Euro-Krise Trichet hält Griechen-Pleite für unvorstellbar

Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Politik des billigen Geldes: Die Notenbank hält den Zinssatz für den Euro-Raum unverändert bei 1,0 Prozent. EZB-Präsident Trichet sagte, dass eine Griechenland-Pleite für ihn nicht vorstellbar sei.

EZB-Chef Trichet: "Ein von Unsicherheit geprägtes Umfeld"
REUTERS

EZB-Chef Trichet: "Ein von Unsicherheit geprägtes Umfeld"


Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone auf seinem historischen Tief von 1,0 Prozent belassen. Der Zinssatz, zu dem sich die Kreditwirtschaft bei der Notenbank mit Geld versorgen kann, bleibe unverändert, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mit.

Der Großteil der Finanzexperten rechnet damit, dass die Zentralbanker den Leitzins frühestens Anfang kommenden Jahres wieder anheben. Mit den niedrigen Zinsen will die EZB die Erholung der Wirtschaft unterstützen. "Insgesamt geht der Rat davon aus, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone 2010 moderat wächst - in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld", sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main nach der Entscheidung der Notenbank, die Leitzinsen nicht anzutasten.

Die EZB-Währungsexperten gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in den Euroländern in diesem Jahr zwischen 0,4 und 1,2 Prozent liegt. Die Inflationsrate soll weiter unterhalb der Schwelle von zwei Prozent liegen, bei der die EZB die Währung für stabil hält.

Von dieser Politik will die EZB auch während der Griechenland-Krise nicht abweichen. Im Gegenteil: Trichet begrüßte das Nothilfeprogramm für Griechenland. "Nach allen Informationen, die ich habe, ist eine Pleite kein Thema für Griechenland." Das Paket von europäischen Staaten und dem Internationalen Währungsfonds sei für Griechenland sehr wichtig, sagte Trichet.

EZB-Chef: "Pleite ist für Griechenland kein Thema"

Die Mitglieder der Euro-Zone wollen Griechenland, das mit einem gigantischen Defizit zu kämpfen hat, im Notfall gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) retten. Diese prinzipielle Garantie sollte an den Finanzmärkten die Spekulationen auf die Pleite Griechenlands stoppen und dem Staat Luft verschaffen.

Allerdings sorgen die Haushaltsprobleme seit Tagen für Turbulenzen an den Rentenmärkten. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen am Donnerstag deutlich - damit wird es für die Regierung in Athen teurer, sich Geld an den Märkten zu beschaffen. Der Abstand zum Zinssatz für deutsche Staatsanleihen vergrößerte sich auf den Rekordwert von 4,4 Punkten. Das ist die größte Kluft seit dem Start des Euros 1999. Für zweijährige Staatsanleihen schnellte der Abstand allein am Donnerstag um 1,2 Punkte in die Höhe, was ein Zeichen für wachsendes Misstrauen von Investoren ist. Auch am Aktienmarkt in Athen war die Stimmung schlecht, die Kurse lagen deutlich im Minus.

Trichet sagte, die Aktivierung des Rettungspakets liege in der Hand der griechischen Regierung selbst. Die EZB verfolge die Situation sehr aufmerksam. Trichet betonte vor allem, dass er nicht gegen eine Einbeziehung des IWF bei einem Notfallplan für Griechenland ist. "Wir haben uns nie gegen den IWF ausgesprochen", sagte Trichet. Der von der EU beschlossene Plan sei praktikabel und eine sehr ernsthafte Verpflichtung für die betroffenen Länder.

Auch die Bank of England hält ihre Zinsen stabil. Dort können sich Banken noch billiger Geld leihen als bei der EZB: Der Zinssatz liegt unverändert bei 0,5 Prozent.

lgr/Reuters/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.