Drohende Staatspleite Zypern kämpft um Rettung in letzter Minute

Geht Zypern endgültig das Geld aus? Bis Montag muss die Regierung sich mit den Euro-Rettern einigen, das Krisentreffen in Brüssel verzögerte sich um zwei Stunden. Nikosia deutet Zugeständnisse an, die Mächtigen der Währungsunion erhöhen den Druck: "Es liegt nicht an uns, die Entscheidung liegt in Zypern."

Bankautomat in Nikosia: Schon am Montagabend will die EZB den Geldfluss stoppen
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Bankautomat in Nikosia: Schon am Montagabend will die EZB den Geldfluss stoppen


Nikosia/Brüssel - Auf Zypern geht die Angst um. Auch 25 Grad und strahlender Sonnenschein taugen an diesem Tag nicht, um die Laune der Menschen zu heben. Angespannt warten die Zyprer auf die Entscheidungen, die am Sonntagabend in Brüssel getroffen werden sollen. "Wir können jetzt nichts mehr machen", sagt der Inhaber des Cafés "Sta kalá Kathoúmena" in der Fußgängerzone von Nikosia. "Was kommt, das kommt, und wir müssen damit leben."

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Heft 13/2013
Der Krieg und die Deutschen

Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister trafen sich in Brüssel Spitzenvertreter der Europäischen Union mit dem zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Das Gespräch soll helfen, eine Lösung für das kriselnde Land zu finden. Mit Zyperns Präsidenten am Tisch saßen: EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. Anschließend kamen bei einem Arbeitsessen IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Präsident Mario Draghi und Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem dazu. Das Treffen der Finanzminister wurde am Sonntagabend von 18 Uhr auf 20 Uhr verschoben.

Finanzminister Wolfgang Schäuble erhöhte vor dem Treffen den Druck: "Es liegt nicht an uns, die Entscheidung liegt in Zypern", sagte Schäuble am Sonntagabend in Brüssel. "Ich hoffe, dass wir heute zu einem Ergebnis kommen, aber das setzt natürlich voraus, dass man in Zypern die Lage einigermaßen realistisch sieht." Der CDU-Politiker fordert, dass die marode Bankenbranche Zyperns schrumpfen müsse.

Zyperns Präsident Anastasiades hofft, mit Zugeständnissen eine Staatspleite in letzter Minute abwenden zu können. Im entscheidenden Punkt einer Teilenteignung reicher Bankkunden gibt es offenbar Fortschritte. Ein Regierungsvertreter sagte, beim größten Geldhaus des Landes, der Bank of Cyprus, solle eine Zwangsabgabe von 20 Prozent erhoben werden. Allerdings gelte das nur für Einlagen über 100.000 Euro. Bei anderen Banken soll sich die Abgabe für Vermögende auf vier Prozent belaufen.

Zypern liefert sich seit Tagen ein Hin und Her mit den Euro-Rettern. Das Land muss einen Beitrag von sieben Milliarden Euro liefern, um Hilfen über weitere zehn Milliarden Euro zu erhalten. Aus dem überdimensionierten Bankensektor sollen 5,8 Milliarden Euro kommen. Ein erstes Rettungspaket scheiterte im Parlament ohne eine einzige Ja-Stimme. Es sah eine Zwangsabgabe auf alle Bankvermögen vor, hätte also auch Kleinsparer belastet. Seit der Ablehnung wird nach Alternativen gesucht, ein von Zypern geplanter Solidaritätsfonds überzeugte die Euro-Retter nicht.

"Nur noch harte Entscheidungen möglich"

Europäische Spitzenpolitiker verschärften am Sonntag den Druck auf die zyprische Regierung. Wertvolle Zeit sei verstrichen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Es gebe zwar Fortschritte, Zypern stehe aber vor schweren Zeiten. Eine optimale Lösung könne es nicht mehr geben. "Heute sind nur noch harte Entscheidungen übrig."

Ähnlich äußerte sich Bundesfinanzminister Schäuble. "Zypern wird einen schweren Weg gehen - so oder so. Aber das ist nicht die Folge europäischer Sturheit, sondern eines Geschäftsmodells, das nicht mehr funktioniert", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag".

Grund für die harte Haltung der Bundesregierung dürften auch Berichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) sein. BND-Chef Gerhard Schindler habe in einer vertraulichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses auf die hohen Schwarzgeldsummen aus Russland bei zyprischen Banken hingewiesen, berichtet das "Handelsblatt". Der BND habe "systematische Faktoren" über in Zypern angelegtes russisches Geld aus Geldwäsche und Schwarzgeld zusammengestellt. Diese Faktoren, so Schindler, "geben uns zu denken". So seien etwa 40 Prozent der Nettogeldabflüsse aus Russland Schwarzgeld oder "aus Geldwäsche entstanden". Der SPIEGEL hatte bereits im November über die Warnungen des BND berichtet.

Zyperns Parlament soll am Abend noch beraten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Zypern ein Ultimatum bis Montagabend gesetzt. Wenn bis dahin keine Lösung steht, soll der Geldhahn zugedreht werden. "Die Situation ist sehr schwierig und die Fristen sind sehr knapp", hieß es von der zyprischen Regierung. Die Gespräche seien in einer heiklen Phase.

Heftigen Streit gibt es offenbar auch mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Eine IWF-Vertreterin stelle hartnäckige und teils "überhebliche" Forderungen, hieß es aus zyprischen Regierungskreisen. Hintergrund: Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank, soll in eine "gesunde" und eine "Bad Bank" geteilt werden. Der gesunde Teil soll von der größeren Bank of Cyprus übernommen werden. Die Last der bisherigen EZB-Liquiditätshilfen von etwa 9,5 Milliarden Euro für die Laiki Bank soll dabei nach dem Willen des IWF von der Bank of Cyprus übernommen und nicht in die Bad Bank abgeschoben werden. Dies würde nach Ansicht Nikosias allerdings den Branchenprimus in den Abgrund führen. Die Gespräche seien "explosiv".

Sollte am Sonntag ein Rettungspaket geschnürt werden, will sich das Parlament in Nikosia danach mit den Plänen befassen. Ein führender zyprischer Abgeordneter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Wir werden nach dem Treffen der Euro-Gruppe zusammenkommen." Die Banken des Landes bleiben vorsorglich auch am Montag geschlossen, weil ein Ansturm auf die Schalter befürchte wird, sollte es keine Rettung geben.

Die Stimmung auf Zypern schwankte am Sonntag zwischen Angst und Trotz. "Wir haben die Perser, die Araber, die Kreuzritter, die Osmanen, die Briten überlebt. Wir werden auch die Spar-Hysterie der Merkel überleben", sagte ein aufgebrachter Los-Verkäufer in Nikosia.

cte/Reuters/dpa

insgesamt 450 Beiträge
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Seite 1
anon11 24.03.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesGeht Zypern endgültig das Geld aus? Bis Montag muss die Regierung sich mit den Euro-Rettern einigen, in Brüssel kommt es am Abend zum Showdown. Obwohl Nikosia Zugeständnisse andeutet, erhöhen die Mächtigen der Währungsunion den Druck: Es seien "nur noch harte Entscheidungen übrig". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-zypern-kaempft-gegen-drohende-staatspleite-a-890661.html
"Sparhysterie der Merkel" ? Dieser fremde Pleitestaat geht Deutschland nichts an, es muss endlich Schluss sein mit der Rettung fremder Länder und fremder Banken. Jede Nation ist für sich selbst verantwortlich und muss zusehen wie sie zurecht kommt. Wenigstens zeigt die Krise einmal mehr das es keine europäischen Freunde für Deutschland gibt. Nur solange Deutschland zahlt und alles abnickt sind dies falschen Abzockerfreunde zufrieden. Deutschland muss raus aus der EU und dem Euro. Besser alleine als in schlechter Gesellschaft.
gweihir 24.03.2013
2. Wenn man lange genug murkst...
... ist es irgendwann zu spaet. Ich bezweifele, das die fortgesetzte demonstrierte Inkompetenz der Zyprioten und ihrer Politiker (das ist eine Demokratie dort, die sollen aufhoeren zu jammern, dass sie reingelegt worden seien...) noch abfangbar ist. Wuenschenswert ist es keinesfalls mehr. Wenn man lang genug Brot und Spiele waehlt, sind halt irgendwann kein Brot und keine Spiele mehr da. Die Griechen haben das auch schon festgestellt.
hauptsachemalwassagen 24.03.2013
3. am montag den 25.03.2013
ist feiertag in zypern und damit sind auch die banken geschlossen, schlecht recherchiert.
yallayalla 24.03.2013
4. Yes!
Zitat von sysopGetty ImagesGeht Zypern endgültig das Geld aus? Bis Montag muss die Regierung sich mit den Euro-Rettern einigen, in Brüssel kommt es am Abend zum Showdown. Obwohl Nikosia Zugeständnisse andeutet, erhöhen die Mächtigen der Währungsunion den Druck: Es seien "nur noch harte Entscheidungen übrig". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-zypern-kaempft-gegen-drohende-staatspleite-a-890661.html
Na, hoffentlich! Gibt ja offenbar sonst nichts Berichtenswertes. Da startet die neue Woche doch mit ein bißchen Schwung!
waddockhunt 24.03.2013
5. Korrektur
Die Banken bleiben deswegen morgen geschlossen, weil an dem Tag seit eh und je ein Bankfeiertag vorgesehen ist. Die vorsorgliche Schließung fand letzte Woche statt...
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