ESM-Vorschlag Euroländer sollen milliardenschweren Krisenfonds schaffen

Länder der Währungsunion sollten sich für Krisen ihrer Mitglieder wappnen, findet Rettungsfondschef Regling. Er will einen Krisenfonds aus Beiträgen der Länderhaushalte - bis zu 200 Milliarden Euro schwer.

Euro-Rettungsfondschef Klaus Regling
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Euro-Rettungsfondschef Klaus Regling


Finanzkrisen einzelner Länder bringen die Staatengemeinschaft der Eurozone immer wieder in die Bredouille. Die Europäische Währungsunion sollte sich nach Einschätzung des Chefs des Euro-Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, daher besser gegen finanzielle Krisen einzelner Mitgliedsländer wappnen als bisher. Helfen könne dabei ein Euro-Krisenfonds im dreistelligen Milliardenumfang.

"Wir brauchen eine begrenzte gemeinsame Fiskalkapazität in der Eurozone, um einzelnen Mitgliedstaaten in Falle einer plötzlichen schweren Krise helfen zu können", sagte Regling dem "Handelsblatt".

Als Größenordnung stellt er sich "einen Betrag in Höhe von 1 bis 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone" vor. Das entspricht einer Summe zwischen 100 und 200 Milliarden Euro. Bei der Finanzierung des Fonds könne sich die Eurozone an den USA orientieren, sagte er. Die US-Bundesstaaten haben sogenannte "rainy-day-funds" mit Beiträgen aus ihrem jeweiligen Landeshaushalt gefüllt.

Er zeigte sich zudem offen dafür, den ESM zu einem Europäischen Währungsfonds (EWF) aufzuwerten. Der EWF könne zum Beispiel an die Stelle des Internationalen Währungsfonds (IWF) treten, wenn es im Falle künftiger Krisen darum gehe, Spar- und Reformprogramme in betroffenen Staaten zu überwachen. Bei der finanziellen Unterstützung des hoch verschuldeten Eurozonenlands Griechenlands gibt es derzeit starke Spannungen zwischen dem IWF und Deutschland.

Die Reform der Eurozone ist eines der Themen, die beim deutsch-französischen Ministerrat an diesem Donnerstag besprochen werden. Deutschland und Frankreich wollen nach der Bundestagswahl im Herbst gemeinsame Reformvorschläge für die Währungsunion vorlegen. Die CDU/CSU fordert in ihrem Wahlprogramm, einen Europäischen Währungsfonds zu schaffen.

kig/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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bullermännchen 13.07.2017
1.
Die Eurozone verfügt über ein Warnsystem welches eigentlich relativ frühzeitig greift. Man sollte es eben auch beachten und die entsprechenden (Gegen)maßnahmen einleiten bevor die Lage eskaliert. Dazu fehlen den Wächtern die Möglichkeiten und so zahlen am Ende immer die die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Wie wäre zur Abwechslung mit einem Belohnungssystem? Wer die Maßgaben erfüllt und sich aktiv an der Stabilität beteiligt bekommt ein Goodie!
grommeck 13.07.2017
2. Was für verlogene Leute in der Öffentlichkeit ihren Müll verbreiten...
dürfen, die Krisen sind schon längst da. Die Banken sitzen auf Milliarden fauler Kredite, jeder weiß es niemand tut etwas, auch keine deutsche Kanzlerin, obwohl der deutsche Arbeitnehmer als Hauptsteuerzahler es berappen muß. Wie gehabt wird gezockt. Italien - pleite, Spanien - pleite, Portugal - pleite, Griechenland - immer noch pleite!! Ein Krisenfond ist Steuergeld für die nächste "Bankenrettung", sprich s.g. systemrelevante Kriminelle. Denn wer weiß dass er krumme Geschäfte macht ist ein Krimineller und inzwischen wissen auch viele Politiker was läuft in der "Finanzwelt". Beim nächsten G20 sollte sich die ausrichtende Stadt schon einmal die dreifache Anzahl an Polizisten zulegen, aber in den USA geht es ja auch leichter mit dem Knüppel zu - wird schon gehen. Also - weiter so!!
franz.ruedesheim 13.07.2017
3. Die Euroländer sind leider alle verschuldet
Das Geld für den Fonds müsste folglich durch neue Schulden beschafft werden. Neue Schulden, damit alte Schulden im Katastrophenfall bedient werden können? Klingt doch äußerst abstrus. Warum könnte es dennoch funktionieren? Weil mit diesem Werkzeug alle verschuldeten aber stabilen Euroländer ein Sicherheitsnetz für das instabilste Euroland finanzieren. Jedes stabile Euroland gibt einen kleinen Teil seiner Stabilität zu Gunsten des instabilsten Landes ab. Die "Guten" zahlen dauerhaft (Zinsen) für die "Schlechten". Warum sollten die "Guten" das tun wollen? Wer garantiert, dass die "Schlechten" nicht zukünftig noch fahrlässiger wirtschaften, weil das Risiko ja geringer geworden ist? Man wird betonen, dass es strenge Regeln geben wird! Glaubt noch jemand an die Einhaltung strenger Regeln? Sobald die ersten Euros aus dem Fonds entnommen werden, sind die "Guten" erpressbar. Sie hängen dann finanziell mit drin. Wie will man das verhindern? Schon heute können uns die Griechen erpressen. Damit muss Schluss sein. Alles was nach Solidarität und Risikoteilung aussieht ist immer nur ein Verteilprogramm von Nord nach Süd.
hannesmann 13.07.2017
4.
Dafür bietet sich doch die gerade von Herrn Macron gekippte Finanztransaktionssteuer an. Aus diesem Aufkommen kann dann dieser Fonds gespeist werden. Die Gelder werden dann auch nur für die Staaten eingesetzt die diese Steuer eingeführt haben.
rempfi 13.07.2017
5. Aha.....
wir lassen also die Banken und Hedgefonds und Finanzhasardeute (Macron will ja keine Finanztransaktionssteuer - aus Eigennutz) auf ewig Ihre dreckigen Spielchen weiterzutreiben. Anstatt daß die Regierungen endlich Ihrer eigenen Aufgabe nachzukommen haben, genau diese "Spielchen" weiterzutreiben. Aber es wäre ja natürlich auch schädlich unter anderem für solche Schwätzer wie Herrn Regling, der sein und das Dasein seiner Mitarbeiter ja irgendwie rechtfertigen muss, wenn dies geschehen würde. Übrigens möchte ich als Privatperson mal sehen, wer eigentlich für mich aufkommt, wenn ich mich so verhalten würde wie die Banken und Hedgefonds? Unerhört und unglaublich. Das was er von sich gibt ist nichts anderes als eine weitere Umverteilung von unten nach oben. Denn das Geld das hier eingezahlt werden soll, fehlt an anderer Stelle. Da kann man nur deutlich sagen NEIN NEIN NEIN.
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