechenland sein Ziel für das Jahr 2011 erreichen wird.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" will auch die Agentur Fitch die Note für die griechischen Staatsschulden auf "B" oder "B-" senken. Fitch wollte dies der Zeitung zufolge nicht kommentieren. Auch die Rating-Agentur Moody's plant nach eigenen Angaben, seine Note von derzeit B1 um mehrere Stufen herabzusetzen. Eine Rückkehr Griechenlands an die Finanzmärkte 2012 sei immer unwahrscheinlicher.

Die Regierung in Athen protestierte gegen die Herabstufung durch Standard & Poor's. Seit der letzten Bewertung Ende März habe es keine neuen negativen Entwicklungen oder Entscheidungen gegeben, teilte das griechische Finanzministerium am Montag in Athen mit. Damit sei die abermalige Herabstufung nicht gerechtfertigt. "Rating-Entscheidungen sollten auf objektiven Daten, politischen Ankündigungen und realistischen Annahmen über die wirtschaftliche Bedingungen basieren. Nicht auf Marktgerüchten oder Presseberichten."

EU-Politiker gegen Umschuldung

Führende EU-Politiker sprechen sich vehement gegen eine Umschuldung aus. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hatte nach einem Krisentreffen hochrangiger Vertreter des Euro-Raums am vergangenen Freitag in Luxemburg erklärt, die großen Länder der Euro-Zone hätten "jegliche Umschuldung" Griechenlands abgelehnt.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gab sich optimistisch, dass es mit Europa bergauf geht. Es sei deutlich geworden, dass es keinen Zweifel mehr "an einer weltweiten Erholung" geben könne, sagte er. Ein Rückfall in die Rezession sei nicht zu erwarten.

Allerdings bestehe die Gefahr einer wirtschaftlichen Überhitzung, da vor allem in den Schwellenländern der Aufschwung deutlich rasanter ausfalle als in den Industriestaaten. Auch die gestiegenen Rohstoffpreise müssten genau beobachtet werden.

ssu/yes/AFP/dpa-AFX

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