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03. August 2011, 12:25 Uhr

Euro-Krise

Renditen für italienische Staatsanleihen erreichen Höchststand

Die Euro-Krise spitzt sich wieder zu: Die Renditen für italienische Staatsanleihen steigen auf ein Rekordhoch, das Schuldenproblem des Landes wird damit bedrohlicher. Bei einem Spitzengespräch mit Euro-Gruppen-Chef Juncker bittet Finanzminister Tremonti nun um politische Unterstützung.

Luxemburg - Neue Milliardenhilfen für Griechenland und Sparpakete von Athen bis nach Rom haben nichts gebracht: Die Euro-Krise ist wieder da - und sie kommt mit voller Wucht. Am Mittwoch schossen die Renditen auf zehnjährige italienische Staatsanleihen auf ein Rekordhoch seit der Euro-Einführung. Der Zinsaufschlag für die Papiere kletterte am Rentenmarkt um 0,19 Prozentpunkte auf 6,21 Prozent. Müsste die italienische Regierung in diesen Tagen an den Märkten neues Geld aufnehmen, wäre das extrem teuer für sie.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigte sich am Morgen: Italiens Finanzminister Giulio Tremonti reiste zu einem Krisentreffen mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, um dort um politischen Beistand zu bitten. Beide gaben sich im Anschluss an das 110-minütige Gespräch recht wortkarg. "Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging", sagte Juncker. "Und wir werden unsere Meditation gemeinsam fortsetzen." Tremonti erklärte lediglich: "Das stimmt. Wir hatten eine lange und fruchtbare Diskussion." Weitere Erklärungen gab es nicht.

Das Gespräch war vereinbart worden, nachdem sich die Renditen für italienische Staatsanleihen bereits in den Tagen zuvor massiv verteuert hatten. Nach Börsenschluss wollte sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Parlament zur Schuldenkrise und dem jüngst verabschiedeten milliardenschweren Sparpaket äußern.

Der neue Ausbruch der Krise, er trifft auch Spanien hart: Für zehnjährige Staatspapiere stieg die Rendite auf 6,34 Prozent. Am Vortag war bereits ein Rekordhoch seit der Euro-Einführung von 6,45 Prozent erreicht worden. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero musste angesichts der anhaltenden Nervosität an den Märkten seinen geplanten Urlaubsbeginn um einen Tag verschieben.

"Alarmierende und beängstigende Sache"

Finnlands Ministerpräsident Jyrki Katainen äußerte sich besorgt über die Entwicklung in Italien und Spanien. "Das ist eine alarmierende und beängstigende Sache", sagte er dem Sender YLE. Der Wirtschaftsweise Lars Feld hatte bereits in einem Zeitungsinterview vor einer Eskalation der Euro-Krise spätestens im September gewarnt - und das obwohl die Euro-Partner erst vor knapp zwei Wochen ein 109 Milliarden Euro schweres zweites Rettungspaket für Griechenland beschlossen hatten, um die Nervosität an den Märkten einzudämmen.

Doch die Wirkung ist inzwischen verpufft. Seit Tagen geht es an den weltweiten Börsen abwärts - auch beeinflusst durch das Schuldendrama in den USA. Am Mittwoch verlor der deutsche Leitindex Dax zum sechsten Mal in Folge. Gegen Mittag lag er 0,8 Prozent im Minus bei 6743 Punkten. Auch in den USA und Asien waren die Börsen zuvor mit hohen Abschlägen aus dem Handel gegangen.

Wie schon in den Wochen zuvor stürzten sich Anleger auf Gold, das als vermeintlich sicherer Hafen gilt. Der Preis für die 31-Gramm-Feinunze erreichte am Morgen mit 1663,10 US-Dollar einen neuen Höchststand.

Schweiz will Franken mit Nullzinspolitik schwächen

Die Schweizer Notenbank (SNB) reagierte auf die ebenfalls seit Wochen andauernde Rekordjagd des Schweizer Franken mit einer Nullzinspolitik. Die SNB will nun ihren Leitzins, den Dreimonats-Libor, so nahe wie möglich bei null anlehnen. Den Libor steuert die SNB nicht direkt, sondern über ein Zielband, das sie nochmals verengt und das nun neu zwischen 0 und 0,25 Prozent statt 0 bis 0,75 Prozent liegen wird. Damit wird Geld, das sich die Geschäftsbanken bei der SNB ausleihen, nochmals günstiger.

"Die Nationalbank betrachtet den Schweizer Franken zurzeit als massiv überbewertet", begründet die SNB ihre Maßnahmen. Die Stärke des Franken bedrohe die Wirtschaftsentwicklung und erhöhe die Deflationsgefahren. Die Schweizer Notenbank signalisierte zudem erneute Interventionen am Devisenmarkt. Nach der Entscheidung entfernte sich der Franken wieder etwas von seinem Rekordniveau.

yes/Reuters/dapd

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