Bankenkrise Anleger wetten auf Spaniens Rettung

Neue Hoffnung für eine Lösung der spanischen Bankenkrise: Laut drei Nachrichtenagenturen könnte das Land schon am Wochenende einen Antrag auf EU-Hilfe stellen. Seit Bekanntgabe der Meldung steigen die Kurse an der Börse in Madrid. Offenbar ist der Finanzbedarf geringer als befürchtet.

Spanischer Premier Rajoy: Druck von den Märkten
REUTERS

Spanischer Premier Rajoy: Druck von den Märkten


Madrid - In der spanischen Bankenkrise versuchen die beteiligten Parteien offenbar eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Noch ist unklar, ob das tatsächlich möglich ist, doch es wird von allen Seiten kräftig Druck gemacht.

Die Nachrichtenagenturen dpa, Reuters und Bloomberg melden unter Berufung auf Insider bereits, dass Spanien am Wochenende EU-Hilfen beantragen will. Die Finanzminister der 17 Euro-Länder wollen demnach am Samstagmorgen eine Telefonkonferenz abhalten und über ein spanisches Hilfegesuch diskutieren. Eine Stellungnahme der EU soll bis zum Nachmittag erfolgen.

Eine spanische Regierungssprecherin dagegen sagt, ein Plan zur Sanierung der Institute werde erst dann vorgelegt, wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Bericht zur Lage der spanischen Geldhäuser vorgelegt habe. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa könnten die Zahlen allerdings noch am Freitag vorgelegt werden.

Anleger reagierten hoffnungsvoll. Der spanische Börsenindex Ibex drehte nach anfänglichen Verlusten deutlich ins Plus. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen stieg ebenfalls, tendierte aber noch leicht im Minus.

Die Krise in dem Land hatte sich die Woche über noch einmal deutlich verschärft. Am Dienstag hatte Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro erstmals offen Probleme seines Landes bei der Geldbeschaffung eingestanden. Am Donnerstag konnte das Land zwar den Kapitalmarkt um 2,1 Milliarden Euro anzapfen, musste für die Papiere aber höhere Zinsen bieten. Am Donnerstagabend dann hatte die Rating-Agentur Fitch die Bonitätsnote Spaniens gleich um drei Stufen heruntergesetzt.

Gleichzeitig gibt es aber auch Hoffnung. So ist der Finanzbedarf der spanischen Regierung nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich geringer als befürchtet. Zurzeit läuft eine Überprüfung der Bankbilanzen durch den IWF und Unternehmensberater. Der IWF taxiert den Kapitalbedarf der Banken nach Angaben mehrerer spanischer Tageszeitungen auf mindestens 40 Milliarden Euro. Für eine großzügigere Rekapitalisierung seien 90 Milliarden nötig. Allerdings sei die Zahl in dem IWF-Bericht nur eine Schätzung und könne noch schwanken.

Nach Angaben des spanischen Wirtschaftsministeriums werden die ersten Ergebnisse einer unabhängigen Prüfung der spanischen Bankenbranche bis zum 21. Juni fertiggestellt. Eine zweite, detaillierte Prüfung der Banken werde bis zum 31. Juli abgeschlossen.

"Die passenden Instrumente stehen bereit"

In der EU befürworten viele den Schritt Spaniens unter den Rettungsschirm. Die spanische Regierung selbst hat sich dagegen bislang stets gesperrt, weil sie keine Souveränität nach Europa abgeben möchte. In der vergangenen Woche sind die Zinsen für spanische Staatsanleihen allerdings in bedenkliche Höhen gestiegen, so dass eine Finanzierung immer schwieriger wird.

Nun heißt es, Spanien müsse von der EU nicht zwingend ein hartes Sparprogramm aufgezwängt bekommen, wie es bei Griechenland, Portugal und Irland der Fall war. Der Rettungsschirm EFSF biete auch die Möglichkeit, der Regierung in Madrid nur bei der Rekapitalisierung des Finanzsektors unter die Arme zu greifen, sagte der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Der Staat selber würde dabei nicht vom EFSF gestützt. "Spanien müsste daher nicht bei jeder Tranche, die vom EFSF ausgezahlt wird, seine gesamte Finanz- und Wirtschaftspolitik durchleuchten lassen." Eine solche Lösung hätte auch den Vorteil, dass die europäischen Rettungsfonds nicht überstrapaziert werden. Eine vollständige Stützung Spaniens über die kommenden Jahre würde die Kapazitäten sprengen.

Deutschland wollte eine reine Bankenrettung aber nur schwer akzeptieren. Gerade die Bundesregierung dringt darauf, dass das Land wie Griechenland, Portugal und Irland regulär unter den Rettungsschirm geht.

"Falls ein Antrag kommen sollte, stehen die passenden Instrumente bereit und können gemäß den vereinbarten Leitlinien eingesetzt werden", sagte denn auch der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Freitag. "Aus dem Krisenfonds EFSF können Kredite zur Unterstützung von Krisenbanken eingesetzt werden; das Hilfsprogramm muss aber über den entsprechenden Mitgliedstaat laufen." Selbst wenn Spanien also am Samstag einen Antrag stellt: Ob sich rasch ein Kompromiss findet, ist unklar.

Ein hochrangiger EU-Vertreter ist laut Reuters dennoch zuversichtlich. "Die spanische Regierung hat den Ernst der Lage erkannt", sagte er. Bis zur Wahl in Griechenland am 17. Juni müsse eine Lösung für Spanien gefunden werden. Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte für zusätzliche Unruhe im Markt sorgen - und Spanien gewaltige Probleme bereiten.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 41 Beiträge
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schlob 08.06.2012
1. nur!!! 50 mrd - vorerst??
Der einzige Weg ohne katastrophale Verschuldung Deutschlands,scheint nun der deutsche Austritt aus dem Euro- und Ausgabe eines Nordeuro.Im Unterschied zum Vorschlag von Olaf Henkel sollten wir aber Frankreich einbeziehen.- Wenn wir Frankreich und Irland usw mit in den neuen Nordeuro nehmen,wird die Aufwertung wegen deren hohen Schulden schon verkraftbarer sein.- Dann können die übrigen Länder -vor allem Spanien,Italien usw so viel Euro drucken wie sie wollen,und sie könnten ihre Schulden in Euro bedienen.- Dies würde die Schockwellen einer Währungsumstellung in Spanien bspw völlig vermeiden-die behalten ja den Euro.Es gäbe keinen Grund,die Banken zu plündern.- Ebenso gäbe es keinen Grund dazu in den Nordeuro-Ländern,denn hier würden die Menschen mit einer Aufwertung ihrer Euroguthaben durch die Umwandlung in Nordeuro rechnen.-
biwak 08.06.2012
2. "Die Hoffnung auf eine Lösung der spanischen Bankenkrise wächst" Zitat
Herr Seibert, ist dieses Werk von Ihnen? Wenn ja ist alles klar.
konnt_ja_keiner_ahnen 08.06.2012
3. Das Wort
passt so ganz und gar nicht in den Satz "Offenbar ist der Finanzbedarf geringer als befürchtet." Wenn ich mich recht erinnere, wurde uns vor 2 Jahren bei den Griechen vorgelogen, dass die mit 11 Mrd. aus dem Schneider wären, nicht wahr?? Ich bilde mal einen sinnvollen Satz mit "Offenbar": Offenbar werden wir nur noch und rund um die Uhr von Profiteuren des Eurowahnsinns für dumm verkauft.
lichtderaufrechten 08.06.2012
4. Staatsstreich
Der EFSF war zur Rettung von privaten Banken gedacht ? Das ist ein Staatsstreich! Milliardäre und Millionäre werden auf Kosten der Steuerzahler gerettet. Die Eigentumsverhälnisse bleiben . Das hat der Bundestag entschieden? Frau Merkel steht hier in der Tradition von Hindenburg und Papen !
wibo2 08.06.2012
5. Die passenden Instrumente bereit?
Die Krise der spanischen Banken wird noch schlimmer durch die Kapitalflucht. Die Euro-EU kündigt an, Eurostaaten aus der Gemeinschaftswährung unter Umständen auszuschließen. Es gibt auch keine Garantie dafür, dass Europa Spanien bei der Rettung seiner Banken unterstützt. Deshalb ziehen viele ihr Geld von spanischen Banken ab. Ausländische Investoren fliehen aus Spanien. Je mehr Geld abgezogen wird, mehrere hundert Millliarden Euro sind schon weg, desto mehr müssen die spanischen Banken ihre Bilanzsummen verkleinern. Das Elend der KMU (kleine und mittlere Unternehmen) ist ein weiterer Bestandteil der wirtschaftlichen Abwärtsspirale in Spanien. Der Markt ist geschrumpft, weil die Nachfrage sehr schwach ist. Seit 2008 gingen 600.000 KMU in die Insolvenz. Verschlechterte Konjunktur, neue Kredite werden selten vergeben, bestehende Kreditlinien werden gekürzt und bereits vergebene Kredite werden von den Banken gekündigt. Jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos und muss unter den die Folgen der Krise leiden.
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