Bankenkrise Spanien beantragt Finanzhilfen bei Euro-Partnern

Der Antrag an die Euro-Partner ist auf dem Weg: Spanien hat nun offiziell um Hilfen für seine Banken gebeten. Wie viele Milliarden das Krisenland für seine Finanzinstitute verlangt, wurde nicht gesagt.
Wirtschaftsminister Guindos: Konditionen müssen noch ausgehandelt werden

Wirtschaftsminister Guindos: Konditionen müssen noch ausgehandelt werden

Foto: Andres Kudacki/ AP

Madrid - Etwa zwei Wochen haben die Euro-Partner auf den offiziellen Hilfsantrag aus Spanien gewartet, nun ist er gestellt worden: Das Krisenland hat am Montag den Antrag für seinen maroden Bankensektor an die Partner abgeschickt. Dies teilte das spanische Wirtschaftsministerium mit.

Demnach schickte Wirtschaftsminister Luis de Guindos den Antrag an Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. "Im Namen der spanischen Regierung beantrage ich formell finanzielle Hilfe für die Rekapitalisierung der spanischen Kreditinstitute", heißt es in dem Schreiben. Der Brief enthält den formalen Hilfsantrag, nennt aber keine Details über die Modalitäten des Kredits. Die Konditionen müssen erst noch mit der Euro-Gruppe ausgehandelt werden. Auch die Summe werde erst zu einem späteren Zeitpunkt feststehen und so groß sein, dass sie den Bedarf decke sowie ein Sicherheitspolster beinhalte. Die Kernfrage nach den benötigten Milliarden bleibt also vorerst offen. Nach Angaben von Guindos sollen die Details für die Rettung des Sektors bis zum 9. Juli feststehen.

Der Kapitalbedarf der Institute könnte sich Gutachten zufolge auf bis zu 62 Milliarden Euro belaufen.

  • Laut der US-Beratungsfirma Oliver Wyman beläuft sich der Mindestbedarf des angeschlagenen Bankensektors auf 16 bis 25 Milliarden Euro. Sollte sich ihr Zustand weiter verschlechtern, müssten sie jedoch mit 51 bis 62 Milliarden Euro unterstützt werden.

  • Die deutsche Beratungsfirma Roland Berger kommt dagegen auf einen Minimalbedarf von 25,6 Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall könnte dieser Bedarf auf bis zu 51,8 Milliarden Euro steigen, schätzten die deutschen Experten.
Pauschal hatten die Euro-Partner Spanien bereits 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Anders als im Falle Griechenlands, Irlands oder Portugals geht es bei den Hilfsgeldern um eine reine Unterstützung des spanischen Finanzsektors. "Der Fonds für die Restrukturierung der Banken (Frob) wird die Gelder entgegennehmen und an die Finanzinstitute weiterleiten", heißt es daher in dem Brief.

Spaniens Banken haben sich während eines jahrelangen Immobilienbooms mit Hypotheken verspekuliert. Zahlreiche Hauseigentümer können ihre Kredite nicht mehr zahlen, und da die Arbeitslosigkeit steigt, geraten zusehends auch Menschen aus der Mittelschicht in Zahlungsschwierigkeiten. Die Banken sitzen also auf einem wachsenden Berg fauler Kredite.

yes/dpa/Reuters